Eine „Glückliche Familie“ beugt vor

Von 4. November 2009 Aktualisiert: 4. November 2009 12:35

Der Münchner Verein „Glückliche Familie e.V.“ schrieb vor einiger Zeit einen Fotowettbewerb zum Thema „Gewaltprävention“ aus. Jetzt stehen die Gewinner fest. Die Epoch Times Deutschland als Co-Sponsor stellt vier der Preisträger vor. Darunter die in Bethlehem lebende Französin Anne Paq. Sie veröffentlicht mit sieben weiteren israelischen Fotografen des Kollektivs „activestills“ Bilder aus dem besetzten Palästina. Da die Mainstream-Medien Israels ihre realistischen Werke kaum veröffentlichen, veranstaltet sie in Israel Straßenausstellungen mit ihren Bildern, um den Israelis die Realität vor ihrer Haustür nahezubringen. Ihre Lebensaufgabe, wie sie sagt, ist, über das Schicksal der Palästinenser aufzuklären, die unter israelischer Besatzung leben. Unter diesem Motto stand auch ihr preisgekröntes Bild „Vater trauert um seinen Sohn“.

Das Dorf Nilin wurde fast 20 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland von den Israelis durch eine Mauer von seinen Nachbarn sowie die Bauern von ihren Feldern getrennt: Einer Mauer, die kaum von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen wird. Seit Februar 2008 protestieren Schüler der Gemeinde gegen die Mauer, indem sie sich zu Protesten versammeln, bei denen über zehn von ihnen umkamen. Der zehnjährige Ahmed Moussa wurde dabei von israelischen Geschossen getroffen, dann ins Krankenhaus von Ramallah gebracht, wo er verstarb. An seinem Todesbett sieht man seinen stumm trauernden Vater, trotz oder sogar wegen des Schmerzes ein Moment besonderer familiärer Intensität. Für dieses Bild bekam sie von der Jury aus Experten im Bereich Fotografie einen der Hauptpreise verliehen, wobei es keinen direkten ersten Preis gab. Die Verantwortlichen sind der Meinung, dass eben dieses „Erster, nur kein Verlierer“ sein wollen auch einer der Gründe für die heutige Verrohung und Aggression unter weiten Teilen der Jugend ist, da Verlierer nicht geduldet würden. So wurden alle Preisträger gleichberechtigt ausgezeichnet. Das Bild ist, wie Paqs Bilder generell, in Schwarz-Weiß gehalten. Sie will dadurch einerseits größere Distanzierung zur an sich bunten Realität vermitteln, andererseits die Emotionen deutlicher darstellen. Aber eigentlich sei es nur eine intuitive und nicht verstandesabhängige Sache mit den Schwarz-Weißbildern, wie sie erklärt.

Für ihre Bilder verwendet sie zudem nie irgendwelche Teleskopkameras, nur ganz einfache Apparate. Sie will bei ihren Fotos immer nah am Brennpunkt sein, nicht aus der Distanz teilnehmen. Bei guten Bildern muss man eben „auf den richtigen Moment warten, Geduld zeigen“, so ihr Credo.

Die israelische Besatzung führt ihrer Meinung nach in der zweiten Stufe automatisch zur Kolonisierung des Landes – die in vollem Gang sei. Doch gibt es ihrer Ansicht nach unter den harschen Besatzungsbedingungen in Palästina überhaupt glückliche Familien? Ja und Nein. Die Palästinenser hätten einen starken Sinn für Humor, die Familien seien stark und hielten zusammen, es herrsche sogar ein ausgeprägter Familiensinn. Aber alle Familien seien vom Konflikt betroffen. Es gäbe keine Familie. die kein Opfer beklage, sei es jemand im Gefängnis, seien es verletzte, enteignete, durch die Mauer arbeitslos gewordene Menschen. „Tief im Inneren jedoch verspüren die Palästinenser kein Glück, also kann es die glückliche Familie im eigentlichen Sinn dort nicht geben.“ Das ist ihre Beobachtung vor Ort.

Eine weitere Gewinnerin ist Shan Yang aus China. Sie schloss ihr dortiges Studium mit dem Bachelor of Engineering ab, studierte dann in Stuttgart Informatik, später Design und ist seit diesem Jahr als selbstständige Fotografin tätig. Sie zieht es vor, ihre Objekte im realen Leben abzubilden, nicht unter den sterilen Bedingungen eines Fotostudios. So entstand auch ihr Siegerfoto bei einem Ehepaar zu Hause- Kinder, „die in einer liebevollen und fürsorglichen Familie aufwachsen, sind meistens verständnisvoll und psychisch gesund“, sagt sie.

Während der Zeit vom Baby bis zum Jugendlichen brauche der Nachwuchs richtige Führung und den Schutz der Eltern, um für den Einfluss von Außen, gegen Gewalt, gewachsen zu sein. Ihr Bild zeigt nicht unmittelbar die „Gewalt“, sondern es präsentiert das Thema aus einem liebevollen Blickwinkel. Die Bilder, die sie zum dem Wettbewerb abgegeben hat, zeigen Momente zwischen Kindern und Eltern, die sie sehr berührt haben. Shan fügt hinzu, dass sie sehr spontan entstanden wären, eben „real-life“ Arbeiten seien.

Laut Jury sollte der eingefangene glückliche Moment, das verschmitzte Lachen der Kleinen, die ausgedrückte Liebe und Fürsorge der Eltern, jedem Kind zuteil werden können.

Der dritte Preisträger, Benjamin Schulte-Frohlinde, beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Fotografie, legte sich schon mit 15 Jahren ein eigenes Schwarz-Weiß-Labor zu, machte Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg, dann eine Ausbildung zum Fotografen, war tätig als Fotograf und Fotolaborant, mit Weiterbildungen in Mediengestaltung, Webdesign und Flash (dynamisches Webdesign). Seit 2007 arbeitet er an einem Langzeitprojekt mit dem Titel „Plakate“. Die Arbeit „Aggressiv-Marketing“, das die geballte Faust der Saturn-Werbung zeigt, entstand im Rahmen dieses Projektes. Bei den hier vorgestellten Arbeiten setzt er sich intensiv mit der Werbung und ihren Einflüssen auseinander. Sie sind Teil einer Serie, die weitere Arbeiten umfasst. Der Einfluss von Gewaltwerbung könne von Erwachsenen noch eher, von Kindern aber sehr schwer verarbeitet werden. Zur Verrohung tragen seiner Meinung zufolge viele Faktoren bei: Leistungsdruck, Vereinzelung, Auseinanderbrechen der Familie. Dann komme es eben zu solchen Vorfällen wie den Überfällen in der Münchner S-Bahn.

Bei seinem Bild kam die Jury zu folgendem Urteil: Das Ziel der Werbung sei es nun mal, aufzufallen und Kunden zum Kaufen zu bewegen. Eine auffallende Werbung sei jedoch nicht von Gewalt und Brutalität abhängig, sondern von der Auffälligkeit. Auffälligkeit ist demnach auch ohne Gewalt zu erreichen, aber dazu braucht es Ideen. In den Köpfen der Werbefachleute scheinen die Vorstellungen von Gewalt und Kriminalität überhand zu nehmen, es mangele immer mehr an mitreißenden und außergewöhnlich guten Ideen. Doch sollte Gewalt und Kriminalität aus der Werbung verbannt werden.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 42/09

(Shan Yang)
(Shan Yang)
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