Glücksfall Maria Theresia: Wiens Blumenstrauß zum Jahrhundertjubiläum

Von 4. September 2017 Aktualisiert: 5. September 2017 1:24
Ansprechend und informativ präsentiert die Donaumetropole das reiche Erbe einer Ausnahmeherrscherin.

„Liebe auf den ersten Blick?“ Unnötig zu betonen, dass Liebesgott Amor zuweilen auch Fürstenhäuser im Visier hat. Wobei sein spitzer Pfeil imstande ist, selbst dicke Schlossfassaden zu durchdringen. Warum also sollte die blutjunge Habsburger Prinzessin Maria Theresia (1717-1780) davon verschont bleiben? Die Pfeilspitze trifft sie unerwartet mitten ins Herz bei einem Besuch des Hauses Lothringen in der habsburgischen Metropole Wien. Kaum hat sie den jungen lothringischen Prinzen Franz Stephan erblickt, und schon ist es um sie geschehen – spätere Heirat inbegriffen.

Ob beide wohl damals schon ahnten, dass sich aus ihrer starken Zuneigung zueinander auch eine „Liebe fürs Leben“ entwickeln würde? Immerhin gingen nicht weniger als sechzehn Nachkommen aus ihrer Ehe hervor, die bei der erfolgreichen habsburgischen Heiratspolitik Maria Theresia in den Rang einer „Schwiegermutter Europas“ erhoben.

Frauenpower und Lebensfreude

Darauf liegt das Hauptaugenmerk einer der Sonderausstellungen zum 300. Geburtstag der Monarchin im legendären „Hofmobiliendepot“, dem Möbel Museum Wien. Hier steht Maria Theresia als Mutter ihrer Großfamilie im Mittelpunkt, die zielgerichtet ihre Familie auch als politisches Geschäft betreibt. Vom Mythos einer erfolgreichen Familienmutter bis hin zur vorbildlichen Landesmutter, so verdeutlichen die Exponate, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Am augenfälligsten jedoch wird Maria Theresias Wirken im Schloss Schönbrunn. In jener gewaltigen Rokoko-Anlage am Rande Wiens, in der die architektonische Prachtentfaltung in riesigen Dimensionen Gestalt annahm. Doch zuweilen pflegt Maria Theresia noch eine andere Seite ihrer Persönlichkeit. Das beweist die an den Schlosspark angrenzende kaiserliche Wagenburg, zum Jubiläum neu ausgestaltet mit wundervollen Kutschen und wendigen Karussellwagen. Lässt sich aus ihnen nicht das Anliegen herauslesen, Frauenpower und Lebensfreude mit traditioneller höfischer Eleganz in Einklang zu bringen?

Militärische Selbstbehauptung   

Die politische Situation in der Mitte des 18. Jahrhunderts fordert jedoch ihren militärischen Tribut, der Maria Theresia auch eine „männliche“ Seite abverlangt. Diese Komponente ihrer Herrschaft wird deutlich in der Ausstellung „Bündnisse und Feindschaften“ in ihrem wunderschönen Schloss Hof östlich von Wien. Die Ausstellung führt ein in den österreichischen Erbfolgekrieg. Jene militärische Auseinandersetzung, bei der sich die soeben an die Macht gekommene Thronerbin des Hauses Habsburg sogleich massiver Erbansprüche aus Bayern und Böhmen erwehren muss.

Hinzu kommt der Überfall des jungen Preußenkönigs Friederichs II. auf das zu Habsburg gehörende Schlesien. Zweifellos ist dies der Anlass für all die tiefen feindschaftlichen Gefühle, die Maria Theresia gegenüber ihrem Widersacher bis ins hohe Alter hegt. Eine Abneigung, die umgekehrt dazu führt, in einem historischen „Wechsel der Allianzen“ dem bisherigen Erzfeind Frankreich als neuem Koalitionspartner die Hand zu reichen. Ein Bündnis, das auch während des „Siebenjährigen Krieges“ Bestand hat.

Modernisierung und Reformen

Demgegenüber zeigt die didaktisch äußerst professionell aufbereitete Sonderausstellung im benachbarten Schloss Niederweiden, in welchem Maß Modernisierung und Reformen die Amtszeit Maria Theresias kennzeichnen. Erschreckend war der Monarchin nach dem preußischen Überfall auf Schlesien klargeworden, dass das österreichische Heer im Unterschied zu den Türkenkriegen nicht über eine ausreichende Kampfkraft verfügte. Eine Heeresreform musste also her und zwar schnell!

Da die Herrscherin als junge Frau jedoch nicht auf ihr späteres Amt vorbereitet worden war, tat sie gut daran, sich dem Rat kompetenter Fachleute in ihrer unmittelbaren Umgebung anzuvertrauen. Ebenso verhielt es sich mit Reformen in den Bereichen der Justiz und Wirtschaft. Ja selbst in der Bildungspolitik erwies sich ein grundlegender Wandel als unverzichtbar. Allesamt Maßnahmen, durch die sich die Monarchin als Bauherrin eines modernen europäischen Staates profilierte.

Feldherren und Berater

Ein Mikrokosmos ihrer Persönlichkeit und ihres Lebenswerkes findet sich in dem zu ihren Ehren errichteten Maria-Theresia-Denkmal zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum. Souverän und würdevoll zugleich sitzt sie da, legitimiert durch das Schriftstück der „Pragmatischen Sanktion“, die Ihr als Frau zur Macht verhalf.

Fast so wichtig wie sie selbst sind jedoch die Vertrauten auf dem Sockel des Denkmals, wobei besonders die Silhouetten von vier Feldherren hoch zu Ross die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Erst beim zweiten Blick, darauf verweist kenntnisreich Stadtführerin Kerstin Timmermann, werden ihre weiteren Berater und Vertrauten erkennbar, einschließlich des von ihr hoch geschätzten Leibarztes Gerard van Swieten.

Liebe im Tod

Bleibt noch eine allerletzte und dazu verborgene Hinterlassenschaft, in der sich der Lebenskreis der Herrscherin vollendet. Und die zugleich Maria Theresias „Liebe bis in den Tod“ gegenüber ihrem Gemahl unter Beweis stellt. Es ist das gemeinsame Grabmal in der Kapuzinergruft, das nach dem überraschenden Tod von Kaiser Franz Stephan (1765) regelmäßig von der durch tiefe Trauer gezeichneten Witwe aufgesucht wird, bis der Sensenmann auch ihrem Leben ein Ende setzt.

Wen wollte es also wundern, wenn diese Ausnahmepersönlichkeit den Wienern über die Jahrhunderte als ein Glücksfall der Geschichte ans Herz wuchs. Wirkt da nicht die stilvolle Würdigung Maria Theresias durch die Donaumetropole anlässlich ihres runden Ehrentages geradezu wie ein riesiger bunter Blumenstrauß?

Denkmal in der Kapuzinergruft. Foto: Bernd Kregel

www.wien.info/de

 

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN