(Wen Jiang/The Epoch Times)

Hörspiele sind eine eigene Kultur

Von 17. Juni 2009
In Hamburg fand die zweite Hörspielmesse statt

Der niedrige, schwarze Saal platzt vor Menschen aus allen Nähten. Drei verchromte Mikrofone stehen auf der sonst leeren, schmalen Bühne, vor schwarzen Vorhängen und zwischen meterhohen Lautsprechern. Es ist heiß und feucht. Die Luft riecht verbraucht. Es ist fast unerträglich stickig und bis auf das grelle Scheinwerferlicht auf der Bühne dunkel. Nur eine Lampe bringt noch von irgendwo her schwaches, rotes Dämmerlicht auf die wartenden und leise wispernden Fans. Heute müssen sie doch ein paar Minuten warten bevor auf der Bühne zuerst die Sprecher zu sehen sind, und danach ein Hörspiel – Klassiker, die drei Fragezeichen, zu hören ist.

Es war die zweite Hörspielmesse, die letzten Samstag in den Eventhallen beim Hamburger Hauptbahnhof stattfand. Nach den Angaben des Veranstalters, der Firma Lausch phantastische Hörspiele, handelte es sich dabei überhaupt um die größte Hörspielmesse Deutschlands. Im Erdgeschoß des Gebäudes, in dem auch Post und Kinderbibliothek untergebracht sind, war alles ums Hörspiel von 38 Verlagen zu finden, von den neuesten Titeln bis zu den Sennheiser – Kopfhörern. Dazu gab es für die rund 2500 Besucher ein begleitendes Programm, von Hörspielen und Hörbüchern für Erwachsene und Kinder bis zu Talkshows.

Die Hörspielkultur in Deutschland ist einmalig in Europa. (Wen Jiang/The Epoch Times)Die Hörspielkultur in Deutschland ist einmalig in Europa. (Wen Jiang/The Epoch Times)

„Ein Hörspiel ist immer etwas was die Fantasie wahnsinnig anregt. Es ist Kinofilm im Kopf“ sagt renommierte deutsche Schauspieler und Drehbuchautor Joachim Dietmar Mues. Ein Hörspiel sei für ihn nicht nur etwas gesprochenes, sondern etwas künstlerisch gespieltes, etwas „wo ich mit der Stimme Angst kriege“. Es gebe zwar auch Hörbücher, aber die möge er nicht so gerne.

Ein Hörspiel fällt in eine andere Kategorie als ein Hörbuch, sagt Dirk Heinrich, Radiomoderator und Hörspielsprecher. „Ein Hörspiel ist ein Stück zum Hören, bei dem man den Zuhörer fesselt mit dem Spielen und Sprechen der Charaktere einer guten Regiearbeit, aber auch Geräusche und Musik sind sehr wichtig.“ Bei Hörbüchern könne man den Charakteren dagegen nur durch einen guten Sprecher einen eigenen Stil verleihen.

Gerade in Deutschland spielten Hörspiele noch immer eine sehr große Rolle, sagt Janet Sunjic, die mit ihrem Partner die Firma Lausch leitet. „Es ist hier eine Kultur, die es weder in Europa noch sonst wo auf der Welt gibt, das Hörspiel ist hier verwurzelt.“ Dies habe wahrscheinlich damit zu tun, dass die Kinder in Deutschland mit Hörspielen aufwüchsen.  Die Kassettenkinder, die älteren Mittzwanziger und aufwärts besönnen sich wieder an dieses schöne Medium aus der Kindheit und würden es auch an ihre Kinder weitergeben.

Denn die Hauptzielgruppe von Hörspielen sind schon lange nicht nur Kinder. Zwar gibt es unter den älteren Generationen noch immer solche die die drei Fragezeichen hören, doch auch die Radiohörspiele sind hoch im Kurs. Gehört werden Hörspiele als Ersatz zum Fernsehen, abends zum Einschlafen oder nebenbei Wobei sich nicht nur literarische Werke vom Roman bis zum Drama akustisch darstellen lassen sondern auch bis zu surreal anmutende Geschichten aus dem täglichen Leben.

Er habe die Hörbuchmesse aus Interesse besucht, da er schon seit Jahren sehr viele Hörspiele höre sagt Jens Grundmann, leitender Angestellter in einer Marketing Agentur. Rund 600 bis 700 Hörspiele hat er mittlerweile zu hause. Nachdem er die drei Fragzeichen in der Kindheit gehört hatte, habe er vor rund 15 Jahren wieder den Einstieg zu den Hörspielen gefunden. Er höre heute vor allem auf seinen eineinhalb bis zweistündigen, täglichen Arbeitswegen. „Das ist ein sehr angenehmer Zeitvertrieb für mich. Ein sehr interessantes Medium und man kann es prima nebenbei konsumieren.“

Sie sei ein „supergroßer Hörspielfan“ sagt Jennifer Jürs Biologie- und Deutschlehrerin, die mit Mann und Tochter die Messe besuchte. Sie verwende Hörspiele auch im Unterricht. Indem die Kinder selbst ein Regiebuch schrieben, könnten sie ein zuvor gelesenes Stück besser verstehen. „Kinder können dadurch das Hören schulen. Sie lernen sich zu konzentrieren, besser zuzuhören und aufzunehmen.“ Gerade in einer Zeit der Reizüberflutung sei es für Kinder sehr angenehm wenn sie einmal nur mit einem Reiz zu tun hätten, „also nur zu hören oder nur zu sehen.“

Es war das zweite Mal, dass in diesem Jahr die Hörspielmesse in Hamburg stattfand. Nach einer Hörspielkonvention vor drei Jahren in Frankfurt im kleinen Kreis der Freaks war die Idee einer Hörspielmesse entstanden. Denn in Deutschland gibt es sehr viele Hörspiel Fans. Aufführungen von Hörspiel Klassikern wie den drei Fragezeichen füllen ganze Stadien mit mehr als zehntausend Zuhörern.

(Wen Jiang/The Epoch Times)
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