Foto: Joshua Philipp/The Epoch Times

Japanische Schwertkunst goes Manhattan

Von 10. Januar 2010 Aktualisiert: 10. Januar 2010 22:56
Sensei Masami Shioda hält in New York die Tradition der Samurai am Leben

Masami Shioda (60) hält beidhändig einen großen in Leder gewickelten Bambusstock. Er steht Vernon Church gegenüber, einem 48-jährigen leitenden Angestellten aus der Internet-Branche, der ebenfalls einen solchen Bambusstock in den Händen hält. Die Stöcke treffen sich, während der Boden bei jedem Treffer und jedem Ausfallschritt bebt, da sie bei jedem Schlag gleichzeitig auf den Boden stampfen.

Grunzen, Schläge, gebrochenes Englisch mit japanischem Akzent. Es wirkt wie eine Szene aus einem alten Kung-Fu Film. Und immer wieder ein Moment der Ruhe nach jeder Abfolge von angreifenden und verteidigenden Bewegungen, bis sich die Kontrahenten wieder attackieren.

Die Shinkageryu Hyoho Schule in Manhattan unterrichtet traditionelle japanische Schwertkunst und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alte Kultur der Samurai zu bewahren. Diese Kunst wurde in der „Zeit der streitenden Reiche“ (1480 – 1570) gegründet und wurde laut Shioda bis heute nahezu unverändert weitergegeben.

„Man könnte fast sagen, dass es zwischen den Übungsmethoden der alten Samurai und den Übungsmethoden, die wir heute verwenden, keinen Unterschied gibt“, sagt Shioda, der Sensei (Lehrer) der Schule in New York City. „Deshalb kann man auch sagen, dass es nicht so beliebt ist wie Kendo.“

Shioda hat schnell ein Lächeln auf den Lippen, seine Augen blicken freundlich und sein Auftreten ist bescheiden. Kaum einer würde vermuten, welches kriegerische Können in diesem Mann steckt. Er unterrichtet in einem gemieteten Zimmer eines Tanz-Studios. Leise vernimmt man klassische Musik aus dem Nebenzimmer, wo der Tanzunterricht gegeben wird. Doch die Musik geht in dem Krachen der aufeinander treffenden Stöcke und dem Aufstampfen der Männer unter.

Eine historische Kultur

Der alten Tradition folgend, dass mit Ausnahme des Großmeisters der Kampfkunst keiner von dem Schüler für den Unterricht Geld verlangen darf, hält Shioda seinen Unterricht in verschiedenen gemieteten Räumlichkeiten. Er und seine Schüler teilen sich hierbei die Miete. „Er tut es gerne“, sagt Church, einer seiner langjährigen Schüler.

Nach den Schlägen auf die Übungsschwerter folgt eine weitere Bewegung, die nur Zentimeter vor dem Nacken oder dem Handgelenk endet. Es sieht aus, als würde dieser Schlag, würde er vollendet, sehr schmerzhaft sein. Nach einer Runde macht Shioda eine Pause und korrigiert die Bewegungen seines Schülers. „So muss das aussehen“ sagt er, während er Church die korrekte Schwertführung zeigt.

Shioda trainiert Shinkageryu seit mehr als 20 Jahren. Aufgewachsen ist er in Kamakura, fast 100 Kilometer von Tokyo entfernt. „Es wurde in meiner Stadt nicht unterrichtet“, übersetzt einer seiner japanischen Schüler.

„Kendo stellte mich nicht zufrieden“, berichtet Shioda. „Der Begriff Shinkageryu ist sehr bekannt, jedoch denke ich, dass es in der jetzigen Zeit nicht mehr lebendig ist. Selbst in Japan beträgt die Zahl derer, die Shinkageryu trainieren nur etwa 500.“

Eine friedfertige Kampfkunst: Masami Shioda gibt sein Können kostenlos an seine Schüler weiter.Eine friedfertige Kampfkunst: Masami Shioda gibt sein Können kostenlos an seine Schüler weiter.Foto: Joshua Philipp/The Epoch Times

Draußen ist ein verregneter Tag in New York City. Das Zimmer im zweiten Stock könnte ein beliebiges Zimmer irgendwo auf der Welt sein. Eine zeitlose Kunst, die alles bewahrt hat, von der traditionellen Kleidung bis zu den Trainingsmethoden.

„Wir mögen es einfach, in dieser alten Art zu denken“, sagt Shioda. Außerdem sehe er sich in der Aufgabe, die Kultur der Samurai am Leben zu erhalten, fügt er hinzu. „Wichtig ist die Bewahrung des Wesentlichen. All die Dinge, die nur in dieser kritischen Zeit haben entstehen können, und die weitergegeben werden können, sind die Essenz, die wir zu bewahren versuchen.“

„Für mich liegt  etwas sehr einzigartiges in einer Kunst, die das japanische Schwert verwendet im Gegensatz zu leeren Händen“, sagt Shioda. „Ich will es nicht mit dem abgegriffenen Begriff „Geist der Samurai“ beschreiben, aber ich fühle etwas sehr japanisches in dieser einzigartigen Kunst.“

Frieden kultivieren

Im Gegensatz zu den schnellen Bewegungen und dem lauten Krachen der aufeinandertreffenden Yagyu Shinkageryu Fukuro Shinai Übungsschwerter ist die Kampfkunst an sich eine sehr friedfertige.

Der Begründer des Aikido, O-Sensei Morihei Ueshiba sagte einst: „Der Weg des Kriegers wurde missverstanden. Er bedeutet nicht zu töten, oder andere zu zerstören. Diejenigen, die den Kampf suchen und besser sein wollen als die anderen, begehen einen schrecklichen Fehler.“ Der kleine japanische Mann, der großes Ansehen in der Welt erlangte, als er bereits über 80 war, sprach: „Der wahre Weg eines Kriegers ist es, solche Konflikte zu vermeiden.“

Shioda vertritt eine ähnliche Philosophie. Er sagt, dass er und seine Schüler durch das Üben dieser Kampfkunst „die Wichtigkeit des Lebens erkennen und in sich aufnehmen.“

„Es gibt viele Missverständnisse, was die Kampfkunst betrifft“, erklärt Shioda. Er berichtet, dass oft Menschen kommen, die lernen wollen zu kämpfen, oder ihn sogar herausfordern wollen. Er lacht, wenn er sich an einen Fechter erinnert, der ihn herausforderte, als er noch ein junger Mann war. Er hatte die Herausforderung angenommen. Der Kampf war ausgeglichen. „Ich war ein bisschen der Verlierer, weil er ständig meinen Zeh traf.“ Shioda lacht, als er die stechende Bewegung in Richtung der Füße eines Schülers imitiert. „Sehr schwer abzuwehren“, sagt er.

Ein Großteil der Techniken basieren auf dem Erlernen von Selbstkontrolle, und dem Verwenden weniger Kraft um ein größeres Ergebnis zu erzielen. Seine Schüler müssen verstehen, „dass es nicht auf die Geschwindigkeit ankommt, oder auf Stärke. Nur Physik und Dynamik sind entscheidend, um auf das Niveau des Großmeisters zu kommen. Es geht nicht um Muskelkraft oder Geschwindigkeit, entscheidend ist nur die Technik. Genau das macht es auch so interessant.“

Er fügt hinzu, dass er beim Unterrichten der Philosophie und den Grundsätzen der Kunst will, dass seine Studenten „zuerst Spaß daran haben, und wenn diese Art von Kenntnissen noch mehr Spaß macht, so sei es denn.“

Originalartikel auf Englisch: Japanese Swordsmanship Keeps Art of Samurai Alive

Foto: Joshua Philipp/The Epoch Times


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