Marx Augustin an der Fassade des Griechenbeisl in Wien, Österreich, Januar 2014.Foto: iStock

Klassik des Tages: Die Pest in Wien 1679 und „Oh du lieber Augustin“

Epoch Times24. August 2020 Aktualisiert: 24. August 2020 16:09
Aus der Reihe Epoch Times Musik – Für Liebhaber.

Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) war ein österreichischer Pianist und Komponist. Er komponierte acht Variationen für Orchester über Marx Augustins Lied „Ach, du lieber Augustin“ in C-Dur, S 47 (WoO 2). Hier in einer Version der London Mozart Players unter Leitung von Howard Shelley.

Gemälde: Stephansdom in Wien von Rudolf von Alt, 1834

Marx Augustin (eigentlich Markus Augustin; 1643-1685) war ein Bänkelsänger, ein Stegreifdichter. Er war ein beliebtes Wiener Stadtoriginal und Dudelsackspieler. Durch die Ballade „Oh du lieber Augustin“ wurde er zum Inbegriff dessen, dass man mit Humor alles überstehen kann. Seine zotigen Lieder heiterten vor allem während der Pest in Wien im Jahr 1679 die Menschen auf – was ihn als „Lieber Augustin“ bekannt machte.

Augustin, ein recht trinkfester Geselle, zog als Sohn eines heruntergekommenen Wirtes mit seinem Dudelsack von einem Wirtshaus zum nächsten. Eine Legende beschreibt, wie er 1679 während der Pestepidemie wieder einmal betrunken seinen Rausch ausschlief – und die „Siech-Knechte“ (die damals die Opfer einsammeln mussten) fanden ihn. Sie brachten die Schnapsleiche mit den Pestleichen zusammen vor die Stadtmauer und warfen ihn in ein offenes Massengrab.

Allerdings wurde die Pestgrube nicht sofort geschlossen, sondern nur provisorisch mit Kalk abgedeckt, um später weitere Opfer aufzunehmen. Kurz gesagt – Augustin wurde wieder wach, krakeelte zwischen den Leichen und spielte seinen Dudelsack. Schließlich zogen sie ihn wieder heraus. Heute steht an diesem Platz im siebten Wiener Gemeindebezirk der Augustinbrunnen.

Sein Lied „Oh du lieber Augustin“ ist um 1800 in Wien schriftlich nachgewiesen, die Melodie ab 1720 in einer Musikhandschrift belegt. Sie ist identisch mit der Melodie des slowakischen Kinderliedes „Sedí mucha na stene“ (Fliege sitzt an der Wand). (ks)

Humor hilft: Oh du lieber Augustin

O du lieber Augustin, Augustin, Augustin,
O du lieber Augustin, alles ist hin.

Geld ist weg, Mensch (Mäd’l) ist weg,
Alles hin, Augustin.
O du lieber Augustin,
Alles ist hin.

Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck,
O du lieber Augustin,
Alles ist hin.

Und selbst das reiche Wien,
Hin ist’s wie Augustin;
Weint mit mir im gleichen Sinn,
Alles ist hin!

Jeder Tag war ein Fest,
Und was jetzt? Pest, die Pest!
Nur ein groß’ Leichenfest,
Das ist der Rest.

Augustin, Augustin,
Leg’ nur ins Grab dich hin!
O du lieber Augustin,
Alles ist hin!


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion