Die Lotusblume wird in Asien oft als heilig angesehen.Foto: iStock

Klassik des Tages: Ode an die Freude

Epoch Times13. Mai 2021 Aktualisiert: 13. Mai 2021 18:53
Aus der Reihe Epoch Times Musik – Für Liebhaber.

Die berühmte Neunte von Ludwig van Beethoven (1770-1827) wurde 1824 uraufgeführt. Beethoven bezog sich auf das Gedicht von Friedrich Schiller An die Freude, das 1786 erstmals herausgegeben wurde. Bald darauf überlegte Beethoven, wie er es vertonen konnte.

Hier der Schlusschor der Ode an die Freude der 9. Sinfonie in einer legendären Aufnahme von 10.000 Beethovens 9. – mit 10.000 Sängern unter Leitung des Dirigenten Yutaka Sado in Japan. Ein Chor wurde aus Sendai zugeschaltet. Die Aufnahme entstand im Jahr 2011 zur Erinnerung an die Opfer des Tsunami.

Der 13. Mai ist ein besonderer Tag für Falun-Dafa-Praktizierende weltweit – es ist der Welt-Falun-Dafa-Tag.

Geschätzte 100 Millionen Chinesen praktizierten Falun Dafa vor dem Verbot in China. Viele der Praktizierenden, die zuvor unter Stress im Alltagsleben oder anderen Sorgen litten, fanden in der spirituellen Praxis Freiheit, Harmonie und Ausgeglichenheit.

Für das Finale der 9. Sinfonie kürzte Ludwig van Beethoven den Text.

Friedrich Schiller (1759 – 1805) Ode an die Freude

Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder, Was die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt.

Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund.

Was den großen Ring bewohnet, huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie, wo der Unbekannte thronet.
Freude trinken alle Wesen an den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben, einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben, und der Cherub steht vor Gott.

Ihr stürzt nieder, Millionen? Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such‘ ihn überm Sternenzelt! Über Sternen muß er wohnen.
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt.

Froh, wie seine Sonnen fliegen durch des Himmel prächt’gen Plan,
Wandelt, Brüder, eure Bahn, freudig, wie ein Held zu Siegen.
Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge sie im Chor der Engel stehn.

Duldet muthig, Millionen! Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt wird ein großer Gott belohnen.
Göttern kann man nicht vergelten; schön ist’s, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armuth soll sich melden, mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen, unserm Todfeind sei verziehn.
Keine Thräne soll ihn pressen, keine Reue nage ihn.

Unser Schuldbuch sei vernichtet! Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt Richtet Gott, wie wir gerichtet.
Freude sprudelt in Pokalen, in der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmuth Kannibalen, die Verzweiflung Heldenmuth – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen: dieses Glas dem guten Geist!

Den der Sterne Wirbel loben, den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist überm Sternenzelt dort oben!
Festen Muth in schwerem Leiden, Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden, Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, Brüder, gält‘ es Gut und Blut
Dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut!

Schließt den heil’gen Zirkel dichter, Schwört bei diesem goldnen Wein,
Dem Gelübde treu zu sein, Schwört es bei dem Sternenrichter!

Johann Christoph Friedrich Schiller (1759 – 1805)



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