Pianist Herbert Schuch gibt Solodebut in der Berliner Philharmonie

Von 5. März 2013 Aktualisiert: 5. März 2013 11:50

Herbert Schuch konzertiert als Pianist schon längst mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammen und bereichert internationale Festspiele mit seinen Klavierabenden. Trotzdem ist er beim Publikum noch fast ein Geheimtipp, weshalb nur relativ wenige Berliner Klavierfreunde kamen, als er am 3. März 2013 sein erstes Solo-Recital in der Berliner Philharmonie gab.

Es war ein sehr durchdachtes Programm, das der 33-Jährige im Kammermusiksaal präsentierte: Stücke von J.S. Bach über Franz Liszt, Maurice Ravel und bis zu Olivier Messian.

Diese Sammlung von musikalischen Momenten hatte den Themenschwerpunkt „Glockenklänge“ – was insofern interessant war, als dass Glocken und Klaviere als Schlaginstrumente entfernte Verwandte sind. Schuch erweckte diese Verbindung zum Leben: Dramatisch, verinnerlicht und in höchstem Maße sakral gehorchten die Stücke einer Dramaturgie, die sich beim Zuhören erschloss. Stimmungen und Tonarten knüpften sich lose aneinander, um Unvorhersehbares geschehen zu lassen.

Es begann mit dem jüngsten Stück: Tristan Murails „Cloches d’adieu, et un sourire …“ („Glocken des Abschieds und ein Lächeln“) entstand 1992 kurz nach dem Tod Olivier Messiaens, der Murails Lehrer gewesen war. Auf einen dissonanten und hallenden Anfang mit offenem Pedal folgt eine elegische Choralmelodie, die in ihrer Üppigkeit auf das Folgende hindeutete: Zwei Sätze aus Franz Liszts „Harmonies poétiques et religieuses“, die Nr. 5 „Pater Noster“ und Nr. 3 „Bénédiction de Dieu dans la solitude“ . Hier schwingt sich Liszt aus der Stille zu Lobpreis und Erhabenheit, um am Ende wieder zurück in die Verinnerlichung zu kehren, was Schuch meisterlich kommunizierte. Das sehr melancholische Choralvorspiel „Ich ruf’ zu Dir, Herr Jesu Christ“ (BWV 639) von Bach in einer Bearbeitung von Ferruccio Busoni wirkte danach als noch intensivere Stufe der Andacht.

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Den zweiten Teil eröffnete die Nr. 6 aus den 8 Préludes von Olivier Messiaen: „Cloches d’angoisse et larmes d’adieu“ – es war das eigentliche Vorbild der anfangs gespielten Nummer von Murail! Interessant war, wie viel stärker hier das Licht oszillierte: Während Murail sein Stück in zwei kontrastierende Hälften teilte, komponierte Messiaen seine Glocken sinfonisch, als sich verdichtende, melodisch hämmernde Bewegungen. Und Schuch gab ihnen durch subtilste Dynamik seines Anschlags faszinierende Räumlichkeit und Schicksalshaftigkeit.

Als weiches Intermezzo folgte ein weiterer Bach. Die Klavierbearbeitung einer Sopranarie aus der Kantate BWV 127 von Harold Bauer „Die Seele ruht in Jesu Händen“, bevor mit einem fulminanten Liszt (Harmonies poétiques et religieuses: Nr. 7 „Funérailles“) der Höhepunkt des zweiten Teils erreicht wurde. Doch ist dieser Trauermarsch mehr poetisch als religiös: Sein eigenwilliger Aufbau gleicht einem Drama, mit wundervollen Kantilenen nach anfänglicher Düsternis und einer unverhohlenen Hommage an Chopins berühmte As-Dur-Polonaise – ein Bravourstück, das vom Pianisten gleichermaßen Pranke und Sensibilität verlangte und die Zuhörer spürbar fesselte.

Der 5. Satz aus Maurice Ravel Miroirs bildete den Abschluss: Mit „La Vallée des cloches“, dem „Tal der Glocken“ schloss sich der Kreis thematisch und in der verträumt melancholischen Stimmung des Anfangs. Das Publikum brauchte etwas Zeit, um daraus wieder aufzutauchen. Doch dann brachen die Anwesenden in große Begeisterung aus. Herbert Schuch bedankte sich mit einer Zugabe: Er knüpfte an die Spiritualität seines Programmes an und ließ noch einmal Bachs Sonne scheinen mit „Nun komm, der Heiden Heiland“ (in Bearbeitung von Busoni).

 

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