Pina Bausch, Choreografin und Regisseurin am Tanztheater Wuppertal. (AP Photo/Michael Probst)

Pina Bausch erhielt den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt

Von 28. August 2008 Aktualisiert: 28. August 2008 22:14
In seiner Laudatio nennt Wim Wenders die international anerkannte Choreografin die Erfinderin einer neuen Kunst.

Die herausragende Vertreterin der modernen internationalen Tanzwelt wurde am Donnerstag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Pina Bausch, Jahrgang 1940, leitet seit 1973 das Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch und hat seitdem 40 Choreographien für Tanztheater auf die Bühne gebracht, in Deutschland und in 28 weiteren Ländern.

Den feierlichen Rahmen gab das Ensemble Modern mit einem eindrücklichen, kammermusikalischen Werk, das Olivier Messien 1941 als Insasse eines deutschen Kriegsgefangenenlagers in Görlitz schrieb.

Seelenverwandt

Bemerkenswertes Kernstück der Feierstunde war die von Regisseur Wim Wenders gehaltene Laudatio. Man merkte, es kam von Herzen, wenn er sie mehrmals anredete mit: „Liebe Pina“. Und er ließ nicht so sehr die Geschichte ihres Lebens, sondern die Bilder ihrer Choreographien in seinen Worten auferstehen.

Wenders nannte ihr künstlerisches Werk epochal und einzigartig, geprägt von einem Gefühl, dass echt ist, das sich dem Mitmenschen zuwendet. Dabei immer spielerisch leicht. Ihre Methoden seien ansteckend, auch ihr Humor. „nach einer Aufführung verlassen wir das Theater als Bewegte und als anders sich Bewegende.“ Das kann man nachfühlen, das kann man sich augenblicklich vorstellen.

Der Regisseur Wim Wenders hielt die Laudatio. Wenders ist Vorsitzender der Jury des diesjährigen Filmfestivals von Venedig. Er war extra von Venedig angereist, hier im Gespräch über kommende Projekte. (Monika Weiß/ETD)
Der Regisseur Wim Wenders hielt die Laudatio. Wenders ist Vorsitzender der Jury des diesjährigen Filmfestivals von Venedig. Er war extra von Venedig angereist, hier im Gespräch über kommende Projekte. (Monika Weiß/ETD)

Von der MET nach Wuppertal

Schon kurz nach ihrer Ausbildung an der Essener Folkwangschule hatte Pina Bausch ein dreijähriges Engagement an der New Yorker Metroplitan Opera. 1962 kehrte sie nach Deutschland zurück, trat in das neu gegründete Folkwangballett ein und schrieb 1968 ihre erste Choreographie für dieses Ensemble. Im Jahr 1973 wurde sie Leiterin des nach ihr benannten Tanztheaters Wuppertal, dessen Chefin sie noch immer ist. Dieses Tanzensemble hat sie geprägt, mit ihm trat sie weltweit auf, wurde in 100 Städten auf der ganzen Welt gefeiert als Erneuerin des modernen Tanzes, als Choreographin am Puls der Zeit, wie Wim Wenders es ausdrückte.

Was Goethe mit der Sprache tat, das tut Pina Bausch mit dem Körper, daran erinnert der Text der Verleihungsurkunde, die Oberbürgermeisterin Petra Roth überreichte. Ina Bausch sei in ihrer Tanzkunst den Weg der Emanzipation gegangen, habe eigene Mittel gefunden, ein unverwechselbares neues Genre geschaffen: „Der Körper ist zugleich bei sich und in der Welt.“ Wer Choreographien von Pina gesehen hat, wird das bestätigen können.

„Ich liebe meine Tänzer“

Im vorigen Jahr wurde Pina Bausch mit dem Kyoto Preis ausgezeichnet. Er gilt, neben dem Nobelpreis, als eine der wichtigsten internationalen Ehrungen auf dem Gebiet der Kultur und Wissenschaft. Nach Ansicht des Kyoto-Preis-Komitees hat sie die Barriere zwischen Tanz und Theater niedergerissen und der Theaterkunst eine neue Richtung gewiesen. Pina Bausch ist seit 1945 erst die dritte Frau, die mit dem Goethe-Preis ausgezeichnet wurde. Zuletzt erhielt der israelische Schriftsteller Amos Oz den nur alle drei Jahre vergebenen wichtigen Kulturpreis.

Pina Bausch bedankt sich mit Handkuss beim Publikum, nachdem sie mit dem Goethepreis ausgezeichnet wurde. (AP Photo/Michael Probst)Pina Bausch bedankt sich mit Handkuss beim Publikum, nachdem sie mit dem Goethepreis ausgezeichnet wurde. (AP Photo/Michael Probst)

In ihrer schlichten Dankesrede am Donnerstag, dem 259. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe, dem Namensgebers des Preises, gab die Bahnbrecherin des modernen Tanztheaters den Anwesenden ihr Credo mit auf den Weg: „Jeder wächst mit dem Vertrauen, das ihm entgegen gebracht wird.“ Sie schloss mit dem Bekenntnis „Ich liebe meine Tänzer!“

Die standing ovations des Publikums in der voll besetzten Paulskirche dauerten lange. Die zierliche Tänzerin musste sich einen erhöhten Standpunkt verschaffen, um gesehen zu werden und sich zu bedanken.

 

 



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