Stark und doch so sanft

Epoch Times28. April 2010 Aktualisiert: 28. April 2010 20:34
Eine Abenteurerin und doch häuslich, Frau mit Karriere und gleichzeitig begeisterte Mutter – die ehemalige „Elisabeth“-Hauptdarstellerin Maya Hakvoort lebt und liebt die Gegensätze.

Epoch Times: Frau Hakvoort, bitte erzählen Sie uns doch von den wichtigsten Stationen in Ihrem bisherigen Leben.

Maya Hakvoort: Ich bin Holländerin und habe 27 Jahre in Holland gewohnt, studiert: Theaterschule, Kleinkunstakademie für Tanz, Gesang und Schauspiel. Aachen war mein erstes Sprungbrett ins Ausland, dann kam das Vorsingen in Berlin, da hab ich die Rolle für „Elisabeth“ bekommen. Dann bin ich übersiedelt nach Wien, nicht wissend, dass ich hier bleiben würde. Das war eine fantastische Zeit, ich bin danach zwar auch wieder ins Ausland, also Deutschland und Schweiz, bin ja doch viel herumgereist. Privat habe ich 2002 meinen ersten Sohn auf die Welt gebracht, Joshua, und vor einem halben Jahr Jason.

Epoch Times: Um die Rolle der Elisabeth kommt man bei einem Interview mit Maya Hakvoort kaum vorbei – was hat diese Rolle für Sie und ihr Leben mit sich gebracht?

Hakvoort: Naja, die Rolle der Elisabeth zu spielen im Musical war sehr vielseitig: Du fängst mit 14 an und endest wenn sie stirbt, du kommst durch alle Facetten des Lebens: Jugend, Heiraten, Enttäuschungen und Kämpfe, Bitterkeit, Verlust der Kinder. Die Musik, die Lieder, das hat zu meiner Stimme sehr gut gepasst und war einfach zu singen für mich. Viele haben mich gefragt, wie kannst du das so lange spielen. Es waren vier Saisonen, wir hatten immer den Sommer frei, weil die Wiener Festwochen waren. Mai, Juni, Juli und August hatten wir immer frei, das war super. Da konnte ich richtig auftanken. Ich bin echt eine Urlaubfahrerin.  Ich gehe dann nicht in die Sommerproduktionen, sondern mache Urlaub.

Epoch Times: Wie sieht Urlaub bei Ihnen aus?

Hakvoort: Sechs Wochen Australien , Neuseeland …

Epoch Times: Also Abenteuer?

Hakvoort: Ja, Abenteuer. Ich kann mich nicht entspannen, wenn man mich am Strand liegen lässt und ich nichts zu tun habe. Ich kann entspannen, wenn ich neue Sachen sehe und unterwegs bin.

Epoch Times: Das kann ich bestens nachvollziehen.

Hakvoort: Ich war früher natürlich noch abenteuerlicher als jetzt, wenn man Kinder hat, hört man damit auf; ich gehe jetzt nicht mehr Fallschirmspringen oder zum Rafting.Tandemspringen habe ich in Queenstown, einer Südinsel von Neuseeland, gemacht. Das war grandios, ich war auch elf Wochen in Peru, Bolivien, bin auf den Machu Picchu in vier Tagen marschiert, um in die Inkastadt zu kommen, solche Sachen. Das halte ich für Abenteuer, und das bringt mir eine ganz andere Welt, damit ich weiß, was ich weiß und schätze, was ich habe. Und dass ich kurz weg komme vom reinen Theaterleben. Wenn du sechsmal, siebenmal in der Woche spielst, dann ist dein Leben erfüllt mit nur deinem Beruf.

Epoch Times: Ja, das glaube ich gern.

Hakvoort: Die Elisabeth war natürlich meine Paraderolle. Ich glaube, dass ich so einen Erfolg gehabt habe, weil ich mich seelisch mit der Elisabeth sehr verbunden fühle.

Epoch Times: Das ist also ein Faktor für Sie – wählen Sie nach dem noch immer Rollen aus?

Hakvoort: Ja, es muss dich bewegen. Wenn ich eine Rolle auswähle, dann ist es meistens, weil es mich emotional bewegt, manchmal ist es eine Komödie, manchmal ist es eine dramatische Rolle. Ich tendiere jetzt mit den Kindern auch ein bisschen zur Komödie, weil sonst wird das Leben „heavy“, so dramatisch …

Epoch Times: Wie lässt sich das verbinden? Sie wirken wie ein sehr ruhiger, ausgeglichener Mensch, aber da scheint doch ein Vulkan in Ihnen zu schlummern.

Hakvoort: Ja, das sind wirklich die beiden Seiten, die ich in mir trage. Manchmal kann ich einfach kleine Sachen genießen, wenn ich mit der Familie unterwegs bin. Einfach spazieren, ein schönes Essen, das reicht mir dann alles schon. Und auf einmal sprudelt es so in mir, dann muss ich was erleben! Wenn ich ein bisschen müder bin, so wie heute Nacht, wenn ich nicht so viel geschlafen habe, weil er [zeigt auf ihren  kleinen Sohn Jakob neben ihr] Husten hat, dann gehe ich eher zu einer ruhigeren Tendenz, dann geht die Stimmung runter.

Epoch Times: Wie geht das überhaupt zusammen, die Rolle als Mutter mit den anderen Rollen einer Künstlerin?

Hakvoort: Also, ich finde – das war bei meinem ersten Sohn auch – ich habe zwar ein paar Konzerte gemacht, aber ich bin erst nach zehn Monaten eingestiegen in die Produktionen. Das mache ich jetzt auch. Im Mai steige ich ein in „Viktor/Viktoria“ in Stockerau, und da habe ich schon abgestillt.

Ich merke doch, dass ich sehr mit meiner Energie beim Kind bin, das ist so eine Einheit, das spüre ich auch wenn ich ihn halte. Das spüren Sie sicher auch, wenn Sie mir gegenüber sitzen. Das ist sehr kompakt, und das kommt auch von meiner Energie her. Für die Bühne, da muss ich ihn loslassen, da muss das verschwinden. Ich kann ihn da zwar mit meinen Gedanken und Liedern, die über Kinder handeln, in Gedanken mitnehmen, aber nicht energetisch.

Epoch Times: Wie ist das dann, wenn sie die Kinder auf der Bühne loslassen, diese aber im wirklichen Leben noch nicht alt genug sind, auch der Größere nicht, um sie wirklich loszulassen?

Hakvoort: Nein, das geht überhaupt nicht. Aber kurz für ein, zwei Stunden, das ist Urlaub für die Mutter. Ich schätze die Mütter, die Vollzeitmütter sind, absolut. Ich bin ganz glücklich, wenn ich am Abend kurz zweieinhalb Stunden nur mit mir selber beschäftigt sein darf. Also mich nicht kümmern muss, wer was braucht, wer seelisch was benötigt, wer mit welchem Problem kommt, und wer grantig ist oder wer nicht. Dann singe ich, das ist dann okay. Ich weiß, wie das geht, das ist mein Ding, das ist mein Kern, und ich lade auch richtig meine Akkus damit auf.

Epoch Times: Das klingt fast wie Michael Jordan, der hat einmal gesagt, am meisten Ruhe hat er auf dem Platz bei einem Basketballmatch.

Auch solo starke Bühnenpräsenz.Auch solo starke Bühnenpräsenz.Foto: privat
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Hakvoort: Wenn ich auf der Bühne stehe, dann denke ich mir: Wow, ist das Leben einfach, weil ich stehe auf der Bühne, ich hab ein Licht auf mich, eine Bühne, da kann ich draus machen, was ich will, fantasieren was ich will. Ich hab das Publikum, die sitzen im Dunkeln, ich sehe sie nicht. Das finde ich ganz entspannt, und sie müssen alle die ‚Pappn‘ halten, wie man das auf Österreichisch sagt, also sie müssen einfach zuhören.

Epoch Times: Kommen wir vielleicht auf die Auszeichnung bei den MiA Awards, die sie erhalten haben, da geht’s ja um Integration. Vielleicht können Sie mir etwas zum Thema Integration sagen, was Ihnen da begegnet ist, einfällt. Warum denken Sie, dass Sie diesen Preis bekommen haben?

Hakvoort: Naja, lustig ist, dass man glaubt: weil die Holländer viele Sprachen sprechen, tun sie sich eh nicht schwer in einer anderen Kultur. Im Prinzip sind wir schon sehr flexibel, weil wir ein reisendes Volk sind, trotzdem hab ich richtig Zeit gebraucht, um bestimmte Riten und Sitten von Österreich zu kapieren, zu verstehen, warum sie so sind wie sie sind, warum das Volk so ist wie es ist. Es denkt anders, weil es denkt ein bisschen zwischen den Bergen.

Epoch Times: Schön ausgedrückt…

Hakvoort: Es ist ein bisschen – in meinen Augen, ob das die Wahrheit ist ist etwas anderes, die Wahrheit gibt’s ja nicht in dem Sinne – sie denken nicht so weit wie ich das gewohnt bin, und es ist ein stolzes Volk, was auch schön ist, aber sie reisen nicht so viel. Und ich habe auch das Gefühl, sie sehen nicht so viel und wissen nicht so viel von den anderen Ländern; auch auf den Reisen, die ich gemacht habe, bin ich fast keinen Österreichern begegnet.

Epoch Times: Österreich kann auch einengen?

Hakvoort: Ja, es engt mich manchmal ein, manchmal habe ich das Gefühl, ich brauche ab und zu ein anderes Land, wenn ich etwa in Südafrika auf 5.000 Kilometer Wasser schaue, dann kann ich durchatmen. Und die verschiedenen Kulturen die da herrschen, das finde ich faszinierend. Dann merke ich, ich brauche das, um wieder zurückkommen zu können.

Epoch Times: Was schätzen Sie besonders an Wien oder an Österreich?

Hakvoort: Ich finde, dass die Leute höflich sind. Ich finde es sehr angenehm, dass sie eine ruhige Restaurantkultur haben, dass man gerne miteinander essen geht und so, das ist schön.

Epoch Times: Gibt es das in Holland nicht so sehr?

Hakvoort: In Holland laden die Leute sich mehr zu Hause ein. Und nicht so sehr, dass man ins Restaurant geht, hier ist es echt so gesellig. Holland ist natürlich wieder mit dem „Braunen Kaffee“ sehr gesellig, aber da ist mehr das Abendweggehen auf ein Bier und so…

Ich finde das Land sehr sehr schön. Es hat natürlich viel mehr Weite und Grün und Seen, das Einzige was ich vermisse ist das Meer; aber es hat eine sehr tolle Natur.

Epoch Times: Den Zugang [zum Meer] hat Österreich ja schon vor langer Zeit verloren.

Hakvoort: Ja. Es ist einfach angenehm, in Österreich zu sein. Es ist natürlich auch so, dass ich hier meine Hauptrolle gespielt habe und hier auch diese Anerkennung bekommen habe. Das ist natürlich immer toll. Und du bist immer ein bisschen anders als die Anderen, als Ausländerin. Das ist ein Vorteil, nicht nur ein Nachteil; du bist immer ein bisschen was Besonderes, in Holland bin ich natürlich eine von vielen, und hier bin ich doch – ja, eine Holländerin. Es ist doch ein bisschen anders, wie ich mich gebe, wie ich mit einer Sache umgehe. Das Wetter ist hier viel besser, das ist auch sehr positiv, deswegen muss ich immer lachen, wenn man hier „sudert“ (Anm.: „sich beschweren“ in Österreich), wenn es regnet, dann sag ich immer ‚Komm mal nach Holland. Jaa, was noch…?

Epoch Times: Gibt es hier ein stärkeres Hierarchiedenken?

Hakvoort: Das bringt dann so eine Distanz, die erstmal zu überbrücken ist. Ich als Holländerin habe es dann einfacher, weil ich mit allen Leuten gleich „per-Du“ bin, obwohl ich ja weiß, dass ich das nicht darf in Österreich, aber manchmal tu ich das, um einfach ein bisschen das Eis zu brechen. Denn dann kommen viel nettere Gespräche zustande. Wenn man ganz auf Distanz bleibt, dann wird alles so kalt, und es läuft alles so stark über den Verstand ab.

Epoch Times: Das scheint im gesamten deutschsprachigen Raum so zu sein, dass wir sehr verstandsorientiert und weniger herzbetont sind, also sehr starke Kopfmenschen. Aber zurück zur Musik: Warum hat es Sie zu Musical stärker hingezogen als etwa zu Klassik oder Pop?

Hakvoort: Popmusik fand ich ganz toll, aber bei Popmusik hat mir manchmal die Geschichte gefehlt. Da hat man die Struktur der Musik, aber nicht die tieferen Emotionen in der Musik, im Wort. Bei der Klassik – das hab ich zwar gesungen und eine zeitlang studiert – hatte ich immer das Gefühl, dass durch die Technik, die die Klassik hat, du eine andere Stimme hast; dieser Sound, der da kam, da hatte ich immer das Gefühl: Das bin nicht ich. Dadurch kam ich zu den anderen Stilen, und dass Musical Schauspiel, Tanz und Gesang kombiniert, fand ich immer ganz genial, als dass man dabei alles machen kann.

Epoch Times: Klassischer chinesischer Tanz fällt mir dazu nur ein. Der hat das auch. Ist nur sehr verloren gegangen, aber im klassischen chinesischen Tanz stehen auch zumeist die Legenden und Mythen im Vordergrund, und es gibt eine ganz klare Technik von den Tanzschritten bis zu den Handgesten. Das ergibt ein sehr schönes Paket.

Hakvoort: Ja. Es ist auch so, du kannst dich richtig über dieses Metier – richtige Rollen spielen, wenn du eine Stimme hast, mit der du dich ausdrücken kannst. Bei mir war das immer so, damit bin ich geboren. Ich wollte immer in eine Rolle hineinschlüpfen, um etwas über mich selber kennen zu lernen. Weil wenn du in eine Rolle reinschlüpfst, dann traust du dich mehr reinzuforschen, als wenn du näher bei dir bleibst. Dann gehst ein wenig über die Grenze. Bei Elisabeth, die Bitterkeit, damals mit 27 kannte ich das noch gar nicht; wie fühlt sich das denn an, wenn man so verbittert ist; dann schaust du Filme an oder dann hast du eine Idee von jemandem, den du kennst, den du dann mal nachmachst. Dann kommst du so in diese Energie rein, und das finde ich das Tolle – du gehst einen Schritt weiter.

Auf gut Wienerisch ist ein „Lercherl“ eine Lerche. Hier trafen wir Maya Hakvoort vor einem Auftritt.Auf gut Wienerisch ist ein „Lercherl“ eine Lerche. Hier trafen wir Maya Hakvoort vor einem Auftritt.Foto: Florian Godovits/The Epoch Times Deutschland

Epoch Times: Ich weiß nicht, von wem es stammt, aber man sagt ja: Schauspiel, da nimmt man viele Rollen an, um sich dadurch selbst kennen zu lernen.

Hakvoort: So ist es. Ich glaube, die Bühne ist ein Verlängerungsstück vom Leben. Es ist sicher so, dass du als Darsteller über die Rollen dich selber besser kennen lernst. Ja.

Epoch Times: Können Sie sich vorstellen, etwas Anderes zu machen?

Hakvoort: Nein. Überhaupt nicht. Das Einzige was ich auch noch toll finde, was aber auch mit meinem Beruf zu tun hat, ist zu unterrichten. Das [Singen] ist echt so ein Teil von meinem Wesen, und ich glaube auch, dass ich das mache, bis ich sterbe. Man würde mir keine Freude machen, mich in Pension zu schicken.

Epoch Times: Was sollte dann sozusagen – jetzt haben wir vom Sterben geredet – was sollte dann über Sie gesagt werden bei ihrem Begräbnis? Wie sollen die Leute auf Sie zurückschauen?

Hakvoort: Dass es eine Freude war, mir zuzuhören, und dass man was von mir gelernt hat. Diese beiden Sachen.

Epoch Times: Auf der Bühne kann man durchaus Dinge erleben, die man sonst nicht erleben würde, in andere Rollen schlüpfen, ja sogar das andere Geschlecht spielen.

Hakvoort: Ich hab noch nie eine Rolle gespielt, wo ich Mann sein musste. Es ist schon so, dass ich als Jugendliche ein bisschen burschikos war, also Motorrad gefahren bin und so, eher mit Buben befreundet war als mit Mädchen, das war ich als Kind auch schon. Also ich kenne durchaus diese Mann-Seite. Ich find es schon witzig, dass ich jetzt beide Seiten zeigen darf, nämlich in „Viktor/Viktoria“. Außerdem ist es ein jazzigeres Musical, das mag ich.. Dann haben wir zwei Soloprogramme, wir haben mittlerweile drei, aber das erste Programm wird nicht mehr gespielt, das hab ich ja genug gespielt. „In my Life“ ist noch da und „Maya´s Musical Life“, das Musical „Life“ ist meine ganze Karriere, da hab ich ein abendfüllendes Programm gemacht mit einem Ensemble, wo ich auch Duette singe. Bei „In my Life“ geht es um mein Leben, wie ich als Kind zur Musik gekommen bin, und als Jugendliche, welche Nummern und welche Menschen mich geprägt haben in meinem Leben, das, was ich jetzt als Künstlerin bin und auch als Privatperson. Das habe ich hineingemischt in den ganzen Abend, und diese zwei Shows sind recht toll zu spielen, das möchte ich einfach weiter machen, dass ich als Solokünstlerin auf der Bühne stehe, ohne Perücke mal, und ich muss sagen, ich bin nervöser bei solchen Vorstellungen, weil da hab ich nicht den Schutz von der Rolle. Sonst kann ich ja sagen, „Ja, die Evita, die war einmal so“. Jetzt heißt es „Ich bin so“. Wenn das jemand kritisiert, dann kritisiert er mich. Das fand ich einen mutigen Schritt, das zu tun, das hat mir sehr sehr viel gebracht, auch der ganze Weg um das Programm zu schreiben und zu machen. Man braucht schon das Bewusstsein und Selbstbewusstsein.

Epoch Times: Gibt es noch Lebensträume oder Ziele, die Sie verwirklichen wollen?

Hakvoort: Ein großes Ziel war, mein zweites Kind auf die Welt zu bringen, das ist jetzt passiert; was jetzt mein Ziel ist, dass man die Familie mit dem 7jährigen und dem Kleinen hier richtig schön in Harmonie zusammenkriegt. Was ich toll finde, ist, dass wir mit der ganzen Familie mal ein Jahr nach Berlin gehen. Eigentlich hab ich ziemlich viele Pläne. Ich möchte sehr gerne mal in England spielen. Produktionen zu machen, das würde mich total freuen, ich möchte einmal in so einem großen Konzert mit Linda Eder und solchen Menschen stehen, auch als gute Sängerin. Ich möchte so gern nochmal die Rolle von Camille Claudel spielen, aber das Musical kommt irgendwie nicht auf die Bühne, deswegen weil es nicht auf die Bühne kommt, werde ich ein eigenes Theater mal eröffnen, damit ich alle Stücke machen kann, die andere nicht machen – wollen. Ich möchte gerne eine Musicalschule aufmachen, die richtig Hand und Fuß hat und nicht subventioniert ist vom Staat. Ich sag nicht, dass ich das alles schaffe, aber das ist schon, was in meinem Kopf herumgeht. Nicht jetzt sofort, aber …

Epoch Times: Also es gibt doch noch was. Es ist nicht so, dass Sie sagen, gehabt gehabt gehabt.

Hakvoort: Neein! Dann gibt´s noch die Idee, ein Theaterrestaurant aufzumachen so mit 5-, 6-Gänge-Menü, und dazwischen gibt´s ein Programm.

Das Witzige ist, die Kleinkunstszene hier in Österreich, das sind Kaberettisten, die nicht singen. Bei uns sind es die Kleinkunstleute, die singen. Ich möchte gerne so ein Theaterrestaurant machen, auch so eine Bühne mit drei Darstellern, und zwischen den Programmen, da hat jede Gruppe ihren eigenen Abend; du hast die Mittwochabend-Gruppe, die Donnerstagabend-Gruppe, die Freitagabend-Gruppe, die Samstagabend-Gruppe, und wenn du einen anderen Abend miterleben willst.

Epoch Times: Sie sagten vorhin burschikos, aber es wirkt nicht so, als wäre Ihnen die Mutterrolle irgendwie fern. Anscheinend tragen Sie beides in sich?

Hakvoort: Ja. Es ist so, in dem Moment, als ich ins Ausland gegangen bin, ist auch meine weibliche Seite immer mehr zur Geltung gekommen. Ich denke, auch durch die Anerkennung kann man ein bisschen loslassen, weil die männliche Seite bei einer Frau ist doch ein bisschen Schutz, man schützt sich durch die männliche Energie. Und je weniger ich mich in dem Sinne schützen musste, umso mehr konnte ich zu meinem Frau-Sein gehen Trotzdem habe ich spät die Kinder bekommen, mit 36 habe ich meinen ersten Sohn geboren, ich bin jetzt 43. Und das war ein bisschen Schicksal, es war nicht so geplant. Ich hätte schon gern früher Kinder bekommen, ich hätte sie auch gern schneller hintereinander gehabt, aber, wie das Schicksal ist. Mein Leben hat sich dabei verändert, ich hab Partner wechseln müssen durch die Lebensumstände; und jetzt bin ich mit einem Holländer zusammen, wir leben beide schon lange in Österreich. Wir haben uns hier kennengelernt. Vielleicht deswegen musste ich nach Österreich, um den Mann kennen zu lernen.

Epoch Times: Man muss Wege gehen …?

Hakvoort: Ich wollte immer Familie, ich hab mir das nie vorstellen können, keine Familie zu haben. Ich wollte immer wissen, wie es ist, schwanger zu sein, ich wollte wissen, wie es ist, Mutter zu werden. Ich sage nicht, dass es immer leicht ist. Das wäre eine Lüge.

Epoch Times: Das glaube ich sofort.

Hakvoort: Manchmal denkst du, jetzt kapier ich alles, und jetzt kapier ich gar nix, wieso ist es jetzt auf einmal so? Die Mutterrolle ist Schicksal.

{Q}

Epoch Times: Schicksal ist für Sie etwas, was existiert?

Hakvoort: Ja. Ich glaube schon, dass du das Schicksal ein bisschen lenken kannst, indem du ganz klar deine Wünsche äußerst, aber ich glaube, dass du mit deinem Wesen auf diese Welt gekommen bist, um etwas zu erfüllen, was du selber vielleicht so bewusst nicht weißt, aber deine Seele schon. Das finde ich dein Schicksal. Ich glaube, dass die liebe Gott – oder der liebe Gott heißt es eigentlich, schon lustig, dass ich die sage – könnte ja auch eine Frau sein – wie auch immer – es ist ja ein Es… – Ja, ich glaube schon an Schicksal und versuche ab und zu, was nicht immer gelingt, ruhig zu bleiben, und auch dran zu glauben, dass das Leben es gut mit mir vor hat.

Epoch Times: Wie geht es derzeit bei Ihnen weiter?

Hakvoort: Naja… Was ich mich so frage: Wenn man nun so einen großen Erfolg hat wie bei dem großen Musical bei Elisabeth, dann muss man echt – so wie heute auch – in den Köpfen der Menschen immer wiederholt drinnen bleiben. Sonst ist man irgendwie so weg aus der Aufmerksamkeit. Das find ich immer so ein großes Phänomen.  Auf der einen Seite möchte ich wie gesagt mit diesen großen Stars singen und richtig diese Anerkennung haben, dass ich genauso gut singen kann wie die anderen; und auf der anderen Seite habe ich auch ein bisschen Angst, wegen der Bekanntheit.

Ich merke manchmal, dass ich wie die Elisabeth mich dann verstecken will. Also dass ich dann keine Lust habe auf Fans oder so. Da muss ich echt geschützt sein, da muss ich geschminkt sein und schön angezogen sein.

Epoch Times: Es gibt Frauen, die sehen jeden Morgen aus wie aus dem Ei gepellt – natürlich erst ab dem Moment wo sie aus dem Badezimmer draußen sind. Wissen Sie, wie die das jeden Tag hinbekommen?

Hakvoort: Nein, ich weiß es nicht, wie man das hinkriegt. Ich bin auch nicht gerne am Kleidung-Einkaufen, ich finde das manchmal Verschwendung von meinem Geld und Verschwendung von meiner Zeit, dann denk ich, ich hab eh noch genug im Schrank ganz praktisch zum Anziehen.

Epoch Times: Eine Sache, die Sie vorhin gesagt haben, Natürlichkeit, und dass es auch Zeit gebraucht hat, dass das Frau-Sein eine gute Rolle für Sie war. Man braucht wahrscheinlich doch auch innere Stärke, um äußerlich diese Weichheit zeigen zu können?

Hakvoort: Schon. Ja. Also so habe ich das schon empfunden. Weil der weibliche Aspekt ist doch das Loslassen, das Empfangen, das Dienendere, nicht das Herrschende, sondern das Dienendere.

Epoch Times: Es hat ja immer alles zwei Seiten.

Hakvoort: Ja, diese Yin/Yang-Seiten. Es ist natürlich einfacher, aggressiv zu sein und anzugeben, das ist ein Prinzip, mehr zu nuancieren, mehr weicher zu sein;

Epoch Times: Wobei das eigentlich Führende wohl auch nicht so arrogant oder überheblich sein muss, aber es sollte doch sehr klar sein. Höflich, respektvoll, ruhig, und doch klar zu bleiben, ist bestimmt eine Herausforderung.

Hakvoort: Ja, ist eine absolute Herausforderung. Und das finde ich schon einen männlichen Aspekt. Weil ich als Frau, wenn ich dann sehe, dass die Kinder traurig sind, eher doch so „Ach,… lass alles, komm mal zu mir…“ bin. Das ist natürlich sehr stark so, als Mutter.

Epoch Times: Wie sehen Sie  das – oft hat man das Gefühl, Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, als würden bei ihnen die ursprünglich eher männlichen Eigenschaften stärker zum Vorschein kommen – was irgendwo auch schade ist. Im Kunstsektor kann man die Weiblichkeit anscheineind noch eher leben. Aber wenn man sich die Politik oder die Wirtschaft ansieht, fallen einem spontan wenige Beispiele ein von Frauen, bei denen diese Sanftheit noch gegeben ist. Zumindest in ihrem öffentlichen Auftreten.

Hakvoort: Nee. Weil es schwierig ist. Ich denke, wenn du als Frau in der Politik zu emotional wirst, dann wirst du übermannt – du wirst übermannt, also das Wort allein sagt es schon. Ich denke, dass es wirklich super ist, dass Frauen in der Politik sind, weil sie doch immer eine natürliche Emotionalität mitbringen, die echt auch notwendig ist, finde ich. Aber es stimmt schon so: Es ist nicht gesagt, dass Frauen nur weich und dienend sind.

Das Interview führte
Florian Godovits.

Foto: Florian Godovits/The Epoch Times Deutschland