Taki Katei: Ein in Vergessenheit geratener berühmter japanischer Künstler

„Künstler des Kaiserhauses": Der japanische Künstler Taki Katei, ein Verfechter der Traditionen, wurde erstmals in einer internationalen Ausstellung im World Museum in Liverpool präsentiert. Das Museum ist noch geschlossen, der Zugang nur online möglich - doch eine große Auswahl der Bilder findet sich in diesem Artikel.
Titelbild
„Pfingstrosenbusch" von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 56 7/8 Zoll mal 23 1/4 Zoll.Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseen Liverpool
Von 6. Mai 2020

In den 1890er Jahren befand sich der japanische Künstler Taki Katei (1830–1901) auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wurde nicht nur mit zahlreichen Aufträgen überschwemmt, sondern auch mit professionellen Auszeichnungen geehrt. Beispielsweise wurde Taki im Jahr 1893 als der „Künstler des Kaiserhauses“ ausgezeichnet, wodurch seine Arbeit für den kaiserlichen Hof Japans geehrt wurde.

Warum Taki Katei in Vergessenheit geriet

Trotz Takis Ruhm haben Sie wahrscheinlich noch nie von ihm gehört.

Der Grund, warum Taki „sogar heutzutage in Japan nicht berühmt ist“, ist, dass Takis Malstil im frühen 20. Jahrhundert als veraltet angesehen wurde, schrieb die Kuratorin Rosina Buckland anfänglich in einer E-Mail. Außerdem sagte Buckland, die 2012 das Buch „Natur für die Nation malen: Taki Katei und die Herausforderungen für die sinophile Kultur in Meiji Japan“ verfasste, dass Künstler, die mit der von der Regierung geförderten Tokyo School of Fine Arts in Verbindung stehen, als innovativ betrachtet werden und mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.”

Weiter fungierte Buckland neben dem Kurator Alex Blakeborough als Gastkuratorin für die Ausstellung „Von der Natur ableiten: Taki Kateis Japan“ im World Museum in Liverpool, England. Blakeborough ist der stellvertretende Kurator für Ethnologie des World Museum in Liverpool, England.

„Hase" von Taki Katei

„Hase“ von Taki Katei oder Ishibashi Kazunori. Papier und Tinte; 16 5/8 Zoll mal 21 Zoll. Foto: Keith Sweeney, National Museums Liverpool

In der Sammlung der „National Museums Liverpool“, einer Gemeinschaft von Museen und Galerien, zu denen auch das World Museum gehört, sind insgesamt 82 Zeichnungen ausgestellt, die aus vorbereitenden Arbeiten für Aufträge, Studien von Gemälden und Lehrmitteln für Takis Schüler bestehen. Zu den Exponaten zählen nicht nur Werke von Taki, sondern auch von seinem Schüler Ishibashi Kazunori.

Außerdem befinden sich die Werke in der ständigen Sammlung des Museums, da Takis ehemaliger Student Ishibashi (1876–1928), an der Royal Academy of Arts in London studierte.

„Herbstszene" von Ishibashi Kazunori, Student von Taki Katei

„Herbstszene“ von Ishibashi Kazunori. Papier, Pigment und Tinte; 43 5/8 Zoll mal 75 7/8 Zoll. Foto: Keith Sweeney, National Museums Liverpool

Jedoch ist es sehr überraschend, dass Takis Arbeiten zum ersten Mal außerhalb Japans gezeigt werden.

Taki Katei setzte sich für die Tradition ein

Taki wurde im Jahr 1830 geboren und wuchs in einer Zeit auf, in der es einen Reichtum von traditionellen Künsten in Japan gab. Demgemäß bevorzugten es die Künstler, vor allem die Traditionen der klassischen chinesischen Malerei zu integrieren. Sie folgten gleichzeitig der Tradition des Studiums aus dem Leben, wie den Menschen und Tieren und auch der Botanik.

Seitdem Taki sechs Jahre alt war, begannen viele Künstler ihm diese Traditionen beizubringen. Als Taki zwanzig Jahre alt war, reiste er nach Nagasaki, um der chinesischen Kultur näher zu kommen. Zu dieser Zeit war Nagasaki der einzige offene Hafen in Japan, und der Handel war auf die Niederlande, Korea und China beschränkt. Folglich konnte sich Taki mit chinesischen Künstlern und Literaten austauschen, die ihn aus erster Hand über ihre Kultur unterrichteten.

„Jurojin, Gott der Langlebigkeit" von Taki Katei.

„Jurojin, Gott der Langlebigkeit“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 37 3/8 Zoll mal 15 1/2 Zoll. Foto: Keith Sweeney, National Museums Liverpool

In den darauffolgenden fünfzehn oder sechzehn Jahren reiste Taki durch Japan, lernte von Lehrern und imitierte währenddessen berühmte Werke auf Kommission. Auf diese Weise baute er seinen Ruf, sowie ein Archiv von Werken auf. Dies ermöglichte es ihm, eine eigene Kunstschule in seinem Haus zu eröffnen, als er im Jahr 1866 nach Tokio zurückkehrte, sagte Kurator Blakeborough in einem Telefoninterview.

Folgen der Verwestlichung Japans

Bis 1868 war Japan in Aufruhr. Der „Große General“ der Edo-Zeit Tokugawa-Shogun (1603–1867) wurde gestürzt und dies beendete Japans Feudalsystem. Japans neuer Kaiser ersetzte den Shogun, wurde Japans Herrscher und regierte als Kaiser Meiji den „Erleuchtenden Weg“. So begann für Japan eine Zeit großer Veränderungen. Nach der Verwestlichung stand die Tradition weitgehend an zweiter Stelle. Zum Beispiel nahm Japan die Dampflokomotiven und westliche Architektur- und Kleidungsstile an.

Die Regierung gründete eine Kunstschule und ein Museum und veranstaltete regelmäßig öffentliche Ausstellungen. Die Künstler wurden angehalten, westliche Stile in ihre Kunst zu integrieren und Werke wie beispielsweise Glasur- und Rahmenbilder für Ausstellungshallen herzustellen, anstatt die traditionellen hängenden Seidenrollen zu kreieren.

„Den Himmel und hundert Belohnungen erfahren" von Taki Katei.

„Den Himmel und hundert Belohnungen erfahren“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 62 7/8 Zoll mal 24 Zoll. Foto: Keith Sweene, Nationalmuseen Liverpool

Taki hat jedoch keine Stilelemente der westlichen Malerei in seine Arbeit integriert“, sagte Buckland. Zudem war Taki Mitglied in der Japan Art Association, einer Gruppe von Künstlern, die „sich bemühten, die etablierte Form der japanischen Malerei wiederzubeleben“, sagte sie.

Der Verein förderte traditionelle japanische Kunst im Westen und reichte Kunstwerke bei internationalen Ausstellungen in Chicago im Jahr 1893 und in Paris im Jahr 1900 ein. Des Weiteren veranstalteten sie jährlich zwei Ausstellungen in Tokio und reichten ihre Arbeiten bei staatlich geförderten Ausstellungen ein.

Die Japan Art Association stellte Kunstwerke aus, die besonders aussagekräftige und auffällige Motive oder Themen zeigte, die die japanische Kultur repräsentierten, erklärte Buckland.

„Wohlstand und Duft" von Taki Katei.

Eine fertige Arbeit: „Wohlstand und Duft“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 15 1/2 Zoll mal 44 1/4 Zoll. Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseum

 „Von der Natur ableiten: Taki Katei’s Japan“

Takis Zeichnungen zeigen in der Ausstellung, wie Takis Studierenden diese traditionellen Kunstpraktiken beigebracht wurden. Die Zeichnungen könnten laut der Audioführung der Ausstellung auf Faltwände, Schiebetüren, Ventilatoren, Alben, Handschriftrollen und natürlich hängenden Schriftrollen benutzt werden.

Sie waren „funktionale Stücke, die verwendet wurden, um seinen Schülern das Malen bestimmter Motive beizubringen und sie in den Themen der traditionellen ostasiatischen Malerei, von denen die meisten aus China stammen, wie auch der gesamten Sprache der festgelegten Themen für Gemälde zu unterrichten, von denen einige aus China fast eintausend Jahre zurückliegen “, sagte Buckland. Des Weiteren wurden diese Themen in einem Buch für Künstlerlehrlinge aus dem Jahr 1886 beschrieben, zu dem Taki ebenfalls beitrug.

In der Ausstellung werden die Zeichnungen jedoch nicht in der Galerie aufgehängt, sondern nur an die Wände angeheftet, sodass die Besucher einen Einblick von der Art und Weise erhalten, wie Takis Schüler von ihm gelernt haben. „Seine Arbeiten waren für seine Schüler zum Kopieren überall in seinem Studio angebracht worden und das ist genau das was wir tun. Wir setzen seine Tradition des Lehrens fort “, erklärte Blakeborough.

Die Detailgenauigkeit in vielen Zeichnungen ist unglaublich. „Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern, als ich diese Werke sah, und war erstaunt, dass es sich nicht um fertige Stücke handelte“, sagte Blakeborough.

Der größte Teil der Arbeit besteht aus vorbereitenden Zeichnungen. Es ist an sich erstaunlich von Taki, „dieses Detail und diese Fähigkeit [für das Endstück] wiederholen zu können“, sagte Blakeborough.

„Pfingstrosenbusch" von Taki Katei.

„Pfingstrosenbusch“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 56 7/8 Zoll mal 23 1/4 Zoll. Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseen Liverpool

Geduld, Geschicklichkeit und Fleiß

Taki beherrschte die Zeichnungen in einem außergewöhnlichen Ausmaß, denn wenn das Bild auf Seide gemalt wurde, war es unmöglich selbst die kleinsten Fehler zu löschen. Die perfekte Seidenmalerei erfordert unglaubliche Geduld, Geschicklichkeit und endloses Üben.

Diese Prinzipien wurden durch Takis Zeichnungen in der Ausstellung deutlich. Zudem zeigen einige Zeichnungen Gitterlinien auf, wodurch das Bild beim Kopieren vergrößert werden kann. Wiederum andere Zeichnungen sind mit Korrekturen versehen, wie beispielsweise in einer reizvollen Zeichnung eines Kranichpaares von Ishibashi Kazunori. Die Köpfe der Vögel wurden von Taki oder Ishibashi nur leicht mit einer roten Tinte dargestellt.

„Kraniche" von Ishibashi Kazunori.

„Kraniche“ von Ishibashi Kazunori. Papier, Pigment und Tinte; 14 5/8 Zoll mal 11 1/4 Zoll. Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseen Liverpool

Detail von der Zeichnung „Pfingstrosenbusch" von Taki Katei.

Detail von der Zeichnung „Pfingstrosenbusch“ von Taki Katei. Foto: Keith-Sweeney, Nationalmuseen Liverpool

In der Zeichnung vom „Pfingstrosenbusch“ deuten Takis zarte rosa Pfingstrosenblätter auf eine samtige Textur und vielleicht sogar einen Hauch von feinem Duft hin. In einer anderen Zeichnung von Taki mit dem Titel „Hirsch“, ist das Fell des Tieres so fein gemalt, dass man fast spüren kann, wie weich es sich anfühlt.

„Hirsch" von Taki Katei.

„Hirsch“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 65 9/16 Zoll mal 21 7/8 Zoll. Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseen Liverpool

Jedoch waren die Motive, die Taki malen wollte, keinesfalls Fantastereien, denn in den japanischen Gemälden, wie auch in der klassischen chinesischen Kunst, wurde anhand der Natur die Bedeutung dargestellt. Die Pfingstrose mit ihren vielen Schichten dichter Blütenblätter steht beispielsweise für Reichtum und Wohlstand und der „Hirsch“ für Langlebigkeit.

Taki und seine Schüler haben diese Sprache der ostasiatischen Kunst gemeistert – eine Sprache, die nicht durch das geschriebene oder gesprochene Wort, sondern durch die Sprache der Symbolik vermittelt wird.

„Wellen des ersten Ranges"

„Wellen des ersten Ranges“ von Taki Katei. Papier, Pigment und Tinte; 76 1/2 Zoll mal 44 3/8 Zoll. Foto: Keith Sweeney, Nationalmuseen Liverpool

Symbolik von Taki Katei

Zudem sind viele dieser Zeichnungen und hängenden Schriftrollen voller tief gehender Bedeutung. Denn oft haben Haushalte eine tausendjährige Tradition in ihren hängenden Schriftrollen, die aufbewahrt wurden und nur bei bestimmten Ereignissen aufgerollt wurden, dokumentiert.

Beispielsweise würde die Zeichnung einer blühenden Pfingstrose bis zum Sommer gelagert und erst danach aufgehängt werden und ein Gemälde wie „Wellen des ersten Ranges“ mit majestätischen Kranichen in Wellen könnte aufgehängt werden, um das neue Jahr einzuläuten. Des Weiteren war der Rotkranich ein Symbol für Langlebigkeit und Reinheit.

Dass so viele von Takis Werken gleichzeitig in einer Ausstellung präsentiert werden, ist in der Tat ein glücklicher Zufall – für die traditionelle japanische Kultur und für die Kunst selbst. Möge dies die erste von vielen Taki Katei-Ausstellungen außerhalb Japans sein.

Um mehr über ‘Zeichnen nach der Natur: Taki Kateis Japan“ zu erfahren, das bis zum 13. April laufen sollte, aber auch dem Shutdown unterlag, besuchen Sie LiverpoolMuseums.org.uk (Englisch)

Bitte beachten Sie: Taki Katei und Ishibashi Kazunori sind nach japanischer Tradition geschrieben: Der Familienname steht an erster Stelle und der Vorname an zweiter Stelle.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von sme)
Originalfassung: Taki Katei: The Famous Japanese Artist You’ve Probably Never Heard of



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