Leuchtendes Dresden: Striezel Markt und Weihnachtsgenuss in höfischem Glanz

Von 18. December 2017 Aktualisiert: 19. Dezember 2017 8:16
Bereits seit 583 Jahren bildet der Dresdner Striezel Markt das Zentrum weihnachtlicher Prachtentfaltung. Dresdens kulturelle Tradition zur Weihnachtszeit wächst jedoch weit über die Attraktionen des Striezel Marktes und seiner über die ganze Stadt verteilten Ableger hinaus.

Ein Stück Weihnachtsstollen für Napoleon? Ein Kostverächter, daran zweifelt niemand, war dieser sicherlich nicht, solange er sich in seinen Siegen sonnte. Aber hatte nicht der helle Stern seines Erfolgs nach dem militärischen Debakel in den Weiten Russlands merklich an Glanz verloren? Doch damit nicht genug. Denn hinzu kam für ihn die Schlappe der verlorenen Völkerschlacht auf sächsischem Boden, die ihm die Freude am Genuss endgültig verdarb. So verwandelte sich das erhoffte „Bon Appétit!“ umgehend in ein verzweifeltes „Rette sich wer kann!“

Einen erheblichen Anteil an diesem Sieg über die „Grande Armée“ konnten die Sachsen für sich verbuchen. Bis heute versäumen sie es daher nicht, alljährlich beim Dresdner Stollenfest stolz ihre Fahnen und Standarten zu präsentieren, die sie einst im Schlachtgetümmel vor mehr als 200 Jahren vor sich her trugen. Mit Stolz erfüllen zugleich die Uniformen im Stil jener Zeit, in denen man mit Glanz und Gloria einen wahrhaft ehrenhaften, ja epochalen Sieg errungen hatte.

 Königsdisziplin der Backkunst

Zentrum des weihnachtlichen Treibens ist der legendäre Dresdner Striezelmarkt, dessen Name sich von dem Vorläufer des Dresdner Stollens ableitet. Bereits zur Zeit Napoleons hatte der Markt eine mehr als dreieinhalb Jahrhunderte zurück reichende Tradition. So gilt er auf seinem angestammten Platz zwischen Kreuzkirche und Frauenkirche als der schönste Weihnachtsmarkt weit und breit. Daher wird an allen Ständen die Begeisterung spürbar, wie sie sich bis in die Gegenwart hinein erhalten hat.

Die Königsdisziplin des Marktes ist seit Jahrhunderten die Stollen-Backkunst. Da bedarf es natürlich eines „Schutzverbandes Dresdner Stollen e.V.“, der seit mehreren Jahrzehnten mit großer Ernsthaftigkeit über die Bezeichnung „Original Dresdner Stollen“ wacht. Und der dabei, so erklärt es Stollenbäcker Rainer Grohmann, nicht nur die Qualität der Stollen im Auge hat, sondern zugleich auch die Interessen der 150 heimischen  Kolleginnen und Kollegen.

Traditionelles Stollenfest

Von seiner Backhütte aus nutzt er nun die Gelegenheit, mit Hilfe seines kleinen Teams sein Handwerk wie zur Zeit Augusts des Starken nach den Regeln traditioneller Backkunst zu zelebrieren. Verführerisch anzusehende Zutaten ergeben schon bald eine Knetmasse, aus der mit geübten Handgriffen gewickelte Teigrollen entstehen. Erinnern diese nicht gar, so der Stollenbäcker  mit Kennerblick, an das in Windeln gewickelte Christkind?

Für religiöse Erwägungen bleibt allerdings nur wenig Zeit. Denn längst ist der kleine Backofen neben der Hütte vorgewärmt, in dessen Öffnung die Teigrollen mit vorsichtigen Handgriffen verschwinden. Als Vorbote des zu erwartenden Stollengenusses quillt bereits nach kurzer Zeit ein verführerischer Duft aus dem Ofen hervor. Ähnlich wie wohl zur Zeit Augusts des Starken, der im Jahr 1730 einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen Gewicht mit 24.000 Portionen backen ließ. Und der mit diesem gigantischen Backwerk eine Tradition ins Leben rief, die noch heute alljährlich am Vortage des 2. Advents aufwändig gefeiert wird.

 

Kulturelle Höhepunkte

Dresdens kulturelle Tradition zur Weihnachtszeit wächst jedoch weit über die Attraktionen des Striezelmarktes und seiner über die ganze Stadt verteilten Ableger hinaus. Auch die Semperoper ist mit ihrem Weihnachtsprogramm einer der Hauptanziehungspunkte.  Zum Beispiel mit der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ in einer tiefsinnigen Inszenierung von Katharina Thalbach. Darin werden Gut und Böse eindrucksvoll als Teil der menschlichen Natur dargestellt. Und will nicht die Hexe, die augenzwinkernd auf ihrem Besen entwischt, nicht damit zum Ausdruck bringen, dass auch weiterhin mit ihr zu rechnen ist?

 

Ähnlich erstrahlt das Residenzschloss in kurfürstlichem Glanz. Wie Christbaumschmuck präsentieren sich die funkelnden Edelsteine im „Historischen Grünen Gewölbe“ Augusts des Starken. Ebenso die unglaublich fein gearbeiteten Kunstgegenstände im „Neuen Grünen Gewölbe“. Als unübertroffen erweist sich die in feinem Gold gearbeitete Szene am Hof des indischen Großmoguls Aurangzeb. Sollte  einst sein Vorbild an orientalischer Prachtentfaltung bis an den sächsischen Hof ausstrahlen?

 

Sächsisches Genusszentrum

Auch über die Stadtgrenzen hinaus haben  sich frühere Geheimtipps bereits in Besuchermagneten verwandelt. So das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth bei Radebeul. Als „Europas erstes Erlebnisweingut“ stellt es Aktivitäten im Reich der Sinne in Aussicht – und hält, was es verspricht.  Denn  spätestens seit der Zeit Augusts des Starken hat es sich, so die Meinung von   Kommunikationsdirektor  Martin Junge, mit seinen rauschenden Festen entwickelt zu einem „Genusszentrum der feinen sächsischen Art“.

Als noch älter und traditioneller erweist sich das 1000-jährige Meißen, das unterhalb seiner prächtigen Domkulisse in gediegener Weihnachtsromantik erstrahlt.“Weiß und heiß“ heißt das Motto für den etwas anderen Punsch, der hier auf regionale Art hergestellt und genossen wird. Und doch, so viel ist sicher, führen alle Wege zurück in das Stadtzentrum von Dresden. Denn kann man sich wirklich sicher sein,  nicht doch etwas vom Weihnachtsgenuss und dem weihnachtlichen Glanz der sächsischen Kulturmetropole verpasst zu haben?

www.sachsen-tourismus.de

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