An den Generalsekretär des Weihnachtsmanns

Von 1. Dezember 2006 Aktualisiert: 1. Dezember 2006 1:30
Die Geschichte des Adventskalenders
((Foto: © Richard Sellmer Verlag)

Die Vorfreude auf Weihnachten wird für Kinder und manche Erwachsene zählbar an den Türchen eines Adventskalenders. Waren die Türen und Fenster früher noch mit transparentem Papier und Zeichnungen hinterlegt, so lieben die Kinder es heute eher, das tägliche Schokoladenstückchen zu finden. In einer Welt der optischen Reizüberflutung nimmt sich kaum noch jemand die Zeit, die winzigen Bildchen hinter den Adventstürchen zu betrachten.

Das war am Anfang des 20. Jahrhunderts noch anders, als die ersten Adventskalender gebastelt und sogar schon gedruckt wurden. Im Jahr 1904 wurde dem „Neuen Tagblatt Stuttgart“ ein Adventskalender als Präsent beigelegt. Manche bezeichnen auch Gerhard Lang (1881-1974) als Erfinder des Adventskalenders. Das erste gedruckte Exemplar jedenfalls verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen des schwäbischen Pfarrersohnes aus Maulbronn. Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton – auf jedes war ein „Wibele“ genäht. Wibele ist ein Süßgebäck aus Biskuitteig in Form einer 2 cm kleinen Schuhsohle.

„Weihnachts-Kalender“

Als Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang verzichtete Gerhard Lang auf die Gebäckstücke und verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. 1908 verließ dieser erste, wenn auch noch fensterlose Adventskalender die Druckpresse. Damals sprach man noch von „Weihnachts-Kalender“, oder „Münchener Weihnachts-Kalender“. Seit ca. 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, so wie wir sie heute kennen.

Kein Papier im 2. Weltkrieg

Ende der 30er Jahre musste Gerhard Lang seinen Betrieb aufgeben, bis zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 30 verschiedene Motive herausgegeben. Der 2. Weltkrieg setzte dem Höhenflug des Adventskalenders ein jähes Ende. Grund hierfür war die Knappheit des Papiers und das Verbot, Bildkalender herzustellen. Erst in der Nachkriegszeit konnte der Adventskalender wieder an seinem Erfolg anknüpfen.

Die Enkel des U.S. Präsidenten Eisenhower nach dem 2. Weltkrieg mit dem ersten Adventskalender aus Germany. (Die Enkel des U.S. Präsidenten Eisenhower nach dem 2. Weltkrieg mit dem ersten Adventskalender aus Germany. (Foto: © Richard Sellmer Verlag)

1946 gründete Richard Sellmer einen Verlag in Stuttgart-Rohr und brachte den ersten Adventskalender nach dem zweiten Weltkrieg heraus. Von den amerikanischen Besatzungsbehörden erhielt man am 9. Dezember 1946 die Druckgenehmigung. Das Papier für die Produktion war aus der französisch besetzten Zone zu beziehen. Die Produktion begann im Wohnzimmer seines Hauses.

In Handarbeit: Die alte Stadt

Das erste Motiv (Die kleine Stadt) wurde vollständig von Hand gefertigt. Mit diesem Motiv, Deutschlands erstem Adventskalender nach dem zweiten Weltkrieg, stellte Richard Sellmer Ende der 40er Jahre auf der internationalen Messe in Frankfurt aus. Die Reaktion auf die ersten Adventskalender war enorm. Selbst aus den USA brachte der Postbote Grüße an den „Secretary General of Father Christmas“ in Stuttgart-Rohr. Ja sogar im Weißen Haus in Washington feierten die Enkel des Präsidenten Eisenhower die Adventszeit mit einem Kalender von Sellmer. Man begann das Programm um zahlreiche Adventskalender zu erweitern und um Krippen, die aus Karton gefertigt wurden, auszubauen.

Fachwerkhäuser und die Dresdner Frauenkirche

Die Dresdner Frauenkirche als neueste Ausgabe (Die Dresdner Frauenkirche als neueste Ausgabe (Foto: © Richard Sellmer Verlag)

Auch heute noch ist es Ziel des Verlages, die vorweihnachtliche Tradition des Adventskalenders zu erhalten und anzuknüpfen an das, was als deutsches Gemüt auch international Anklang findet. Alte Fachwerkhäuser, Märchenschlösser, verschneite Stadtlandschaften und als Neuestes auch die Dresdner Frauenkirche dienen als Vorlagen für die Kalender. Verkauft werden sie in ca. 30 Ländern.

Viele andere Verlage überraschen jedes Jahr mit neuen Versionen des alten Themas der Vorfreude auf Weihnachten, aber kaum jemand kennt die Ursprünge dieses Brauchs, die sich sogar bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Die ersten Formen kommen aus dem protestantischen Umfeld. So wurden in religiösen Familien im Dezember 24 Bilder nach und nach an die Wand gehängt. Weiterhin gab es die Weihnachtsuhr oder auch eine Adventskerze, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte.

Bis es dann endlich heißt: Das Christkind ist da – und die letzten Flügeltüren aufgehen zum Stall in Bethlehem.

Informationen mit freundlicher Genehmigung des Richard Sellmer Verlags,

www.sellmer-verlag.de

Die alte Stadt, Adventskalender von 1946, heute wieder erhältlich.
Die alte Stadt, Adventskalender von 1946, heute wieder erhältlich.
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