Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt

Von 14. Dezember 2005 Aktualisiert: 14. Dezember 2005 11:37

Arbeitslosigkeit und mangelnde Altersvorsorge scheinen für den ehemaligen Bundeskanzler kein Thema zu sein. Findet man die lukrativen Jobs nicht im Inland, auch nicht in der EU, dann eben weiter entfernt in der Schweiz beim Ringier-Verlag und in Russland mit „Vitamin B“ des engen Freundes Wladimir Putin.

„Ehemaliger“ zu sein muss mindestens ebensoviel Spaß machen wie das Regieren zuvor und ein Schelm ist, wer Schlechtes dabei denkt. Die Kalauer möchten einem nur so aus der Feder fließen, Fassungslosigkeit allenthalben. Hatte man die Fotoserie in Brioni-Anzügen am Anfang dieser Kanzlerzeit Schröders schon fast vergessen, war man über suboptimale (Doris Schröder-Köpf  nach dem Wahlabend) Fernsehauftritte und trickreiches Pokerspiel bei den Koalitionsverhandlungen doch noch zu einem würdigen Stabwechsel der Regierungsmacht gekommen, so hagelt es nun Protest von allen Seiten über politische Unkultur. Was viele schon lange deutlich sahen, wenn Schröder zu Fragen der Demokratie und Menschenrechte im russischen Großreich schwieg, das zeigt sich nun in seinen Früchten.

Wird der Protest etwas nützen oder wird Schröder noch weitere lukrative Verträge aus der Tasche ziehen? Wie wär’s mit einer Baufirma in Shanghai?

Der Privatmann Schröder wartete erst die Reaktionen am Wochenende ab und drohte der staunenden Schar der Kritiker dann in der Süddeutschen Zeitung mit seinem Anwalt. Außerdem erklärte er, es sei für ihn eine Ehrensache, bei dem Pipeline-Projekt mitzumachen. Er habe das Vorhaben politisch unterstützt, weil er es für sinnvoll halte. Zudem gab Schröder persönliche Gründe an, den Aufsichtsratschefposten übernehmen zu wollen. Mit 61 Jahren wolle er arbeiten und seiner Frau nicht daheim auf den Wecker fallen. Wir sind gerührt.    

Der Kanzler der Ich-AGs und der Ein-Euro-Jobs hat es geschafft dem Land zu zeigen, wofür der Kampf in der Politik sich lohnt. Geradezu eine Einladung für Karrieristen, in seine Partei einzutreten. (Womit wir nicht die aufrichtigen Mitglieder dieser Partei beschämen wollen.) Während die Nachfolgerin im Amt vom Dienen spricht, führt der Weg ihres Vorgängers schnurgerade in die Selbstbedienungsläden von Macht und Geld.  

„Die Revolution entlässt ihre Kinder“, so betitelte 1955 Wolfgang Leonhard seine Analyse und Absage an den Kommunismus. „Die Spaßgesellschaft frisst ihre Kinder“, das können wir jetzt erleben, wie wir gefressen werden, wenn wir nicht schleunigst den Augiasstall des Schulden-Machens und der Selbstbedienungs-Mentalität ausmisten. Schröder begibt sich auf eigene Wege – wir reiben uns die Augen vor Verwunderung über seine vergoldete Zukunft.

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