FC Carl Zeiss Jena (vorne von links nach rechts) Mark Zimmermann, Tobias Werner, Sercan Guevenisik, Felix Holzner, Norman Wohlfeld, Christian Person, Daniel Kraus, Ronny Thielemann, Christian Froehlich, Silvio Pagano, Marco Riemer (mittlere Reihe von links nach rechts) Olaf Holetschek , Heiko Weber , Marko Kaempfe , Sebastian Helbig, Stefan Kuehne, Sven Guenther, Torsten Ziegner, Kevin Schlitte, Andreas Keil, Fiete Sykora, Uwe Dern , Dr. Heribert Zitzmann , Peter Voss , Rainer Zipfel (hintere Reihe von links nach rechts) Mario Roeser , Stefan Fleischhauer , Ralf Schmidt, Holger Hasse, Alexander Maul, Krysztof Kowalik, Robert Paul, Toni Wachsmuth, Stefan Andreas , Marco Lohmann. (Foto: Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Eine ehemals „ostdeutsche“ Mannschaft kehrt zurück

Von 12. Juni 2006 Aktualisiert: 12. Juni 2006 18:58
FC Carl Zeiss Jena hat in Fußballdeutschland noch einen gewichtigen Klang

„Das, liebe Sportfreunde im Ernst-Abbe-Sportfeld, war das 4:0 für unseren FC Carl Zeiss Jena – Torschütze: Andreas Bielau“, sagte der Stadionsprecher und man konnte deutlich spüren, dass es ihm bei dieser Ansage äußerst schwer fiel, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Nur kurze Zeit später musste er erneut das Mikrofon bemühen: „Liebe Fans des FC Carl Zeiss – bitte verlassen Sie sofort wieder das Spielfeld – das Spiel läuft noch …“

Dieses Tor zum 4:0 Endstand elektrisierte jedoch alle Zuschauer dermaßen, dass es niemanden mehr auf seinem Platz hielt. Dieser unerwartete und spektakuläre Sieg im Rückspiel des Europa-Pokals der Pokalsieger nach einer 0:3 Niederlage im Hinspiel gegen den AS Rom tauchte das ganze Stadion, eine ganze Stadt, ja eine ganze Region in einen blau-gelb-weißen, kollektiven Freudentaumel. Dieser Triumph des FC Carl Zeiss Jena über den anscheinend übermächtigen Favoriten aus Rom am 1.Oktober 1980 war der Beginn einer Siegesserie im Europapokal, die erst im Endspiel am 13. Mai 1981 von Dynamo Tiflis mit 1:2 gestoppt werden konnte.

Europapokal-Endspiel 1981 in Düsseldorf vor einer Geisterkulisse

Bedauerlich, dass dieses Europapokal-Endspiel seinerzeit in Düsseldorf vor einer Geisterkulisse ausgetragen werden musste, da die damaligen kommunistischen Machthaber der DDR es nur wenigen „linientreuen“ Fans gestattet hatten, den FCC in den freien Teil Deutschlands zu begleiten. Es wird wohl eine ewige Spekulation bleiben, wie dieses Spiel wohl ausgegangen wäre, wenn der FC Carl Zeiss, eine der beliebtesten Mannschaften in der DDR, auch noch die lautstarke Unterstützung seiner treuen Anhänger bei dieser Begegnung gehabt hätte. Trotzdem waren es zuvor Monate der fußballerischen Glückseeligkeit im Thüringischen, denn es hatten wohl noch nicht einmal die kühnsten Optimisten mit einem solchen Erfolg auf internationalem Parkett gerechnet, als man sich mit einem Pokalsieg über den Erzrivalen aus Erfurt für diesen Wettbewerb qualifizierte.

Erster der „Ewigen Oberliga-Tabelle“ der DDR

Trainer in Jena damals war übrigens Hans Meyer, der dort seine erfolgreiche Trainerlaufbahn begann. Überhaupt standen in den Reihen des FC Carl Zeiss, Erster der „Ewigen Oberliga-Tabelle“ der DDR, Akteure, deren Namen man auch auf internationalen Fußballplätzen gut kannte. Spieler wie Wolfgang Blochwitz; Peter Ducke, Harald Irmscher, Lothar Kurbjuweit, Eberhard Vogel, Konrad Weise und Bernd Bransch kickten auch für die DDR-Nationalmannschaft bei der WM 1974 in der Bundesrepublik; und auch Bernd Schneider, Robert Enke und Jörg Böhme begannen ihre Profikarriere in Jena.

Zwanziger: „Nachwuchsarbeit in Jena ist eindrucksvoll“

Die große Erfolge des FC Carl Zeiss Jena liegen nun schon ein paar Jahrzehnte zurück und als

DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger Ende des vergangenen Jahres Jena besuchte, war der FCC gerade erst aus der Oberliga (4.Liga) in die Regionalliga (3.Liga) aufgestiegen. Zweck der Reise Dr. Zwanzigers war es, die Situation im Ost-Fußball näher zu beleuchten und er traf sich deshalb mit verschiedenen Vertretern ausgewählter Vereine. Sichtlich beeindruckt über die Arbeit beim FC Carl Zeiss sagte er, dass „die Nachwuchsarbeit in Jena eindrucksvoll und das Umfeld phänomenal“ sei. „Hier wird solide und wirtschaftlich gearbeitet. Jena ist jetzt schon eine Zweitliga-Stadt und wird den Weg in den Spitzenfußball schneller und leichter finden als Erfurt.“ Auch die Rahmenbedingungen in Jena seien um einiges besser als zum Beispiel in Erfurt „wo es noch an Handwerklichem fehlt“. Lobende Worte fand er aber auch für „die beispielhafte Sozialarbeit des Jenaer Fanprojektes“ und er schlug vor, dieses vom DFB weiter zu fördern.

Firma „Carl Zeiss“ hat nichts mehr für den Fußball übrig

Überhaupt habe, so Dr. Zwanziger, der Name FC Carl Zeiss Jena in Fußballdeutschland noch immer einen gewichtigen Klang und er zeigte sich sehr überrascht darüber, dass der Optik –Hersteller „Carl Zeiss“ nichts mehr für den Fußball übrig habe und die Akte „Sportsponsoring“ geschlossen hat. Unternehmenssprecher der „Carl Zeiss AG“, Vogel, sagte über den Club, der den Namen der Firma früher in die Welt hinaustrug: „Schließlich haben wir dem Traditionsverein gestattet den Namen weiter zu tragen.“

Als Dr. Zwanziger seinerzeit aus Jena wieder abreiste, konnte er wohl noch nicht wissen wie schnell sich seine Prophezeiung erfüllen sollte, denn den Jenensern gelang in der Saison der sensationelle „Durchmarsch“ bis in die Zweite Bundesliga. Im Gegensatz zu vielen anderen Ost-Vereinen zeigt der Trend in Jena inzwischen wieder deutlich nach oben.

In 13 Spielen hintereinander nicht eine Niederlage

Der FCC kassierte in der vergangenen Saison in 13 Spielen hintereinander nicht eine Niederlage und davon wurden sogar sieben Spiele in Serie gewonnen. Mit seiner offensiven Spielweise und seiner sicheren Abwehr verdiente sich das Team auch den Respekt der Konkurrenz und will nun mit seiner eingespielten Mannschaft in dieser Saison unbedingt die Klasse halten. Hierbei will man vor allem mit den alten Jenaer Tugenden Disziplin, Fitness und kämpferischem Einsatz den Erfolg suchen.

Der FC Carl Zeiss ist kein riesiger Verein und die Spieler verdienen hier vergleichsweise etwas weniger als in den größeren Clubs. Trotzdem treten sie gern in Jena vor den Ball, weil sie hier sehr gute Trainingsmöglichkeiten vorfinden, weil sie gute Entwicklungschancen sehen und weil sie der gute Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

Eine Videowand bringt WM-Atmosphäre

Wenn am Freitag nun der Anpfiff zum ersten Heimspiel in der zweiten Liga erfolgt, wird es sogar ein bisschen weltmeisterlich im altehrwürdigen Ernst-Abbe-Sportfeld. Eine neue Videowand, die vom Nürnberger WM-Fan-Fest gekauft wurde, wird von nun an im Stadion aufleuchten, da die alte Anzeigetafel nach einem Blitzschlag ihren Dienst quittierte.

Bummelt man aus der hübsch renovierten Innenstadt Jenas zum Stadion, so geht man entlang der Saale durch eine Parkanlage, die den Namen „Paradies“ trägt. Für viele Anhänger des FC Carl Zeiss war diese kleine Arena mit ihrem derzeitigen Fassungsvermögen von 12.000 Zuschauern früher wirklich ein fußballerisches Paradies und viele hoffen, dass man hier eines Tages wieder an die glorreichen Tage von einst anknüpfen kann. Es gibt in Thüringen nicht mehr viele Menschen, die wissen, dass in Jena anno 1817 die Zuckertüte erfunden wurde – aber jeder weiß, dass hier einst der große AS Rom mit 4:0 vom Platz gefegt wurde.

Erfolge des FC Carl Zeiss Jena

Europa-Cup-Finalist 1981

Europa-Cup-Halbfinalist 1962

87 Europa-Cup-Spiele

• 1963, 1968, 1970 DDR-Fußballmeister

• 1960, 1972, 1974, 1980 DDR-Pokalsieger



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