Mit Büchern Frieden nach Kolumbien bringen

Von 2. Januar 2010 Aktualisiert: 2. Januar 2010 23:03

Ein Lehrer, zwei Esel und ein dicker Stapel von Büchern arbeiten daran, das Leben der Kinder in einer kleinen Gemeinschaft in Kolumbien zu bereichern. Luis Soriano Boroquez hofft auf diese Weise zu helfen, seinem für Gewalt so anfälligen Land Frieden zu bringen.

Seit den 1930er Jahren ist Gewalt ein unvermeidlicher Bestandteil der kolumbianischen Gesellschaft. Von 1948 bis 1957 ging das Land durch einen Bürgerkrieg, bekannt als „La Violencia“ – „Die Gewalt“. Er war die Folge von alten Rivalitäten zwischen den liberalen und konservativen Parteien. Der Bürgerkrieg forderte mehr als 250.000 Tote. Diese Ereignisse schufen den Rahmen für die extreme Gewalt in der heutigen kolumbianischen Gesellschaft.

Als Folge der Wellen von Gewalt und politischer Verfolgung verließen ganze Familien ihre Häuser, um in größeren Städten zu leben. Es endete gewöhnlich damit, dass sie in den armen Gebieten lebten, wo es an elementaren Gesundheits- und Sozialeinrichtungen fehlt.

In den 1980er Jahren trugen neue Faktoren zur Zementierung dieser Unkultur von Gewalt im Land bei. Einer der wichtigsten war die Verbreitung von Kokain und die Integration von Jugendlichen in den Rauschgifthandel. Andere Faktoren waren die Wirtschaftskrise und die krebsartige Ausbreitung von Guerillagruppen, die heute noch aktiv sind. Kolumbien wurde so eines der gewaltsamsten Länder der Welt.

Die ausgeübte Gewalt hat unvermeidlich alle Bereiche des Zivillebens betroffen, so auch das Bildungswesen. Nach mehreren Schätzungen hat Kolumbien jetzt 20 Prozent Analphabeten. Der Prozentsatz in den ländlichen durch die Gewalt betroffenen Gebieten könnte noch höher sein. Infolge des großen Mangels an Lesematerialien und Bibliotheken in diesen Gemeinden ist auch das amtliche Analphabetentum sehr hoch.

„Biblioburro“ – Die Bibliothek des Esels

Vor zehn Jahren hatte Boroquez, ein Lehrer in einer ländlichen Gegend, eine Idee, die für viele verrückt klang:  Kindern im Gemeindedepartement von Nueva Granada Bücher zu bringen. Er hatte zwei ungewöhnliche Verbündete: Zwei Esel mit Namen Alfa und Beto. Von daher bekam sein Abenteuer seinen Namen: er nannte es „Biblioburro“, oder „die Bibliothek des Esels“.

Jedes Wochenende belädt dieser Grundschullehrer einer gemischten Schule von La Gloria seine Esel mit 70 bis 120 Büchern (Alfa ist der Esel, der die meisten trägt) und legt jeden Tag zwischen drei und elf Kilometer zurück, um den Landkindern Bücher und Kultur zu bringen. Für jede Reise braucht er bis zu acht Stunden täglich.

Die Idee für seine Bibliothek, so erklärte er der New York Times, kam ihm, als er die verändernde Kraft des Lesens unter Kindern in einem durch Konflikte gequälten Gebiet in Kolumbien sah. Sein Ziel ist es, das Analphabetentum anzugehen und den Kindern zu helfen, für ihre Hausaufgaben zu forschen und sie mit Lesestoff zu versorgen, den sie in ihrem Dorf nicht haben.

Sobald das erste Kind ihn kommen sieht, beeilt es sich, seine Kameraden zu rufen, die sofort gerannt kommen und den Lehrer wie in einer feierlichen Parade begleiten. Wenn der Lehrer ein Dorf erreicht, wählt er einen leeren Raum. Dort steckt er einen behelfsmäßigen Tisch zusammen, an dem dann einige Kinder ihre Hausaufgaben machen, während der Rest lesend im Gras sitzt oder spielt.

Am Anfang sammelte Soriano die Bücher in seinem eigenen Haus, wo er mit seiner Frau Diana und drei Kindern mit den bis zur Decke gestapelten Büchern lebte. Aber in Anbetracht der Nachfrage nach Büchern unter den Dorfkindern und mit der Finanzhilfe von „Cajamag“, einer lokalen Finanzierungseinrichtung, konnte er kürzlich eine kleine Bibliothek fertigstellen, die aus fast 4.000 Büchern besteht.

Was als ein Bedürfnis begann, wurde von seiner Seite her bald eine Verpflichtung und dann eine Gewohnheit, und jetzt, mit dem Gebäude der Bibliothek, wurde es zu einer Institution. „Ich will die Kinder ihre Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten lehren. Wenn sie sie kennen lernen, wird jedes Kind, das wir durch Biblioburro unterrichten, ein informierter Bürger, der Nein zur Gewalt sagen kann“, sagt Soriano.

Obwohl die neue Bibliothek jetzt einer kleinen Gemeinschaft von 200 Kindern dient, setzt Soriano noch seine Tätigkeiten während der Wochenenden fort. „Das ist meine Lebensaufgabe“, sagte er Valentina Canavesio, einer unabhängigen Produzentin. „Ich will der Gesellschaft, der ich angehöre, nützlich sein.“ Soriano findet, dass sein Werk auf eine kleine, aber bedeutsame Weise beiträgt, den Frieden in sein arg mitgenommenes Land zu holen.

César Chelala ist ein Schriftsteller, der über Menschenrechtsthemen schreibt.

 

Originalartikel auf Englisch: Bringing Books and Seeking Peace in Colombia

 

 

 

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