Studiengebühren – mehr jobben, länger studieren

Von 11. Februar 2005 Aktualisiert: 11. Februar 2005 17:41
Stimmen von Studenten zur Einführung von Studiengebühren

Das bundesweite Verbot von Studiengebühren wurde vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt. Damit haben die von der CDU regierten Länder Recht bekommen und dürfen jetzt Studiengebühren einführen. Die anderen Bundesländer wollen zunächst keine Gebühren erheben. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass dieser Beschluss nicht von langer Dauer sein wird. Geklärt ist im Moment allerdings gar nichts. Wer wann von wem wie viel Geld pro Semester verlangen wird, das hat die bisherige Diskussion schon gezeigt, kann nicht jedes Land im Alleingang entscheiden. Die Studenten jedenfalls sind verunsichert und zeigen sich skeptisch in Bezug auf die Verwendung der vorgesehenen Gebühren.

Studiengebühren nur als Antrieb für Langzeitstudenten

Sabine R,. 24 Jahre alt, studiert an der FH Emden im fünften Semester. Sie hält Studiengebühren für Semester, die erheblich über die Regelstudienzeit hinausgehen, für ein probates Mittel um diejenigen unter Druck zu setzen, die es einfach nett finden zu studieren und keine Notwendigkeit sehen sich dabei zu beeilen. Auch die aus China stammende Sijing äußert sich missbilligend über Studierende, die 10 Jahre lang vor sich hin studieren und nicht zu einem Abschluss kommen. Sie hat es in ihrem Umfeld erlebt, dass die eingeführten Gebühren Langzeitstudenten doch einen Anstoß gaben.

Halbtagsstudium und Halbtagsjob

Beide lehnen es jedoch ab schon für das Erststudium zu bezahlen. Sabine R. arbeitet 7-10 Stunden pro Woche in einer Kneipe und verdient sich damit 200 € im Monat zu BaföG und Kindergeld hinzu. So hat sie im Monat insgesamt knapp 600 € zur Verfügung. Für Wohnung und Telefon bezahlt sie 400 €. Für Sabine würden Gebühren in Höhe von 500 € pro Semester bedeuten: ,,Halbtagsstudium und Halbtagsjob. Ich würde eben ein paar Semester länger brauchen.“ So sieht die logische Schlussfolgerung auch für Sijing aus, die nicht zuletzt zum Studieren nach Deutschland kam, weil z. B. in den USA die Gebühren für sie unerschwinglich waren. Ihre Eltern haben sie damals unterstützen können um die notwendigen 10.000 DM bei der Deutschen Bank für ihren Aufenthalt in Deutschland zu hinterlegen. Etwa ein Drittel dieses Betrages behält der deutsche Staat auch jetzt, nach Beendigung des Studiums, noch ein. Dieses Geld wird die junge Frau erst wiedersehen, wenn sie hier einen festen Arbeitsplatz gefunden hat. ,,So können sie mich im Notfall noch in das Flugzeug setzen und nach Hause schicken, wenn ich kein Geld mehr habe.“

Die junge Chinesin hat im ersten Studienjahr nebenher 10 Stunden pro Woche gearbeitet und in den Ferien hatte sie Vollzeitjobs, bevor ihr Mann zur Finanzierung beitragen konnte. Studiengebühren hätten auch für sie unweigerlich eine Verlängerung der Studienjahre bedeutet.

Wenn das Geld wirklich in die Unis fließen würde

Einen anderen Punkt greifen drei Hamburger Studenten auf. Felix A., Lehramtstudent im 8. Semester, hält Studiengebühren dann für sinnvoll, wenn sie wirklich direkt den Universitäten zufließen. Dies bezweifelt er aber genauso wie auch seine Frau Anja, die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte studiert und Tanja K., die gerade ihr Examen für das Sonderschullehramt gemacht hat. Die beiden jungen Frauen haben nicht viele gute Worte für ihre Uni übrig. ,,Wenn die Studenten dann nicht mehr auf hundertjährigem Gestühl sitzen müssten und ihre Dozenten nicht nur im Vorbeilaufen zu sprechen wären“, ereifert sich Tanja K., würde sie Studiengebühren durchaus befürworten. Allerdings, relativiert sie, müssen dann wirklich Lösungen gefunden werden für Studenten, die wenig Geld haben und ihr Studium weitgehend selbst finanzieren. In diesem Zusammenhang lobt sie die Tatsache, dass sie als Mutter eines Kindes unter 6 Jahren keine Gebühren für ihr 15. und 16. Semester zahlen musste. Tatsächlich sind nicht nur die weniger eifrigen Studenten und sogenannte Scheinstudenten von den Gebühren für Langzeitstudenten betroffen, sondern auch sozial Benachteiligte und Studenten mit Kindern.

Keiner der befragten Studenten glaubt ernsthaft an eine Verbesserung der Qualität des Studiums durch Studiengebühren. Die Logik der Gebührenbefürworter, dass Studenten sich unter dem finanziellen Druck mit dem Abschluss ihres Studiums beeilen würden, führten die Befragten ad absurdum. Wem noch ganze 200 € im Monat für Essen und Freizeit bleiben, der muss wirklich mehr jobben um solche Gebühren zu finanzieren. Und mehr Arbeit bedeutet längere Studienzeit. Beißt sich da die Katze nicht in den Schwanz?



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