Versailles – sein Interieur und seine Freunde

Von 5. Oktober 2011 Aktualisiert: 23. August 2017 20:02
Die Epoch Times sprach mit Baron Roland de L’Espée, dem Präsidenten der „Société des Amis de Versailles“, anlässlich einer Ausstellung im Schloss Versailles.

Wer jemals das Schloss Versailles in dem gleichnamigen Vorort von Paris gesehen hat, ja wer auch nur Abbildungen kennt, kann sich wohl kaum vorstellen, dass es in Frankreich am Beginn des 20. Jahrhunderts Überlegungen gegeben hat, das Schloss abzureißen. Der Spiegelsaal – Vorbild für die europäischen Fürstenhäuser für alles, was Festlichkeit repräsentieren könnte –, ein Opfer der Spitzhacke?

Trotz aller Anstrengungen des Kurators und des zuständigen Ministeriums, drohte das Schloss zu verkommen. Wenn, ja wenn es nicht einen Mann gegeben hätte, Pierre de Nolhac, der sich 1892 auf dem Posten des Schlosskurators daran machte, das Schloss zu „retten“. Er brachte es wieder „in Mode“, wie ein Zeitgenosse ihm bescheinigte. Endlich im Jahr 1907 gründete sich der „Verein der Freunde von Versailles“, dem die Spitzen der französischen Gesellschaft angehörten, und engagiert sich seither mit Geld und vielen guten Worten und Taten zu Frankreichs Ruhm und Ehre.

Die Epoch Times fragte Baron Roland de L’Espée, der im Jahr 2009 zum Präsidenten der „Société des Amis de Versailles“ gewählt wurde, was ihn bewogen hat, dieses Ehrenamt anzunehmen.

Baron Roland de L’Espée: Ich empfinde mich als jemanden, der etwas weitergibt, ich bin ein Glied in der Kette. Ich bin mit Versailles aufgewachsen, mein Vater war schon einer der Freunde von Versailles und ich wurde 1980 als ziemlich junger Mann als Mitglied aufgenommen. Man war der Ansicht, dass heutzutage ein Kunsthistoriker gut auf diesem Posten wäre.

Ich bin Kunsthistoriker, ich arbeite in einer sehr angesehenen Firma, ich kenne mich mit allen Dingen von Belang aus, ich kenne die Kuratoren und die Konservatoren, die für die Bewahrung von Kunstschätzen und Bauwerken nötig sind. Es war fast natürlich, dass ich dieses Amt auch annahm, denn Versailles liegt mir am Herzen.

Epoch Times: Versailles steht sehr hoch auch im internationalen Ansehen, aber wenn die Jugend Sie fragt, warum solch ein altes Schloss im 21. Jahrhundert mit viel Mühe und Geld erhalten werden sollte, was meinen Sie dazu?

De L’Espée: Die jungen Leute müssen zunächst einen Zugang finden zur Geschichte, ich möchte ihnen ein Fenster öffnen zur Kunst der Vergangenheit. Versailles ist ein sehr spezieller Ort. Es war in Europa im 17. und 18. Jahrhundert der Mittelpunkt des zeitgenössischen Kunstschaffens, es prägte den Geschmack, die Malerei, die Skulpturen, die Möbel, die Gärten, die Musik und das Theater, die Speisen und das Benehmen bei Hofe, ja sogar die französische Sprache breitete sich über den ganzen Kontinent aus.

Versailles ist ja sehr imposant. Zunächst müssen wir den Wunsch bei der Jugend wecken, sich Versailles überhaupt anzuschauen. Wir veranstalten dazu auch Konferenzen und haben etwas ganz Neues angefangen, das ist die Sommerschule für angehende Konservatoren. Sie steht auch Jugendlichen offen, die außerhalb von Paris leben und vielleicht wenig Geld haben.

Hier in der Sommerschule können sie etwas über die Kunst erfahren, indem sie mit dem Material in Berührung kommen, mit Farben, Holz und Marmor und mit deren technischer Behandlung. Sie lernen die Welt der Künste auf ganz praktische Weise kennen, nicht auf akademische Art.

Epoch Times: Es heißt, dass es schon zu Zeiten von Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, der Versailles zu dem machte, was seinen Ruhm festigte, also dass schon damals das Geld nie reichte. Ist das richtig?

De L’Espée: Ja, der Sonnenkönig, von dem man wissen muss, dass er in seiner Kindheit wirklich in Armut lebte, weil der ganze Adel sich gegen seinen Vater stellte, machte Versailles zu seinem Zentrum und in der Mitte residierte er, alles drehte sich um ihn – eben wie um die Sonne. Aber das Geld reichte nie.

Epoch Times: Was empfinden Sie, wenn Sie durch Versailles gehen?

De L’Espée: Ich empfinde Versailles am intensivsten und am schönsten, wenn ich am Montag, wenn alles geschlossen ist, hingehe. Die Stimmung am Abend, wenn die Sonne untergeht und man durch das Schloss und den Garten geht, diese Zeit ist am schönsten …

Aber sonst fühle ich mich einfach verantwortlich für alles, was erneuert oder repariert werden muss. Ja, ich fühle mich verantwortlich wie ein Hausherr, aber nicht wie ein Eigentümer. Versailles ist ein Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Wir sind verantwortlich für dieses Erbe. Ich bin wirklich überzeugt von der Notwendigkeit unserer Aktivitäten.

Epoch Times: Was sollen uns die Einrichtungsgegenstände „erzählen“ in der Ausstellung, die am 20. September eröffnet wird mit dem Titel: „Le château de Versailles raconte le Mobilier national“?

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De L’Espée: Diese Ausstellung stellt die Frage, wie wir das Schloss wieder einrichten sollten, um die Authentizität der Dinge zu bewahren. Nach der französischen Revolution entschloss man sich, alles Inventar zu verkaufen. Das ging so etwa ein Jahr lang, vieles ging an andere Königshäuser, besonders nach England, vieles ist in Museen gelandet. Natürlich ist vieles auch erhalten geblieben und wieder erworben worden.

Außerdem werden in einem Teil der Ausstellung die Erzeugnisse der nationalen Möbelhersteller aus vier Jahrhunderten gezeigt und zwischen die erhaltenen Bestände gemischt. Sie wird den Geschmack der Zeit zeigen und wir werden hinterher leichter die Frage beantworten können, wie wir Versailles einrichten wollen.

Epoch Times: Was bleibt in der Geschichte, ist es die Kultur, die erzeugt wurde, nicht die Politik, ist das richtig?

De L’Espée: Ja. Aber Versailles wurde geschaffen aus politischen Gründen, es war reine Politik. Nirgends gab es mehr Politik als in Versailles. Das war Absolutismus. Versailles war eine politische Vision.

Epoch Times: Aber was blieb, ist die Kunst und Kultur.

De L’Espée: Ja, richtig. Und jetzt frage ich etwas, denn wir haben uns hier im Sommer in Südfrankreich getroffen: Wann kommen Sie nach Versailles?

Das Schloss Versailles ist einer der größten Paläste Europas und gilt als einer der Höhepunkte europäischer Schlossbaukunst. Der Palast, dessen größte Ausdehnung mehr als einen halben Kilometer beträgt, war im 17. und 18. Jahrhundert das Vorbild zahlreicher weiterer Schlösser.

Seit 1979 ist das Schloss Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, es steht zusammen mit den umfangreichen Gartenanlagen und den Parkschlössern für Besucher offen.

Ludwig XIV. war von 1643 bis 1715 König von Frankreich, genannt der „Sonnenkönig“. Er baute Versailles zu einem imposanten Schloss aus. Er war der markanteste Vertreter des königlichen Absolutismus.

Seit die königliche Familie der Bourbonen das Schloss am 6. Oktober 1789 in der französischen Revolution verlassen musste und auf dem Schafott endete, durchlief das Versailler Schloss eine wechselvolle Geschichte mit Ausverkauf seines Interieurs, armen Zeiten und reichen Zeiten, bis vor über einhundert Jahren die öffentliche Meinung für den Erhalt des Schlosses eintrat und ein Verein „Freunde von Versailles“ gegründet wurde, der seitdem gemeinsam mit dem Staat für den Erhalt sorgt. Besucher und Sponsoren sind willkommen.

Vom 20. September bis zum 11. Dezember zeigt Versailles eine Ausstellung mit nationaler Inneneinrichtung aus vier Jahrhunderten von Ludwig XIV. bis heute. „Le château de Versailles raconte le Mobilier national“

Täglich geöffnet außer am Montag.

www.chateauversailles.fr