Warum die deutsche Sprache verrückt ist (4)

Von 4. April 2010 Aktualisiert: 4. April 2010 11:16

„Geschwindigkeitsbeschränkungsregelungen“ – als ich dieses Wort mit 39 (!) Buchstaben zum ersten Mal gesehen habe, fiel ich fast in Ohnmacht. Ich raffte mich endlich zusammen und guckte mir widerwillig dieses mir unheimlich erscheinende Wort noch einmal genauer an, so erkannte ich darin aus meinem damaligen erbärmlichen Wortschatz doch einige Dinge, die mir vertraut waren:

„wind“ – also der Wind; „keit“ – eine der Endungen für die Nomen (oder Substantive); „regel“ – also die Regel; und „ung“ – eine andere Endung für die Nomen; mit „schränk“ war ich nicht sicher. Fast genauso sah es aus wie das Wort „Schrank“, das ich noch vor kurzem auf dem Bescheid des Studentenwerkes über das Wohnheimzimmer kennen gelernt hatte: ein Zimmer mit so und so viel Quadratmeter, mit einem Schrank, einem Tisch, einem Bett und einem Stuhl. Nun steht mittendrin in dieser langen Schlange wieder Schrank, aber mit zwei Pünktchen auf dem a. Geschwister sind sie wohl, dann haben sie vielleicht auch einen inhaltlichen Zusammenhang miteinander? Rätselte ich rum.

Was mich am meisten getröstet hat, waren die zweimal s zwischen unterschiedlichen Teilen des Wortes. Das heißt nichts anderes, als dass dieses Wort aus drei unabhängigen Worten zusammengesetzt ist, die an sich nicht lang sind. Was für ein glückliches Gefühl war das, als ich das kapierte.

Mindestens eine halbe Stunde habe ich für diese 39 zusammengeschriebenen Buchstaben verwendet und sie gründlich zergliedert: Wind-schwinden-geschwind-Geschwindigkeit, Schranke-beschränken-Beschränkung und Regel-Regelung-Regelungen.

Das Ergebnis war nicht schlecht. Erstens, dieses Wort, das mich auf den ersten Blick erschreckt hat, bedeutet einfach: die Regelungen über die Beschränkung der Geschwindigkeit! Obwohl noch mehr Buchstaben da im Einsatz sind, sieht dieser Satz viel netter aus. Zweitens, der Wortbau an sich hat seine innere Logik, was mir ermöglicht, die Worte besser zu merken.

Um das Wort Geschwindigkeit zu merken, habe ich meine eigene Methode erfunden: Der Wind hat ein auffallendes Tempo. Und im Winter hört sich das Geräusch des starken Windes wie „sch“- an. Also sch vor wind = schwind, „ge“ ist ein gängiges Anfangspräfix für Nomen, und „keit“ ebenfalls für Nomen.

Genauso funktioniert es mit Schranke-beschränken-Beschränkung und Regel-Regelung-Regelungen. Nun wandelte sich meine Frustration in eine Art Spaß-Machen-Stimmung.

Wenn ich jetzt das alles mit einem deutschen Auge wieder einmal betrachte, werde ich sogar einen kritischen Blick auf den englischen Ausdruck „speeding regulations“ (das heißt Geschwindigkeitsbeschränkungsregelungen) werfen, über dessen Kürze ich mich einst gefreut habe. Woher soll man eigentlich wissen, was mit diesem speeding gemeint ist? Etwa Geschwindigkeit erhöhen oder beschränken? Und wenn man plötzlich das Wort speed vergisst, was macht man? Man findet dabei gar keinen Anhaltspunkt wie das Wort Wind bei Geschwindigkeit im Deutschen.

Wir Deutsche sind zwar der Lang-Wort-Aufbau-Weltmeister, aber wir sind gründlich und sehr genau!

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