Was unsere Welt im Innersten zusammenhält

Von 5. Juni 2012 Aktualisiert: 5. Juni 2012 14:02

„Wenn ich mir rational die Verhältnisse anschaue, bin ich pessimistisch, weil ich mir kaum vorstellen kann, diese noch zu ändern. Und dennoch dürfen wir den Versuch nicht aufgeben. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich zu den Menschen rede. Ich brauche sie nicht zu überzeugen, nur zu erinnern. Wir haben doch alle Zugang zu dem Reservoir ‚Weisheit‘, die nur abgerufen werden muss.“ Der dies sagt, ist der Quantenphysiker und Friedensnobelpreisträger Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern. Unermüdlich ist er unterwegs in aller Welt, zu hören und zu sehen in Vorträgen, Fernsehinterviews und auch im Dialog mit seinen Freunden.

Denn der Physiker stellt fest: „Naturwissenschaft sagt uns wohl, was ist, aber sie gibt keine Auskunft darüber, was sein soll, wie wir handeln sollen.“ Trotz seiner 83 Jahre blitzen die Augen, wenn er sagt: „Ich habe als Physiker 50 Jahre meines Lebens – mein ganzes Forscherleben – damit verbracht, zu fragen, was eigentlich hinter der Materie steckt. Das Endergebnis ist ganz einfach: Es gibt keine Materie. Ich habe 50 Jahre an etwas gearbeitet, das es gar nicht gibt. Was fühlt ein Naturwissenschaftler, wenn er plötzlich erkennt, dass es das, was er für die Grundlage der Naturwissenschaften hält – nämlich die Materie, die wir alle greifen können –, gar nicht gibt?“

Für Dürr folgt daraus, dass unser ganzes Weltbild viel zu eng ist und zu Situationen führt, für die es keine Lösungen gibt. Die Sackgasse, in der wir uns durch ein mechanistisches Weltbild befinden – durch ein Denken, das noch im 19. Jahrhundert wurzelt –, zerstört unser Leben. Was hinter der sogenannten Materie steckt, ist für Dürr wie Software ohne Hardware, eine ständige Bewegung, eine kreative Kooperation, er nennt es Liebe. Eine Gesellschaft des Wettbewerbs und der Gewinnmaximierung ist davon nicht nur meilenweit entfernt, sondern auch nicht zukunftsfähig.

Dabei geht Dürr auch auf praktische Erfordernisse der Zukunftsgestaltung ein am Beispiel des Energieverbrauchs. Aber alles, was nicht getragen wird von der innersten Kraft, die der Einzelne in sich entdecken darf, muss und wird, kann keinen Wandel herbeiführen. „Die Liebe ist das, was für mich am besten zum Ausdruck bringt, was wir als ‚alles miteinander zusammenhängend‘ empfinden, und zwar in der sich ständig wandelnden Form eines geistig-lebendigen Kosmos und auf eine Weise, wie wir sie individuell unmittelbar durch Empathie erleben.“

Im Scorpio Verlag erschien das überaus lesenswerte Buch „Was unsere Welt im Innersten zusammenhält“, herausgegeben von dem Religionsphilosophen und Etymosophen Roland R. Ropers und dem Physiker Thomas Arzt. Sie waren auch Teilnehmer an dem im Buch publizierten Symposium mit Dürr im legendären Treffpunkt Rütte im Schwarzwald. Mit ihnen diskutierten die Lehrerin für „Integrale Yogameditation“ Helga Simon-Wagenbach, der ehemalige Topmanager Eberhard Meyer-Galow, der emeritierte Professor für Philosophie Friedrich Gaede und der analytische Psychologe Walter Schwery.

In den dokumentierten Kurzvorträgen und anschließenden Diskussionen ist auf wohltuende Weise eine große Klarheit und der Geist der Liebe spürbar, den Dürr für das hält, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, und der Respekt füreinander auch bei abweichenden Interpretationen. Kaufen und mehrmals lesen! Anstatt Talkshows anzuschauen, kann man getrost an jedem Abend mit Gewinn eins der inspirierenden Kapitel lesen.

Hans-Peter Dürr – Was unsere Welt im Innersten zusammenhält Scorpio Verlag
Laminierter Pappband, 192 Seiten, 14,95 € (D) / 15,40 € (A)
ISBN 978-3-942166-73-7, WG: 1930

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