EKD-Ratsvorsitzender will Debatte mit Muslimen – und ist beunruhigt über christliche AfD-Wähler

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hält die Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehört, für "wenig zielführend" und zu kurz gegriffen. Zudem ist Bedford-Strohm, irritiert von Christen, die die AfD wählen.
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MuslimeFoto: Omer Messinger/Getty Images
Epoch Times30. März 2018

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hält die Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehört, für „wenig zielführend“ und zu kurz gegriffen.

Der Theologe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „In Deutschland leben 4,5 Millionen Muslime. Da ist interreligiöser Dialog nicht Kür, sondern Pflicht. Wir sollten darüber reden, wie wir miteinander umgehen wollen“, so Bedford-Strohm, der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist.

Millionen Muslime würden sagen, dass Deutschland ihr Land sei. „Voraussetzung dafür ist, dass sich alle, die in Deutschland leben wollen, an die Regeln halten, die in unserer wunderbaren Verfassung, dem Grundgesetz, festgeschrieben sind.“

Bedford-Strohm mahnte, Werte wie Toleranz, Achtung und Respekt immer wieder neu zu beweisen. „Christentum ist nichts, was man vor sich hertragen kann oder worauf man sich beruft, um sich von anderen abzuheben. Christentum ist der Anspruch, dem wir uns ständig stellen müssen. Das heißt für mich Nächstenliebe, Solidarität und Achtung vor jedem Menschen. Nicht nur der eigenen Hautfarbe, der eigenen Kultur oder eigenen Religion“, so Bedford-Strohm gegenüber dem RND.

„Ob Christentum wirklich Grundlage unserer Kultur ist, entscheidet sich daran, ob wir es wirklich ernst nehmen.“

Bedford-Strohm beunruhigt über christliche AfD-Wähler

Zudem ist Bedford-Strohm, irritiert von Christen, die die AfD wählen. „Es beunruhigt mich“, sagte Bedford-Strohm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Ich halte nichts davon, sie abzuqualifizieren. Ich erwarte aber, dass nicht einfach Ängste verstärkt werden, sondern über Lösungen geredet wird“, so der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

„Das verlange ich im Übrigen auch von einer Partei wie der AfD – Konzepte, die sowohl unserem Grundgesetz und den dahinter stehenden christlichen Grundorientierungen entsprechen, als auch in der Lage sind, Probleme tatsächlich zu lösen“, betonte der Theologe gegenüber dem RND.

Er fordert von den Parteien nach der langen Regierungsbildung in Berlin nun „verlässliches Handeln“ ein. „Dazu gehört, die Armut wirkungsvoll zu bekämpfen, soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen und die Kriminalität in die Schranken zu weisen. Das Entscheidende ist, lösungsorientiert heranzugehen und nicht die Ängste verstärkend. Das erwarte ich von Politikern, dafür werden sie gewählt.“

Bei einer weiteren Zersplitterung der Parteienlandschaft würde das schwierig, glaubt Bedford-Strohm. „Und was wir nicht gebrauchen können, sind Parteien, die nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. An dieser Stelle kommt aber auch die Rolle des Staatsbürgers ins Spiel. Wir sollten uns alle fragen, ob wir die Politik aus dem Lehnstuhl kritisieren wollen oder ob wir uns nicht lieber selbst engagieren.“ (dts)



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