Lukas kleidet sich gern klassisch traditionell und hofft, seine Vorliebe zum Beruf machen zu können.Foto: Lukas Hummitzsch

Kleider machen Leute

Von 14. März 2022
Wie ein 15-jähriger Schüler aus Sachsen die klassisch-elegante Herrenmode wieder aufleben lassen will. Ein Portrait.

„Eines sollte klar sein. Ein Mann wird nicht durch Kleidung zum Gentleman und umgekehrt bleibt ein echter Gentleman immer ein Gentleman, auch ohne Kleidung. Daraus aber abzuleiten, dass unsere äußere Erscheinung nicht wichtig sei, wäre ein Fehler. Kleidung ist die Visitenkarte unserer Persönlichkeit. Also sollte sie auch einer Persönlichkeit entsprechen.“

Dieses Zitat aus dem Buch „Der Gentleman – Handbuch der klassischen Herrenmode“ von Bernhard Roetzel scheint dem jungen Lukas Hummitzsch aus dem sächsischen Lommatzsch wie auf den Leib geschneidert zu sein. Der 15-Jährige hat aus der Not eine Tugend gemacht und für sich das Beste aus der Corona-Pandemie herausgeholt: Er hat begonnen, sein eigenes Modeunternehmen aufzubauen.

Dabei geht er einen recht unkonventionellen Weg. Denn wer jetzt ein paar coole T-Shirts mit flotten Sprüchen erwartet hätte, der irrt. Lukas ist ein Freund klassischer Herren- und Damenmode und das bringt er in seiner allerersten Kollektion zum Ausdruck. Diese besteht nämlich aus Fliegen (Binder) und Krawatten.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Dabei fing alles noch vor dem Homeschooling an. „Wir hatten ein Projekt in der Schule, bei dem wir Schürzen nähen sollten“, erzählt er. „Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich mir danach alte Stoffreste meiner Oma, die Dessousschneiderin war, holte und versuchte, Krawatten zu nähen.“

Als die Schulen Corona-bedingt schließen mussten, wusste er dann sofort, wie er die neu gewonnene Zeit zu Hause sinnvoll nutzen wollte. „Ich habe mir bei YouTube entsprechende Videos angeschaut und herausgefunden, wo man sich im Internet die passenden Schnittmuster für Krawatten herunterladen kann“, so der Autodidakt.

Seine Mutter half ihm, mit der Nähmaschine richtig umzugehen. 15 Krawatten habe er nähen müssen, bis seine Stücke eine Qualität erreichten, die man tragen kann.

Auch die Stoffe besorgte er sich zuerst im Internet. Allerdings habe er mit den Stoff-Bezeichnungen nicht wirklich etwas anfangen können, sodass es immer eine Überraschung war, welches Material ihn am Ende erwartete. „Leider konnte ich die Stoffe vorher nicht berühren und wusste daher nicht, ob sie sich für Krawatten eignen würden. Da waren dann auch einige Fehlbestellungen dabei.“

Inzwischen hat er im Dresdner Umland einen passenden Stoffladen gefunden, in dem er gut beraten wird. Vorerst will er weiter mit hochwertiger Baumwolle arbeiten, denn allein davon gebe es schon rund 5.000 verschiedene Stoffe.

„Hat vielen in seinem Alter einiges voraus“

Schon an seinem Haarschnitt erkennt man, dass Lukas den klassisch eleganten Stil mag. Das unterstreicht er auch mit seiner Kleidung. In die Schule geht er oft im Anzug, das gefällt ihm. Seine Freunde stört das nicht, ganz im Gegenteil, sie finden sein Anderssein und seine Kreativität „toll“.

„Lukas hat vielen in seinem Alter einiges voraus“, erzählt Schulfreund Milan, der dem Jungunternehmer dabei hilft, Fotos von den Produkten auf Instagram hochzuladen und zu verbreiten. Seine Kreativität helfe ihm auch oft, schulische Sachen zu meistern. Milan unterstützt Lukas gern, denn „seine humorvolle Art schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre“.

Das Kreative liegt dem immer lächelnden jungen Mann durchaus im Blut. Lukas Eltern sind beide gelernte Porzellanmaler, der Vater arbeitet noch heute als solcher in der Porzellanmanufaktur in Meißen. Seine Mutter beschränkt das Malen inzwischen auf die Freizeit und widmet sich der Ölmalerei.

Gemeinsam mit seiner Mutter hat er am Küchentisch auch eine individuelle Verpackung für seine Krawatten entworfen. Nachhaltig – aus festem Papier und Holz.

„Lukas nimmt so ziemlich alle Dinge, die er sich in den Kopf setzt, sehr ernst und genau“, erzählen die Eltern. Anregungen und Hilfe suche er sich über das Internet, in der Familie, bei Bekannten, Freunden und in der Schule. Auf diese Weise habe er sich in jungen Jahren schon das Trommeln und das Gitarre-Spielen beigebracht. „Da er immer nach Perfektion strebt, fängt er zwar als Autodidakt an, weiß aber, dass er ab einem bestimmten Punkt professionelle Hilfe braucht. Und die holt er sich dann auch“, so die Mutter.

Nun hat Lukas also das Nähen und Modezeichnen für sich entdeckt. „Vielleicht lässt sich aus diesem Hobby, Fähig- und Fertigkeiten mal eine interessante Zukunft gestalten“, wünschen ihm seine Eltern.

Sorgfalt und Qualität statt Schnelligkeit

Bis heute hat der 15-Jährige etwa 40 Fliegen und Krawatten genäht, die er unter seinem Label „Lukiis“ auf seiner gleichnamigen Website zum Verkauf anbietet. „Gut aussehen und sich dabei großartig fühlen“, lautet sein Leitspruch auf der Startseite.

Sein Qualitätssiegel: „Ich setzte bei meiner Arbeit nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Sorgfalt und Qualität, welche für mich ganz oben stehen.“ Neben Lehrern, Freunden und Verwandten habe er vor allem in Bayern dankbare Abnehmer gefunden, die sein Engagement schätzen.

Lukas hätte nichts dagegen, wenn andere Jugendliche seinem Beispiel folgen würden. Ein schickes und gepflegtes Äußeres mache schließlich attraktiv.

„Wenn ich die Jugendlichen von heute manchmal so sehe, dann ist das einfach nicht mehr schön“, sagt Lukas. Auch der Umgang miteinander sei ihm wichtig. Respekt, Manieren, Etikette, das sind für ihn Begriffe, die mit einer stilvollen Kleidung einhergehen, einer Kleidung, die Lukas in seinem zukünftigen Modeunternehmen kreieren will.

Tradition bedeutet für ihn, altes Handwerk in die Moderne zu übernehmen. Damit meint er, nicht nur alte Stoffe und Stoffmuster von damals zu übernehmen, sondern das Gute und Alte anzupassen an die moderne Welt. So sieht er es auch bei der Kleidung.

Als er Ende letzten Jahres damit anfing, sich Anzüge zu kaufen und damit in die Schule zu gehen, stellte er fest, wie schnell man nach seiner Kleidung beurteilt wird: „Unsere neue Deutschlehrerin dachte anfangs, ich sei das Kind vom Professor.“

„Man sollte wissen, worauf man hinarbeitet“

Sein Traum ist es, einmal einen richtig guten, maßgeschneiderten Anzug zu kaufen, aber dafür müsse er erst mal „das nötige Geld verdienen“, sagt er und lacht. Im Moment müssten es noch die preisgünstigen von der Stange tun, auch für den Fall, dass ihm der Anzug in einem Jahr schon nicht mehr passen könnte.

Damenmode begeistert ihn übrigens auch. Die Idee, Damenkleider zu schneidern, fasziniert ihn. Elegant und zugleich alltagstauglich stellt er sie sich vor. Dabei fühlt er sich von der Mode der 50er- und 60er-Jahre inspiriert. Derzeit versucht er zumindest, Damenmode zu zeichnen, fürs Schneidern bräuchte er dann wahrscheinlich Anleitung, meint er.

Und auch die Schuhe findet Lukas wichtig. „Wenn du keine guten Schuhe zu einem guten Outfit trägst, ruiniert das alles“, meint er. Es sei jedoch völlig in Ordnung, klassisch mit modern zu mischen. Schicke Sneakers zum Anzug, das sei auf keinen Fall ein Stilbruch.

Sein Plan ist es jetzt, durch seine ersten Stücke Geld einzunehmen, um dann in bessere Stoffe investieren zu können. Sein Unternehmen soll wachsen. Und natürlich will er aus alldem später seinen Beruf machen. Seine Vision: Mit „Lukiis“ soll Mann oder Frau sich von oben bis unten einkleiden können.

Jugendlichen in seinem Alter rät er, „sich mehr um die Zukunft zu kümmern.“ Lukas denkt viel darüber nach, wie er später einmal leben möchte, ob er Familie haben möchte, was für ein Haus oder Auto. Ein oder mehrere Ziele im Leben zu haben, findet er wichtig: „Man sollte wissen, worauf man hinarbeitet“, so der vielseitig begabte junge Mann. 



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