Oscar Pistorius Verhandlungs-Fazit: Warum ein Schuldspruch nicht gleich Gefängnis bedeuten muss

Epoch Times4. September 2014 Aktualisiert: 4. September 2014 11:40

Der Oscar Pistorius-Mordprozess ist beendet und das Urteil wird am 11. September verkündet. Da Südafrika kein Geschworenengericht hat, muss die Richterin Thokozile Masipa das Urteil alleine fällen. 

Es besteht die Möglichkeit, dass Pistorius auch bei einem Schuldspruch nicht ins Gefängnis kommt.

Der Blade Runner hat den Mord an seiner Freundin Reeva Steenkamp zugegeben. Er besteht aber darauf, seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt und unabsichtlich erschossen zu haben. 

Vier mögliche Entscheidungen für die Richterin

Die Umstände führen zu vier möglichen Entscheidungen, die der Richterin zur Auswahl stehen. Zunächst muss Masipa entscheiden, ob Pistorius tatsächlich dachte, dass ein Eindringling in seinem Haus war. Wenn sie sich für diese Version entscheidet, dann wäre Pistorius der fahrlässigen Tötung schuldig.

Masipa muss entscheiden, ob Pistorius‘ Handlungen angemessen waren oder nicht. Wenn sie entscheidet, dass seine Handlungen in dieser Situation angemessen waren, dann wäre er nicht schuldig und würde freigesprochen werden. Wenn sie jedoch entscheidet, dass seine Handlungen nicht angemessen waren, dann wäre er der fahrlässiger Tötung schuldig. Dies würde eine Gefängnisstrafe bis zu 15 Jahren bedeuten.

Wenn Masipa entscheidet, dass Pistorius wegen des Einbrechers im Badezimmer gelogen hat, dann würde Pistorius des Mordes schuldig gesprochen werden. Die Richterin muss auch entscheiden ob der Mord vorsätzlich also geplant war. 

Falls Masipa entscheidet, dass Pistorius den Mord plante, dann würde er zu 25 Jahren Gefängnis, die Mindeststrafe für vorsätzlichen Mord, verurteilt werden. Wenn sie entscheidet, dass er den Mord nicht plante, dann würde Pistorius zu mindestens 15 Jahren Haft verurteilt werden. Das ist die Mindeststrafe für Mord, für eine Person ohne Vorstrafen.

"Gute Chancen" das Pistorius frei kommt

William Booth, ein Strafverteidiger aus Kapstadt, sagte, falls Masipa Pistorius Geschichte vom Einbrecher im Haus glauben schenkt, dann ist dies fahrlässige Tötung und das Strafmaß liegt im Ermessen der Richterin. Booth sagte, in diesem Fall gäbe es "gute Chancen, dass er nicht eingesperrt werden würde."

Stephen Tuson, Strafrechts-Professor an der University of Witwatersrand in Johannesburg, ergänzte, dass Pistorius‘ Verteidigung bereits einen Grundstein für eine Berufung legte und einen Abbruch des Gerichtsverfahren wegen Rechtsfehler anstreben könnte.

"Anwalt Barry Roux könnte das Urteil wegen verschiedenem Sachverhalt anfechten. Er könnte argumentieren, dass die Live-Übertragung des Prozesses eine Störung darstellte und Pistorius dadurch keinen fairen Prozess hatte", sagte Tuson. 

Roux hatte diese Taktik während der Verhandlung bereits angedeutet. 

"Wir konnten mehrere Zeugen nicht aufrufen. Diese Zeugen wollten nämlich nicht, dass die ganze Welt ihre Stimmen hört. Aus diesem Grund verweigerten sie die Aussage", sagte Roux. 

Der in Johannesburg ansässige Anwalt Ulrich Roux sagte jedoch, dass die Zeugen tatsächlich mehr Schutz wegen der Live-Übertragung der Verhandlung hatten. "Wir haben jede Menge hochkarätige Fälle über die in Zeitungen berichtet werden. Das ist genau das gleiche wie es live im Fernsehen zu übertragen", sagte er. 

Roux könnte auch sagen, dass die Live-Übertragung des Prozesses einige der Zeugen dazu veranlasste, ihre Geschichten wieder zu ändern nachdem sie den Prozess im Fernsehen gesehen hatten.  

"Ich sage nicht, dass dies jemand getan hat aber die Zeugen hätten ihre Aussagen anpassen können," saget Tuson und fügte hinzu, dass "wenn das Gericht findet, dass Pistorius keinen fairen Prozess hatte, dann würde die gesamte Verhandlung von vorne beginnen." (so)

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