Sir Roger Scruton: Einer der bedeutendsten konservativen Denker der Gegenwart ist gestorben

Von 14. Januar 2020 Aktualisiert: 14. Januar 2020 19:09
Im Alter von 75 Jahren starb am Sonntag Sir Roger Scruton. Der Autor und Philosoph galt als einer der bedeutendsten konservativen Denker der Gegenwart. Zu seinen begeisterten Lesern gehörte unter anderem Historiker Timothy Garton Ash.

Am Sonntag (12.1.) starb mit dem 1944 in Buslingthorpe, Lincolnshire mit Sir Roger Scruton einer der bedeutendsten Köpfe des europäischen Konservatismus. Sechs Monate zuvor hatten Ärzte bei dem Gelehrten für Philosophie und Ästhetik ein Krebsleiden diagnostiziert.

Eines seiner letzten Werke, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, war die 2014 im Original erschienene und seit Oktober 2019 in Übersetzung im Handel befindliche Schrift „Von der Idee, konservativ zu sein: Eine Anleitung für Gegenwart und Zukunft“. Seine Bibliografie umfasst jedoch ein breites Spektrum an Werken über Politik, Kunst, Musik, die Philosophie Immanuel Kants oder auch Themen wie Wein oder die Fuchsjagd. Scruton hat auch Belletristik verfasst sowie eine Oper und mehrere Musikstücke geschrieben. Er hinterlässt seine Frau Sophie, die als Historikerin bekannt ist, und zwei Kinder.

Durch Ekel vor den 68ern politisch erwacht

Sein politisches Erwachen erlebte Scruton eigenen Angaben zufolge 1968 in Paris, als er sich vom Gebaren und den Ideen der Studentenrevolte abgestoßen fühlte. Im „New Criterion“ schrieb er darüber:

Ich habe sie gefragt, wenn sie denn an die Stelle der von ihnen so verachteten ‚Bourgeoisie‘ setzen wollten, der sie jene Freiheit und jenen Wohlstand verdanken, die es ihnen ermöglichen, auf ihren Spielzeugbarrikaden zu turnen? Und seid ihr bereit, für eure Überzeugungen zu sterben, oder nur andere einem Risiko auszusetzen, nur um sie zum Ausdruck bringen zu können? Ich war in unerträglicher Weise arrogant – aber zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gefühlt, wie politische Wut in mir hochkochte und ich mich auf der anderen Seite der Barrikade wiederfand als jener, auf der all jene waren, die ich kannte.“

Scruton war auch in Osteuropa an der Bildung antikommunistischer Untergrund-Lehranstalten beteiligt, in denen Regimegegner zusammenkommen konnten, um nichtmarxistische Philosophie, Geschichte und Literatur kennenzulernen. Dabei wurden hauptsächlich Bücher verwendet, die in den sozialistischen Staaten verboten waren. Scruton wurde deshalb auch von der tschechoslowakischen Geheimpolizei festgenommen und mit einem Verbot der Wiedereinreise belegt.

Rufmordkampagnen der Linken

Nach der Wende wurde Scruton unter anderem in Tschechien und in Polen mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Wiederholt erhob er sein Wort gegen Versuche, die Verbrechen des Kommunismus zu verharmlosen und kommunistische Ideen wieder zu popularisieren.

Mehrfach unternahmen die Linke gegen den Philosophen, der seit der Zeit Margaret Thatchers mehreren konservativen Regierungen als Berater diente, Rufmordkampagnen. So postete ein Journalist im April 2019 aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen Scruton aus einem Interview mit dem „New Statesman“ vorab per Twitter und versuchte diesen einen antisemitischen und islamfeindlichen Twist zu verleihen. Die britische Regierung entließ ihn daraufhin aus seiner Beraterfunktion für Fragen der Baukultur.

Im Juli 2019 entschuldigte sich der New Statesman öffentlich für die verzerrte und falsche Wiedergabe seiner Aussagen und er erhielt seinen Posten zurück. Die Londoner FAZ-Korrespondentin Gina Thomas sprach daraufhin von „Gedankenpolizisten, die den zivilisierten Diskurs unterbinden, weil sie abweichende Meinungen nicht tolerieren können“.

„Einen Platz in der Welt zu erlangen“

Das Spektrum der Kondolenten angesichts des Todes Sir Roger Scrutons reichte vom bekannten Historiker Timothy Garton Ash über den Tory-Abgeordneten Daniel Hannan bis hin zu Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, die seine Rolle als wegweisender konservativer Denker würdigten.

Im „National Review“ schrieb Michael Brandon Dougherty über das Wesen des Konservatismus, wie der an Edmund Burke orientierte Paläökonservative Sir Roger Scruton ihn verkörperte:

„Vor allem von ihm gewann ich meine eigene Vorstellung von Konservatismus als dem Versuch, einen Platz in der Welt zu erhalten und wiederzuerlangen – einen Ort des Trostes, ein geheiligtes Irgendwo, das uns mit den Toten, den Ungeborenen und unseren Nachbarn durch Liebe, Erinnerung und Aufopferung verbindet. Ein Platz, der uns gehört und in uns eine Sehnsucht nach einem wahren Zuhause weckt, das nicht zerstört werden kann durch Stürme, Krieg, Vernachlässigung oder die Anmaßungen spekulativer Stadtentwickler, die unsere Häuser durch Parkplätze und Panera Bread [eine Bäckereikette] ersetzen wollen. Wir stecken unsere Bemühungen, Freiheit, Anstand und Kultur zu bewahren, dort hinein, damit unsere Kinder dieses Irgendwo als den Platz erhalten, den auch mein Vater für mich vorbereitet hat.“

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