Was ist der Sinn des Lebens? Der Impuls von Freiheit – Lösungen kommen nicht aus dem Materiellen

Von 10. April 2021 Aktualisiert: 11. April 2021 9:32
Der Geist der Wahrheit und der Geist der Freiheit sollten eigentlich die Stützen der Gesellschaft sein. Das postuliert Sonja Becker, international bekannt und gefragt als Coach für Führungskräfte.

Der Text ist eine wortgetreue Abschrift des Video-Interviews im Studio der Epoch Times in Berlin.

Epoch Times: Wir haben heute zu Gast eine besondere Frau, Sonja Becker aus dem bayerischen Raum, die zwar ein Buch jetzt herausgebracht hat, das zum Anlass für dieses Gespräch wurde, aber noch viel mehr aus ihrem Leben zu erzählen hat, aus der Arbeit, die sie macht. Und wir hoffen, dass wir da ein bisschen von hören können und alle zusammen etwas lernen können.

Denn „Learning“ heißt das Buch und das Lernen, das nicht endende Lernen im Leben, das ist Ihr Thema. Und dabei begleitet sie Menschen. Liebe Sonja Becker, herzlich willkommen in Berlin und erzählen Sie bitte ein bisschen von sich.

Sonja Becker: Ja, danke für die Einladung und danke, dass ich heute hier sein darf. Mein Weg ging so los. Ich habe das Fachabitur für Sozialpädagogik gemacht und war schwanger mit dem ersten Kind. Ich wollte eigentlich Grundschullehrerin werden und das ging leider nicht. Von dem Moment an ging bei mir im Leben die Suche los. Wie kann ich mich als Frau neben der Familie weiterbilden? Wie kann ich lernen? Das hat mich auf schicksalhafte Wege gebracht. Ich habe ein Fernstudium gemacht zur Gesundheitspädagogin.

Meine Mutter. Ich weiß noch, wie die gesagt hat: ‚Sonja, du bist zu intelligent und jetzt ist dein Leben vorbei‘, weil ich schwanger war. Aber ich wusste, dass das nicht so ist. Ich wusste noch nicht wie, aber ich bin eigentlich immer meiner Neugierde gefolgt. Und diese Neugierde hat mich dann auch auf interessante Wege gebracht. Also das Thema Lernen und das Thema frei sein und mit Menschen arbeiten und mit Menschen zusammen was Tolles machen. Das war immer mein Thema.

ET: Und womit haben sie da angefangen? Was gab dann den Anfangsimpuls. Kam er durch das Kind, das sie hatten, oder was passierte da in ihrem Leben?

Becker: Also der Anfang war eigentlich der, mit dem Kind war dann klar, dass ich nicht den normalen Bildungsweg gehen kann und nicht studieren kann. Und von dem Moment an hab ich dann eben immer Seminare gemacht und selber viel gelernt. Und der Impuls zum Thema Freiheit, der kam, da war ich 22, hatte schon zwei Kinder und hab mich dann von meinem ersten Mann getrennt, von dem ich fünf Kinder habe, weil dieser Impuls nach Freiheit so groß war.

Und dann hab ich jemanden getroffen, der zu mir gesagt hat, Sonja, du könntest doch Kurse geben an der Volkshochschule. Und das war der Moment, wo ich mit dem Thema Erwachsenenbildung in Verbindung kam.

ET: Das heißt, es ging gleich für sie ins Lehren, statt noch länger zu lernen.

Becker: Ja, das mache ich sowieso. Ich lerne ständig und lese und bin Autodidakt, aber ich habe dann einen Kurs gegeben. Und das war total witzig und einfach. Also es waren Kurse zum Thema Fuß-Reflexzonen Massage, weil ich das konnte, weil mich das interessiert hat. Und was interessant war, dass in den Gruppen Heilungen passiert sind und die Paare hatten mehr Spaß, die hatten wieder mehr Verbindungen.

Und ich weiß noch, da gab es einen Moment, wo eine Teilnehmerin gesagt hat: „Frau Becker, wie alt sind Sie eigentlich?“ Und da habe ich gesagt 22. Und dann hat die gesagt: Pscht, nicht, dass das noch einer hört. Also so! Ja, genau. Also das war aber der Schlüsselmoment, wo ich mit dem Thema Erwachsenenbildung in Verbindung kam, und das hat mich seitdem nicht losgelassen.

ET: Also erst wollten Sie eigentlich Lehrerin für Kinder werden und landeten schicksalsmäßig in der Erwachsenenbildung und haben da Freude dran gefunden. Wie ging es weiter?

Becker: Und dann aber auch diese Impulse von Freiheit. Und ich habe gemerkt, dass das so Reingehen in dieses vorprogrammierte Hamsterrad gute Mutter, Ehefrau, Partnerin, dass das nicht passt. Das habe ich sehr schnell gemerkt. Und das waren dann wiederum die Impulse, die mich aus diesem Familiensystem rausgebracht haben und wo ich dann auch gemerkt habe, ich möchte selber mein Leben gestalten.

Ich möchte eigenes Geld haben, ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Das war natürlich nicht einfach. Das fand natürlich die ganze Umgebung erst einmal blöd. Keine gute Schwiegertochter und so weiter. Aber der Impuls zum Thema Lernen und Freiheit war so groß, da konnte mich keiner aufhalten.

ET: Nun kommen ja immer dann die Fragen: Was wurde aus den Kindern?

Becker: Ja, die hab ich mitgenommen. Meine beiden Großen. Mit denen hab ich eine sehr starke Verbindung. Die sind auch heute immer noch in meinem Leben, alle eigentlich, aber die ganz besonders. Und habe die immer dabeigehabt, egal was ich gemacht habe.

ET: Und die haben dabei auch immer was gelernt, was denn?

Becker: Also wenn ich jetzt zurück gucke, mein großer Sohn, der ist 38 und die Tochter, die ist 37, die sind beide also ganz tolle Eltern, aber haben auch starke Freiheitsimpulse. Und wenn ich sage, ich habe das Familiensystem so in eine Freiheit reingerissen, anstatt ins Hamsterrad wie alle das machen in der normalen Gesellschaft, ist das eine Generation, die haben jetzt alles geschafft. Also die sind frei und die haben auch eine starke Familie. Also die haben es geschafft in Gestalt der Familie. Ja, ich habe die Familie erst einmal auseinander genommen, um in die Freiheit zu gehen. Und ja, die sind einfach schon eine Generation weiter.

ET: Ja und Enkelkinder haben sie auch schon?

Becker: Wie viele? Genau 10.

ET: Gratuliere! Und alle inspiriert oder infiziert mit dem Freiheitsgedanken?

Becker: Ja, ich hab halt bei mir geforscht und gesehen, dass diese Neugierde und gerne lernen und der Weg in die Freiheit, dass das auch nicht so einfach ist. Das wird ja in der Gesellschaft nicht so gefördert. In der Gesellschaft ist es so, dass eigentlich jede Generation … Wir kommen in eine Kultur oder in eine Gesellschaft rein, wo die Systeme alles vorbestimmen. Jede Generation hat bestimmte Berufe. Also meine Urgroßmutter oder meine Großeltern, die waren im Krieg, die waren alle Soldaten. Davor gab’s Farming Age. Also in jeder Epoche sind bestimmte Berufe und bestimmte Wege festgelegt, was kommt, wo man reinpasst durch die Kultur und durch den Zeitgeist.

Und Freiheit hat damit nichts zu tun. Und ich glaube, dass es in der Evolution immer Menschen gab, die frei waren und die diesen Freiheitsimpulsen gefolgt sind. Und Freiheit ist etwas, was wir leben können. Aber der Weg ist auch hart. Also wir werden nicht frei geboren. Im Gegenteil.

ET: Nun ist ja in den, sagen wir Formen, in die man hineingeboren wird. Manche passen rein. Es entspricht ihnen, und die anderen leiden oder verkrüppeln sich oder passen sich an oder schlafen ein. Was tun? Oder zweite Frage noch: Wie würden Sie die heutige Richtung bestimmen, in die unsere Enkelkinder gehen müssen? Oder sieht es so aus, als würde die Mehrheit da rein gezwängt werden?

Becker: Ich glaube, dass dieser Druck, diese Erwartung, dass Menschen immer meinen und wüssten, was für einen gut ist. Egal ob es die Eltern sind oder die Lehrer oder egal, wer um einen herum ist. Dass das grundsätzlich nicht funktioniert, sondern was wir brauchen, ist eine Kultur von Respekt, Kooperation und vor allen Dingen Neugierde. Das wir gegenseitig neugierig sind. Wer ist denn der andere überhaupt?

Und das hab ich dann auch gesehen mit mir. Ich wurde neugierig auf mich, wer ich wirklich bin und habe dann auch gesehen, meine Kinder oder bei den Enkelkindern oder bei allen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, dass jeder wirklich etwas Geniales und etwas ganz Eigenes mitbringt und das zu fördern, das ist viel wichtiger, als irgendwo reinzupassen. Das heißt, derjenige, der mit Musik im Herzen oder als Musiker geboren wird, wenn der Musik macht, dann kommt was viel Schöneres dabei raus, als wenn ich Klavier spielen soll und muss, weil ja meine Eltern meinen, dass ist ein gutes Hobby oder eine gute Kunst.

ET: Nun werden unsere Enkelkinder jetzt reingeboren in eine digitalisierte Gesellschaft oder sich zunehmend digitalisierende Gesellschaft, die für manche zu eng ist. Wo manche gar nicht reinpassen. Und die für andere wieder einen großen Spielraum bietet. Was soll nun eine Schule, z. B. was sollen Lehrpläne, was soll da geschehen? Dass man allem gerecht werden kann, also individueller unterrichten kann die nächste Generation?

Becker: Ja, die Digitalisierung und die Technik. Dass jetzt die Technik unglaublich sich entwickelt hat, das liegt daran: Also ich sag das immer so an meinem Coaching Tag bis vor dem C-Board hab ich gesagt, eine Milliarde Menschen fliegt regelmäßig. Das war so von 7,8 Milliarden Menschen. Ich gehörte auch dazu. Und jetzt ist das gar nicht mehr. Ja, aber die Technik hat sich unglaublich entwickelt. Also wenn unsere Großeltern noch mit Pferd und mit Pflug auf dem Pferd waren und wir hätten denen gesagt, bald fliegen wir mit einem dicken Stück Metall durch die Luft, hätten die gesagt: Lass mich in Ruhe. Ich weiß, was ich habe.

Und wenn man da die letzten 200 Jahre rein guckt. Es ist unglaublich, wie sich die Technik und der Wohlstand gleichzeitig damit entwickelt haben. Im Moment haben wir drei Milliarden Menschen, die zocken. Und ich habe es tatsächlich auch mitgekriegt mit meinen Enkelkindern. Die sind an der Waldorfschule. Auch die müssen jetzt Homeschooling machen und haben plötzlich alle Computer und vorher war er nicht da. Und das ist ein bestimmter Zwang. Aber dieser Zwang, glaube ich, der ist in jeder, in jeder Generation. Die einen müssen in den Krieg und können nichts dagegen machen, außer sie wandern aus und gehen nach Ascona und werden Künstler oder so.

Und das ist einfach der Druck, der immer wieder da ist in der Gesellschaft, dass von außen, wer welche Mode auch immer uns irgendwo reinzwingt. Anstatt zu gucken, bin ich technisch begabt und ich liebe es. Und ich habe da ein Talent und entwickle Autos oder Filme oder was auch immer. Oder ich bin von klein auf total mit der Natur verbunden und möchte Gärten schön machen und da reinzugucken, wer man wirklich ist und dann das Geniale zu entwickeln, das ist das, was mich interessiert.

ET: Das interessiert Sie …

Becker: Weil je mehr man damit übereinstimmt, je glücklicher ist man im Leben. Wenn ich dann Musik mache und ich liebe Musik, dann kommt da ja nur was Schönes bei raus.

ET: Sie arbeiten ja nun im Augenblick vorwiegend mit Erwachsenen, also schon lange mit Erwachsenen. Wie sieht das denn da aus? Die sind ja schon festgefahren. Oft, wenn Sie in so einen Kurs zu Ihnen kommen, suchen Sie Hilfe oder Anregung. Ich will es gar nicht auf so ein Hilfs-Niveau bringen, sondern das ist ja eigentlich, wenn ich Sie richtig verstehe, ein anregendes Moment, was Sie da setzen. Woher wissen Sie denn da, wer was braucht?

Becker: Ich sage das immer so: Also wir leben ja jetzt in einer Globalisierung, wo die Welt kleiner geworden ist, nicht nur durch die Flugzeuge, natürlich auch durch die Technik jetzt – Digitalisierung. Wir sind so miteinander verbunden. Und ich sage das so: Wenn jetzt die Flüchtlinge aus anderen Ländern kommen, aus Kriegsgebieten. Und die sehen uns, wie wir angezogen sind, wie wir leben, was wir essen, was wir alles haben. Dann denken die, Ihr seid doch glücklich wie die Könige. Aber wieso sind die Menschen nicht glücklich?

Das liegt daran, dass wir bisher uns immer nur damit identifiziert haben – ich habe hier dieses Chart, vielleicht gehe ich da mal drauf ein. Genau. Und zwar wurden wir so erzogen oder programmiert: Du bist dein Körper. Du hast eine Gestalt. Ja, wir sind Materie. Ego, Psyche, Verstand, Mind, Emotionen und Unterbewusstsein. Und da kennen wir uns aus. Und da ist das Hauptprogramm in der Gesellschaft und vor allen Dingen in der westlichen Welt. Und die westliche Welt, die hat so eine Dekadenz. Wir haben so ein großes Ego. Wir haben alles. Aber der Mensch ist eben viel, viel mehr. Wir haben auch eine Seele. Ja, wir haben ein Bewusstsein. Wir haben Gefühle.

Wir haben die humane Seite und die Seele, die wächst. Die entwickelt sich durch Freud und Leid, durch Erfahrung, durch Handeln im Leben. Und die Seele, die entwickelt sich nicht, indem wir noch mehr Theorien oder indem wir an dem Bereich arbeiten, sondern das ist komplett. Es braucht ein ganz, ganz anderes Lernen. Und dann haben wir eben auch noch den Bereich.

Wir sind ein ganzer Mensch, wir haben einen Geist. Und auch da werden wir nicht darauf vorbereitet. Und das ist jetzt, das hab ich jetzt hingeschrieben: Transformation. Radikaler Wandel 20. bis 21. Jahrhundert. Und in diesem Wandel stehen wir jetzt. Das heißt, die westliche Welt, die hat alles und ist nicht zufrieden, weil die Seele und das Geistige anklopft, und die Lösungen können nicht mehr aus dem Materiellen, aus dem Egoistischen oder auch aus dem Technischen kommen. Das sind alles Tools, das macht das Leben schöner und leichter.

Aber das wird nie uns seelisch oder geistig weiterbringen. Auf gar keinen Fall. Und das ist das. Das ist eigentlich schade, dass die die Menschen sich immer so sehr auf das Materielle gestützt haben oder auf die biologische Entwicklung. Aber eigentlich müssen wir uns vielmehr um das Seelische und um das Geistige kümmern, wenn da mal was Freies, Gesundes oder Gutes kommen soll.

ET: Wenn wir überleben wollen?

Becker: Ja, und ich denke, dass gerade der Westen da eine große Aufgabe hat, weil wir alles haben, da wirklich mal intelligent einzugreifen. Ich bin ja international unterwegs und seit 17 Jahren auch in Südafrika. Und eigentlich ist es unsere Aufgabe, da einzugreifen, dass da keine Atomkraftwerke gebaut werden. Und wir haben alle möglichen tollen Technologien zum Thema Wasser und Sonne und was weiß ich nicht alles, wo bestimmte Kulturen nicht die gleichen Fehler machen müssen, die wir gemacht haben.

Aber das braucht das Humane. Es braucht die Verantwortung. Da braucht es vor allen Dingen das Geistige viel mehr im Leben von Menschen. Meiner Meinung nach auch wirklich die Verbindung zwischen männlicher und weiblicher Intelligenz und vor allen Dingen auch von allen Kulturen. Das ist es eigentlich.

ET: Keine kleine Aufgabe. Aber Sie stellen sich dem. Machen Sie jetzt lieber Einzelcoaching oder Kurse mit vielen Teilnehmern?

Becker: Also ich habe nie viele Teilnehmer. Das sind immer kleine Gruppen. Acht oder zehn oder zwölf. Ja, genau. Also so, dass wirklich die Verbindung da ist mit jedem. Und das ist wie – Ja, es braucht 20 Jahre, bis ein Kind groß ist. Und menschliche Entwicklung geht auch nicht von heute auf morgen.

ET: Nein, wir gehen nicht nach drei Tagen oder einer Woche Kurs als neuer Mensch nach Hause. Mit welchen Wünschen kommen denn die Menschen zu Ihnen?

Becker: Ja, das ist das letztendlich, so wie ich es gesagt habe, dass die Seele und der Geist anklopft und dass die Menschen spüren. Ich möchte nicht irgendeine Beziehung. Ich möchte nicht irgendeinen Beruf. Da ist mehr, und das rauszufinden, was wirklich zu einem passt. Das ist es eigentlich.

EZ: Wodurch wird das verhindert, dass sie das wahrnehmen?

Becker: Dass wir, so wie ich es am Anfang gesagt habe, dass jede Generation in einen Zeitgeist hineingeboren wird, der Dinge vorgibt und wo wir denken, so ist das Leben und so muss ich das Leben leben und das braucht Mut, das Leben anzuhalten, zu reflektieren und zu gucken: Was will ich eigentlich? Nicht, was wollen die anderen, was will die Gesellschaft? Sondern: Was ist das? Was? Wofür? Was ist überhaupt der Sinn im Leben? Wo komme ich her und wo gehe ich hin? Das braucht Mut.

ET: Nun wird ja vieles auch über das Geld reguliert, nicht wahr? Wo man Berufe, die ja auch viel Anstrengung brauchen, im Lernen erst mal natürlich auch. Oder wir finden das natürlich, dass die besser bezahlt werden als andere. Und Menschen werden verführt, in Gebiete zu gehen, wo sie eigentlich gar nicht hingehören, weil sie denken, da kann ich mir was leisten oder ich kann eine Familie wirklich auch ernähren. Wie sehen Sie das?

Becker: Also im Ego, da gibt’s ja noch ein anderes Chart. Da sind eigentlich in der westlichen Welt alle Systeme entstanden, wo wir jetzt sagen: Ja, ist doch toll, dass wir ein Gesundheitssystem haben. Ist ja toll, dass wir unser Finanzsystem haben und ein Bildungssystem und so weiter und so fort. Das sind Fortschritte, aber das basiert immer auf Angst und Kontrolle, Gier, Manipulation und so weiter und so fort. Und das kann Menschen einfach nicht glücklich machen. Das geht gar nicht.

ET: Ja, also ich komme zu Ihnen und sage: Irgendwie passt das alles nicht in meinem Leben, was ich mache. Es geht mir gut. Ich verdiene normales Geld, aber. Ich kann es auch alles. Es interessiert mich nicht, was ich mache in meinem Beruf. Also theoretisch.

Becker: Ja, genau. Also Menschen haben vielleicht bestimmte Wünsche oder bestimmte Ideen, was anders kommen müsste, aber man muss tiefer reingucken.

ET: Aber Sie sind doch nun nicht Mütterchen Allwissend?

Becker: Nein, natürlich nicht. Aber derjenige, der Mensch weiß eigentlich selber ganz genau, was er will. Ja. Das heißt jemand weiß, ich bin zu viel allein. Ich hätte eigentlich am liebsten eine Beziehung. Es ist gar nicht das Berufliche. Und da reinzugucken, was man wirklich will im Leben, sich das zu erlauben und die, das haben wir in der westlichen Welt, weil die Grundbedürfnisse gedeckt sind, können wir uns heute solche Fragen stellen. Wir haben, wir haben den Luxus oder die Dekadenz.

ET: … oder die Aufgabe

Becker: …oder die Aufgabe. Ja, genau das.

ET: Ja, das mit hervorzulocken und leben zu lassen, es geht nicht nur ums Überleben. Die Schwierigkeit ist ja oft, dass man dann doch die Überlebensfragen wieder an andere delegiert, die da auch geknechtet sind. Aber das führt vielleicht ein bisschen zu weit.

Was würden Sie denn nun vorschlagen für Kinder? Wie geht man da ran? Spielt das von Anfang an eine Rolle? Gibt’s da einen Zeitpunkt, wo man sehr wach sein muss? Kann man eigentlich erst mal dem natürlichen Lauf folgen, was das Kind da so sich ausdenkt?

Becker: Also so wie in der Natur klar ist: Aus einer Eichel wird ein Eichenbaum, aus einer Tulpenzwiebeln wird eine Tulpe. Und das ist ganz interessant. Wir haben die ganze Welt erforscht. Wir kennen alle Pflanzen, alle Tiere. Wir können im GPS die Meerestiefe und die Steinschichten [finden]. Also wir wissen eigentlich alles, aber wir sind immer noch am Anfang, wenn es um menschliche Intelligenz geht. Wir wissen immer noch nicht, wer der Mensch ist, und das ist jetzt dran.

ET: Das ist jetzt dran. Und Sie wissen es?

Becker: Nein. Ich weiß es auch nicht. Ich bin nur neugierig. Und ich hab gesehen. Ich hab dann bei mir geforscht und bei den Kindern, aber auch bei den Enkelkindern. Es ist tatsächlich so, dass von klein auf in jedem Menschen eine Intelligenz da ist, die einmalig ist. So wie in der Natur, wo wir es ja sehen. Tulpe, Eiche und so weiter und so fort. Und im Menschen ist das auch so.

Und anstatt alle gleich zu erziehen und die Menschen in Systeme reinzupressen, ob jetzt Soldat, Digitalisierung, Ingenieure, Beamte, Anwälte, was auch immer der Zeitgeist dann immer mit den Menschen haben und machen will, um die auszubeuten, sondern mehr eine Neugierde ‚Wie wollen sich denn die Menschen in Wirklichkeit entwickeln‘?

ET: Und der Mensch an sich ist altruistisch, kooperativ, liebevoll, helfend?

Becker: Ja. Und dann kommen wir in die Schule und werden dann durch Notendruck und was weiß ich nicht alles gleich zu Egoisten oder in Konkurrenz reingedrückt. Ja, natürlich, ganz genau. Das ist eigentlich gegen die Natur, ist eigentlich gegen die Natur.

ET: Die Natur ist kooperativ?

Becker: Ja, ja, ja.

ET: Stoßen Sie da überall auf Verständnis?

Becker: Nein, natürlich nicht. Das ist ein Ansatz, der unbequem ist. Also ich bin unbequem. Genau. Ja.

ET: Ihre Kursteilnehmer finden das sicher nicht, oder?

Becker: Nein. Nein, die sind alle schon an einem Punkt, dass sie neugierig sind. Und ja, wirklich mehr Sinn im Leben oder mehr Liebe oder mehr Beitrag oder Glücklichsein und Zufriedensein suchen. Jetzt nicht mehr im Materiellen, sondern wirklich im Ganzen, seelisch, geistig, mit Menschen etwas zu machen, was mich erfüllt.

ET: Erzählen Sie dann auch was von ihren Kursen? Wie läuft so was ab? Was für…? Das Wort Techniken ist mir da…, passt mir da nicht so ganz rein. Methoden. Womit arbeiten Sie?

Becker: Also ich mache Interviews und man kann es tatsächlich den Menschen ansehen. Man sieht das. Also die Menschen werden gefilmt. Vorher. Nachher. Und man kann sehen, wenn jemand aus tieferen Schichten oder mehr mit authentischem Beitrag redet oder ob jemand einfach konzeptionell etwas sagt, was er schon immer gesagt hat oder was er irgendwo gelernt hat, was aber nichts mit demjenigen zu tun hat. Also das kriegt man mit und das kann die Gruppe auch sehen. Ja, das ist total interessant.

ET: Das heißt also, die Interviews werden geführt im Beisein der anderen. Ja und wozu? Da gibt’s ja dann zwei. Also einer, der interviewt wird, und die Gruppe, die dürfen dem dann antworten?

Becker: Die Gruppe ist mehr der Raum und dafür da, um neugierig zu sein. Und jetzt mal kein Urteil, keine Meinung zu sagen. Ja, aber wenn du meinst, du malst gerne, das ist brotlose Kunst, lass das. Ja, normalerweise ist die Gesellschaft so, dass immer die Antwort da ist, aber keine zu haben und wirklich so rezeptiv oder so neugierig zu sein, dass derjenige oder dass ein Mensch sich zeigen kann.

Ich hab das bei einem meiner Enkelkinder gesehen, der ist jetzt vor einem Jahr in die Schule gekommen und die hatten dann so einen Test. Er sollte auf die Bühne und er ist eigentlich total kommunikativ und lustig und Schauspieler sowieso immer gerne. Und in dem Moment, wo er das machen soll, der hat gar nichts gemacht. Das nächste war, er sollte ein Haus malen. Dann hat er ein Haus ohne Dach gemalt. Es hat auch nicht funktioniert. Dann hat er, ich glaube den Bergdoktor rezitiert, und irgendetwas. Und dann wussten die Lehrer ‚Oh Gott, wie spät ist er dann wach und auf‘. Also auf ganzer Ebene hat er versagt in der Sichtweise dieser Test-Situation.

Meine Tochter kommt nach Hause und weint und denkt, ach der Moritz, das ist ja alles so schrecklich. Da hab ich gesagt. Amelie, der ist so gesund. Und gerade bei dem Moritz, als der drei Jahre alt war, saß ich mit den größeren Geschwistern von ihm im Bus und meine Tochter ist gefahren. Wir sind nach Ikea gefahren und dann hab ich zu den Großen gesagt: ‚Jetzt seid doch mal leise, ich will den Moritz hören, wie der redet‘ – und wie der gesprochen hat.

Da hätte jeder Mensch, der etwas sensibel und neugierig gewesen wäre, gemerkt, er hat ein Kommunikations-Talent. So wie er gesprochen hat, hat kein anderes Enkelkind gesprochen. Er ist ein totaler Schauspieler und Kommunikator. Ausgerechnet das hat er jetzt nicht gemacht. Und das ist eben das. Da sind immer Erwartungen und Vorurteile und man soll irgendwo rein gepresst werden, anstatt dass andere mal still sind und dass man beobachtet, was ist das für eine Pflanze? Was ist das für ein Mensch? Ja, und das ist leider nicht da.

Das erleben wir ja, egal in welchem Bereich. Also gerade jetzt, wo wir alle bestimmte Sachen machen sollen, um gesund zu sein. Das ist alles übergriffig. Es ist alles eigentlich nicht human. Bevormundet zu werden und dass andere wissen, was für meine Gesundheit gut ist oder was für meinen Beruf gut ist oder für meine Beziehung. Und dann kommt es eben immer darauf an, in welcher Kultur, in welcher Gesellschaft. Und wir rutschen da rein. Und plötzlich leben wir ein Leben von wem auch immer, aber nicht unser Leben.

Naja, aber so kommt das und das erlebe ich immer wieder auch in den Seminaren, dass jemand kommt, und die zum Beispiel hat gesagt, ich hab Musik studiert und ich wollte auf die Bühne und dann sagt der Professor: ‚Wenn man schon nicht singen kann, sollte man schauspielern können und sie können beides nicht“. Das heißt, viele, viele Menschen haben einen Genickbruch irgendwann in ihrem Leben erlebt und oft auch an der Stelle, wo wir genial sind.

ET: Und sie können die Menschen da rauslocken und lockern, stärken? Das heißt, es baut sich über über Wochen, Monate oder eventuell auch Jahre auf?

Becker: Ja, ich mache eigentlich nur die Gruppe, oder derjenige fühlt und spürt das selber. Der Wunsch, Bücher zu schreiben, der Wunsch zu malen, aber dann nur so hobbymäßig, so nebenbei. Und dann ja, jetzt mach das doch mal mehr. Und dann guckt doch mal, was passiert. Das heißt, dass man Projekte macht, dass man anfängt auf die Spur, auf den Weg zu gehen, was zu einem passt.

Und dann sieht man das ja, ob dann da ein tolles Buch oder was dann dabei rauskommt. Ja, man kriegt das ja mit, wie man sich fühlt und ob das dann mit der eigenen Intelligenz übereinstimmt oder ob es gegen die Natur ist. Und wenn es dann leicht geht, was für einen selber vielleicht total leicht ist, wo andere denken, wie kann man so malen oder so singen? Genau da, an der Stelle oft ist eine Genialität.

ET: Was ist das, eine Genialität? Ein großes Wort.

Becker: Ja, ja, ja, das ist es eben leider, dass uns das genommen wurde. Das wird oder wurde so erzogen. Mit dir stimmt was nicht. Du bist klein. Du bist schuld. Sitz. Schön bist du auch nicht. Egal was. Ja und es ist das Gegenteil. Genau wie diese Erde, Planet, das Universum und die Natur und die Tiere und alles wunderschön ist. Genauso ist es mit Menschen auch.

ET: Und eigentlich ist in Frieden leben mit sich selbst? Auch nicht diese Selbstentwertung. Ja, ich sehe gerade wieder. Auch im Beruf des Journalisten gibt es viele, die denken, sie müssten scheitern oder könnten es nicht, weil sie sich dauernd selbst entwerten, ja schon beim Schreiben denken, du kannst das sowieso nicht. Ja, das ist eine Mühsal sondergleichen.

Becker: Ja, so werden wir leider von klein auf erzogen, dass Angst reinkommt in uns und Zweifel und Schuld und Schulden und was weiß ich nicht alles. Und wenn man das weiterhin mit Menschen macht, egal in welcher Verkleidung und in welchem Zeitgeist, dann kann man diese Menschen viel leichter manipulieren und sich wieder eine neue Steuer ausdenken. Und jetzt müssen wir alle das und das machen.

ET: Es sieht so nach absichtlicher Steuerung aus. Viele Menschen, die da in verantwortlichen Positionen sind, bis hin zu dem Lehrer, ahnen gar nicht, wem sie dienen damit. Oder, sehe ich das falsch? Es ist auch für viele, die sowas anordnen oder sagen, so muss es jetzt laufen. Die sind auch verführt dadurch, dass sie denken, sie machen was Gutes. Ja, wie ist denn das zu durchbrechen?

Also dieses gar nicht auf die Idee kommen, auch die Eltern selber kommen ja nicht auf die Idee, dass sie ihren Kindern nichts Gutes antun, wenn sie die reinpressen in bestimmte Formen, weil sie denken na ja, wenn der nachher in die Schule kommt oder da darf er nicht immer kippeln, dann muss man stillsitzen, gerade sitzen. Alles muss eine Form, eine Haltung haben.

Becker: Ja, aber wenn das ein Tänzer ist oder ein Marathonläufer, dann ist der Körper schon …

ET: Ich denke: Innerhalb der Gesellschaft ist dieses am schwierigsten zu verändern. Ja, der gute Wille und nicht darauf zu kommen. Also ich sehe das auch in vielen Ideologien, dass Menschen denken, ich mach was richtig ist, was gut ist, und das hat doch der und der gesagt oder in dem und dem Buch steht. Das klingt so gut, was daraus werden könnte und kommt nicht auf die Idee, dass sie verführt und benutzt werden.

Becker: Man kann das fühlen, ja, man kann das fühlen. Das bringen wir alle mit. Von klein auf, also jeder Mensch wird schon mit einem starken Willen geboren, der dann gebrochen wird. Ja, und jeder Mensch wird auch mit ganz viel Liebe und unkonventioneller Liebe zum Leben und zu allem geboren. Und jeder Mensch ist auch kreativ. Das heißt, das haben wir schon. Und ein Mensch weiß, das ist jetzt wahr oder nicht wahr.

Also der Geist der Wahrheit und der Geist der Freiheit sollten eigentlich die Stützen der Gesellschaft sein. Schön wär’s. Genau. Und da gehört was dazu. Im Lauf des Lebens wirklich seine eigene Wahrheit und seine eigene Freiheit zu suchen. Sich den Mut oder die Verantwortung zu übernehmen, Dinge infrage zu stellen und sich zu erlauben, ‚Nein‘ zu sagen oder selber zu gucken was will ich überhaupt. Und es ist viel unbequemer, als mitzulaufen.

ET: Erst einmal. Oder bleibt es unbequem?

Becker: Nein, erst einmal.

ET: Sie sind ja nun international auch tätig. Ist das jetzt bemerkenswert unterschiedlich? Also ich habe mal eine Zeitlang Kurse gegeben in Deutschland, und ich fand die einzelnen Bundesländer so wunderbar unterschiedlich, wie die Menschen in ihrer ihrer Art, Dinge anzugehen, prägen. Das war schon sehr lustig. Und für die einen war ich immer zu schnell, für die anderen war ich immer zu langsam. Wie ist es denn nun im ganz großen Rahmen?

Becker: Also es ist sehr, sehr interessant, wenn man aus seiner lokalen Umgebung, wo man von klein auf groß geworden ist, wenn man da rausgeht, ins Flugzeug steigt, nach Amerika, nach Afrika oder egal wohin. Und wenn man dann wieder zurückkommt, plötzlich siehst du… Ich habe gesehen, dass die Grimms Märchen in Deutschland geschrieben wurden. Ganz klar, wenn du meinst, ja weil, wenn du mit dem Flugzeug über Deutschland fliegst, das ist alles grün und die Berge und das ist alles klein. Ja, dass da Grimms Märchen entstehen.

Dann fliegst du über Amerika und Platz und Platz und lange nichts. Und dann? Ich weiß nicht wie viele Minuten, zehn Minuten Landeanflug oder 20 Minuten über San Franzisko und Hochhäuser und Lichter, das heißt, die Natur und die Umgebung, die prägt Menschen ja auch. Und das ist ja auch, dass früher, jede Region hatte ihre Musik, ihr Essen, ihre Kleidung. Und das kommt aus den Menschen und auch aus der Natur. Und das hat natürlich einen riesigen Einfluss darauf, wie wir großwerden.

ET: Wenn Sie jetzt gerade Amerika nehmen als Beispiel, da gab es ja dann natürlich einen Umschlag nicht wahr, von der eingeborenen Bevölkerung, die von der Natur geprägt war, ja zu einer Bevölkerung, die aus städtischen Regionen kam, die arm waren, die ums Überleben dahin gingen und hart arbeiten mussten, um sich da zu ernähren. Also da ist dann eine ganz andere Prägung mit reingebracht worden in einem Land, was eigentlich dieses gar nicht vorgesehen hatte.

Becker: Nein, man spürt, dass bestimmte Kontinente und bestimmte Bereiche ganz, ganz alte Kulturen haben, die gewachsen sind und gewachsen sind. Und wenn man dann nach Amerika kommt, dass da dieser Spirit oder dieser Geist herrscht von ‚Kannst du was, bist du was!‘ Das ist nicht so die Kultur wie das erste Mal aus Amerika auch. ‚Mach was, aber auch mach was ganz genau!‘

ET: Das empfinde ich da immer ganz, ganz deutlich. Einschließlich Hilfsbereitschaft. Ja, ja. Man weiß ja. Stehen Sie mal in New York auf der Straße und gucken sich ein bisschen um. Spricht Sie sofort jemand an, sagt ‚Kann ich Ihnen helfen?‘

Becker: Ja, ja, ja, genau.

ET: Und ich habe da nochmal welche gefragt und die sagten ‚Ja, ich weiß, wie das ist. Ich bin auch mal hier angekommen und wusste nichts und war froh, wenn mir jemand gesagt hat, wie es weitergeht.‘

Becker: Ja, ja. Also das ist schon sehr spannend.

ET: Wie ist es denn nun in Südafrika? Oder sind Sie da mehr so in isolierten Situationen?

Becker: Ja, das natürlich auch. Aber ich sage das immer so, wenn wir aus Europa nach Afrika kommen. Wir hätten alle möglichen Möglichkeiten, wir könnten eine Schule machen, ein Café, ein Restaurant, mit dem, wie wir gebildet sind, was wir gelernt haben. Wir könnten alles Mögliche machen zum Überleben. Und das ist auch das, was wir in der westlichen Welt haben. Wir haben alle so viel gelernt, wir könnten viel. Aber macht es uns glücklich? Oder ist das dann wirklich ein Service für die Gemeinschaft?

Und das ist mir aufgefallen, dass es da bestimmte Kulturen gibt, die müssen überhaupt erst einmal lesen, schreiben, putzen, solche Sachen lernen und andere müssen was ganz anderes lernen. Ich sehe auf jeden Fall, dass die Menschen, die die Dekadenz von allem haben in der Gesellschaft, dass sie eine unglaubliche Verantwortung haben. Das sehe ich, ohne jetzt auf ihr Land zu zeigen.

ET: Verantwortung wofür? Etwas den anderen beizubringen?

Becker: Das Gute zu teilen. In der Wirtschaft haben wir ja gesehen. Corporate World Diffusion Fusion. Die Konkurrenz. Und irgendwann gibts doch nur noch ein paar Banken auf der Welt. Irgendwann gibts nur noch ein paar Autohäuser. Die werden immer größer und immer größer und immer größer. Aber ist das sinnvoll? Ich glaube nicht. Da ist es auf Hawaii total schön. Was ist da so schön?

ET: Wie ist es auf Hawaii?

Becker: Total schön. Also wie ich das erste Mal dahin kam, hab ich gedacht, ich passe auf. Obwohl ich noch nie da war.

ET: So ist das mir in Indien gegangen. Ja, da war ich noch ganz jung. Steig aus dem Flugzeug, denke ich, ‚Bin zu Hause‘. Ja, wir waren da früher schon mal, in unserem Geist. Ist noch eine Abbildung davon.

Das klingt dann ja gut. Also neben diesem, was ja nicht jeder empfindet, der nach Hawaii kommt. Was ist da noch so Besonderes? Warum kommen Menschen auf Hawaii zu ihnen? Sind die nicht in einer Umgebung, wo alles leichter geht? So eine Vorstellung hat man doch hier in Europa, Sie nicht?

Becker: Das ist ja ein Prinzip auch. Es gibt ja viele, viele Weiterbildungen und auch Coachings. Aber die gehen nicht über den Tellerrand. Und was ich auch immer gemacht habe oder was wir auch machen, dass wir die Menschen aus ihrer Umgebung rausnehmen in eine ganz andere Kultur. Und wenn du dann einen Monat mit einer anderen Sprache, mit einer anderen Musik, mit einem anderen Essen, mit anderen Temperaturen, das hilft ja, um aus dem Hamsterrad oder aus diesem festgefahrenen ‚Ich bin so, mein Leben ist so und das muss so sein‘ herauszukommen. Um das zu öffnen, hilft das, ja.

ET: Jetzt verstehe ich besser, warum sie da um die Welt kreisen und auch Menschen mitnehmen. Also nicht, dass sie die da besuchen, sondern sie nehmen welche mit, gehen in eine andere Umgebung und können zugucken, was da passiert. Praktisch zu gucken, was da passiert. Welche Antworten da wach werden in den Menschen. Und dann?

Becker: Weil natürlich auch nicht nur die Systeme uns bestimmen, ob wir Finanz-, Bildungs-, Gesundheits- usw. Beziehungssysteme, Familiensysteme nehmen, das sind alles lauter unausgesprochene Regeln, wie man sich zu verhalten hat. Und wenn man da dann raus ist, dass man dann viel mehr spürt und neugierig wird, was man selber will und wer man ist, da kommt man vorher nicht drauf. Denn alle haben was für uns, die haben was davon. Wenn ich eine gute Mutter bin und immer da bin und jeden Tag koche und jeden Tag das und das mache, ist ja auch bequem.

Und wenn ich jetzt mal da bin und nicht da bin, dann müssen vielleicht alle einmal kochen oder helfen oder … usw. Das würde ja alles dann in Bewegung bringen. Und das ist ganz wichtig. Und das ist gerade so fatal in dem Zeitgeist, in dem wir sind. Wir haben, ja wir erleben jetzt gerade die absolute Kontrolle, genau das Gegenteil von Freiheit. Ja, und es wird die ganze Zeit uns Angst suggeriert, obwohl wir eigentlich in einer Zeit sind – wir leben im Paradies.

ET: Ja, vielleicht ist das auch ein Weckruf? Also Menschen so, ohne dass das beabsichtigt ist, nicht wahr? Niemand beabsichtigt uns aufzuwecken, sondern beabsichtigt…. Naja, was auch immer. Was da für Absichten hinter stecken. Aber die Chinesen sagen, in jeder Krise steckt eine Chance. Sehen Sie das auch so?

Becker: Ja, ja.

ET: Das heißt, eigentlich können sie auch jetzt Menschen helfen und sagen. Nicht abwarten, sondern schau hin, was passiert mit dir? Was antwortet da?

Becker: Das ist da aufgemalt zwischen diesem Hamsterrad, und ich bin mein Körper, Gestalt, Ego und so weiter. Da stehen drei Freunde. Wut, Neugierde und Angst. Und Neugierde ist immer das Leichteste im Leben, seiner Neugierde zu folgen. Und ich mag Musik und ich mache Musik und es ist leicht. Es braucht aber auch gleichzeitig die anderen beiden Aspekte. Man muss auch eine bestimmte Wut haben. Jetzt reicht’s.

Also ich sage jetzt mal ein Beispiel: Jemand bekommt die Nachricht, du hast Krebs. Und oft, wenn ich neugierig bin, dann finde ich interessante Heilmethoden und finde die richtigen Heiler. Und ich brauche aber auch eine bestimmte Wut. Nein, ich will nicht sterben. Ja, das ist gesund. Und die Angst, das ist eine wache Angst, die mich wach macht. Und im Moment, was ich erlebe in dem Zeitgeist, wo wir gerade sind. Das ist eine Angst, die Menschen hypnotisiert. Und das ist immer bequem und es muss im Leben, man muss im Leben an einen Punkt kommen und Veränderung und Transformation oder radikaler Wandel kommt nur, wenn Menschen in sich selber an einen Punkt kommen, wo es heißt: ‚Jetzt reicht’s‘.

Das muss aus Menschen selber kommen. Das kommt nicht von außen. Und die Zeiten. Was ich auch sehe, die Zeiten sind vorbei, dass irgendeiner kommt. Das war ja ein wahnsinniger Rausch mit der amerikanischen Wahl. Und ich habe das damals gesehen. Ich kam aus Amerika und hab gesagt Trump wird’s. Und dann haben alle zu mir gesagt, vor allen Dingen die Männer in Deutschland. ‚Also der ist … also wie kannst du nur? … nie im Leben!‘ Aber ich bin immer wieder in Amerika. Ich sehe, ich habe gesehen, was da dran ist und was die Menschen brauchen und dass er eine Chance hat.

Und jetzt ist plötzlich ein anderer Präsident da und dieses Riesentheater, was vorher da war, ist weg. Und das ist in der Gesellschaft, was immer von außen ist, immer ein bestimmtes Drama, Theater und das ganze hypnotisiert Menschen, macht die entweder still oder hält die in dieser Schuld, in dem Opfer, im Ego.

Und da muss innerlich in jedem eine bestimmte Energie frei werden. Entweder eine Wut ‚Jetzt reicht’s‘ oder: ‚Also wenn das so weitergeht, dann geht mein Geschäft kaputt, weil ich das Restaurant nicht mehr führen kann‘ und so weiter. Oder ich bin so neugierig und sage jetzt ‚Ich wandere aus, ich mache woanders ein Restaurant auf‘. Und ja, das kommt nicht mehr von außen. Das muss jetzt wirklich von jedem Einzelnen kommen. Also das ist jetzt da. Wenn wir über Jahrtausende schauen, kam irgendein Messias und König und Kaiser. Wir sehen es ja jetzt auch an den Politikern oder was weiß ich irgendwie. Es kann ja nicht sein, …

ET: Die werden es nicht lösen. Schicksal als Chance? Sonja Becker empfiehlt, sich zu entdecken, bei sich selber zu finden, was da antwortet. Vielen Dank für Ihren Besuch.

Becker: Danke.

Das Interview führte Renate Lilge-Stodieck


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