Bildhauerin und Dozentin Johanna Schwaiger.Foto: New Masters Academy

New Masters Academy: Schaffen wie die alten Meister

Von 1. November 2021 Aktualisiert: 1. November 2021 10:31

„Wir verändern die Kunstwelt“, heißt es auf der Website der New Masters Academy.

Ich wollte genau verstehen, wie und warum die auf Abonnements basierende Website für Kunsterziehung im Internet diese ehrgeizige Behauptung aufstellt, und hatte die Gelegenheit, die beeindruckenden Film- und Bildhauerstudios in Huntington Beach zu besichtigen, wo Kunstpräsentationen gefilmt und bearbeitet werden, und den Gründer des Unternehmens, Joshua Jacobo, zu treffen.

In seinem Haus, das er mit seiner Frau, der österreichischen Bildhauerin Johanna Schwaiger, teilt, stehen Regale mit einer beachtlichen Sammlung von Kunstbüchern, die es mit der Bibliothek meiner renommierten Kunstschule an der Ostküste aufnehmen kann. Aber das ist ja auch der Kern dessen, was Jacobo und die New Masters Academy (NMA) tun, nämlich das gegenwärtige Konzept der Kunstschulen auf den Prüfstand zu stellen.

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Die NMA stellt das bestehende Lehrmodell sowohl in formaler als auch in inhaltlicher Hinsicht in Frage.

„Unser Ziel ist es, die erschwinglichste und ganzheitlichste Kunstausbildung der Welt anzubieten und sie jedem zugänglich zu machen, der das Handwerk des Zeichnens, Malens oder der Bildhauerei erlernen möchte“, sagte Jacobo.

Er will eine solide Ausbildung in den Grundlagen der Kunst sowie einen historischen Bezug zur Entwicklung dieses Handwerks vermitteln. Kunstgeschichte zu lernen sei wichtig, meint Jacobo. So wie Wissenschaftler „auf den Schultern von Größen“ stehen, die ihnen vorausgegangen sind, sollten seiner Meinung nach auch Künstler von der Kunst und den Meistern der Renaissance lernen, um das künstlerische Halbwissen und die Unklarheit unserer Zeit hinter sich zu lassen.

Wenn wir zur „Bescheidenheit und Disziplin unseres Handwerks zurückkehren, können wir für unsere Betrachter erneut eine beinahe magische und heilige Wirkung erzielen“, so der Künstler.

Anfänge

Obwohl seine Kindheit von Kreativität geprägt war, brauchte Jacobo viele Jahre, um zu seinem Handwerk, seiner Karriere und seiner Mission zu finden.

„Meine Mutter brachte meinem Bruder und mir schon früh das Zeichnen bei. Sie schmückte unsere Zimmer mit Wandbildern von Dinosauriern, Dschungeln, Zirkussen oder was uns damals besonders faszinierte. Sie hat uns gezeigt, wie wir durch Zeichnen unsere Fantasie mit der realen Welt verbinden können“, erklärt er.

Doch das Leben nahm eine scharfe und traumatische Wendung, als Jacobo mit 20 Jahren während seines Studiums an einer Universität in Los Angeles erfuhr, dass seine Mutter und sein Stiefvater bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Dies veränderte sein Leben grundlegend.

Nur wenige Wochen nach dem Unfall begann Jacobo zu arbeiten, um die Miete und andere Rechnungen bezahlen zu können. Er setzte alle seine Fähigkeiten ein, um Geld zu verdienen und Fähigkeiten und Erfahrungen zu sammeln, die sich später für seine zukünftigen Unternehmungen als unschätzbar erweisen sollten: Er arbeitete als Designer, Werbetexter, Verkäufer, Softwareentwickler, Videofilmer, Fotograf und alles andere, was er tun konnte, um über die Runden zu kommen.

Nachdem er fast ein Jahrzehnt lang ein verantwortungsbewusstes Leben geführt und ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit sowie eine Reihe von Berufserfahrungen gesammelt hatte, begann sich sein Gefühl der Panik und Überlebensangst zu zerstreuen.

Doch der Wunsch, etwas zu erschaffen – sich mit der geheimnisvollen Tätigkeit des Beobachtens, Extrahierens und Aufzeichnens der Beziehung zwischen Wahrheit und Schönheit zu beschäftigen – ließ nicht nach.

Jacobo begann wieder zu zeichnen, zunächst aber nur in Teilzeit. Seitdem er jedoch wieder Stabilität und finanzielle Sicherheit erlangt hatte, spürte er, dass es an der Zeit war, sich voll und ganz der Kunst zu widmen, wenn er sie wirklich ein Leben lang betreiben wollte.

„Ich träumte davon, Meisterwerke zu erschaffen, die es mit denen der alten Meister aufnehmen könnten. Ich hatte das Gefühl, dass ich Talent und Begabung hatte und nur die richtige Ausbildung brauchte“, meinte er.

Die Suche nach einem Weg, wie die Meister der Renaissance zu malen und zu zeichnen, erwies sich jedoch als schwieriger, als er es sich vorgestellt hatte.

Suche

„Obwohl mir bewusst war, dass die Fähigkeiten der heutigen Künstler im Vergleich zu denen der großen Meister der Vergangenheit verblasst waren, ging ich trotzdem davon aus, dass es auf der Welt nach wie vor eine ernsthafte künstlerische Ausbildung geben müsse“, sagte Jacobo.

Er war bereit, überall hinzugehen, wo es eine solche Schule gab, und jeden Preis zu bezahlen.

Jacobo verbrachte ein Jahr damit, sich über Kunstprogramme an Universitäten, Spezialschulen und Ateliers auf der ganzen Welt zu informieren, um das passende Konzept für sich zu finden. Er war jedoch schockiert, als er herausfand, dass die meisten Grundlagen des Zeichnens, Malens und der Bildhauerei nicht mehr gelehrt wurden.

„Irgendetwas war mit der Kunstausbildung und der Kunst an sich geschehen und ich hatte Mühe, das Ausmaß dieser Katastrophe zu erfassen“, sagte Jacobo und brachte den veränderten Kunstzustand mit der westlichen Geschichte in Zusammenhang.

Er erfuhr, dass im 20. Jahrhundert ein radikaler Umbruch in der Kultur stattgefunden hatte, der die bildenden Künste so dramatisch veränderte, dass die Figurenmalerei für tot erklärt wurde, die Malkunst in einigen Ländern keine Bedeutung mehr hatte und der handwerkliche Aspekt von der „realisierbaren Vorstellung von Kunst“ getrennt worden war.

An die Stelle der traditionellen Kunst sei die „höchst subjektive, unendlich rätselhafte und für einige wenige recht profitable Kunst“ getreten, sagte er.

Ihm sei nicht klar gewesen, dass die Kunst von den „autoritären, nationalistischen, bürgerlichen Machtstrukturen, die sie scheinbar so unterdrückt hatten, befreit“ worden sei.

„Die neu befreiten Künstler […] verzichteten auf Beschränkungen wie zeichnerische Grundlagen, Demut und Sinn für die künstlerische Tradition zugunsten des individuellen Ausdrucks, der Originalität des Stils und vor allem des ausgefallenen Konzepts. Schönheit war zum Kitsch geworden und handwerkliches Können war irrelevant.“

Anstatt sich in ein mangelhaftes oder fehlgeleitetes Kunstprogramm einzuschreiben, beschloss Jacobo deshalb, sich selbst auszubilden, indem er sich ein Trainingsprogramm auferlegte, das aus dem Kopieren von Meistern, dem Studium der Anatomie und dem Zeichnen aus der Vorstellungskraft bestand – Praktiken, die er bis heute täglich fortsetzt und für unerlässlich hält.

Er kaufte eine vierbändige Sammlung wunderschöner Reproduktionen von Michelangelos Zeichnungen aus dem Haus des Meisters, dem heutigen Museum Casa Buonorotti in Florenz, und begann mit den Übungen, die Lehrlingen seit Jahrhunderten beigebracht werden: Er kopierte akribisch Hunderte Werke des Meisters.

Einen Lehrer finden

In jüngster Zeit erlebt die akademische, gegenständliche Kunst in den Ateliers der Vereinigten Staaten und Europas ein erneutes Aufblühen.

Von den wenigen Künstlern, die Jacobo ausfindig machte, welche das Handwerk des Zeichnens und Malens beherrschen, stach einer für ihn besonders hervor: Glenn Vilppu.

„Als ich durch einen anderen Künstler von Glenn erfuhr, war ich erstaunt, als ich seine Zeichnungen zum ersten Mal sah. Hier war also noch ein lebender Mensch, der wirklich wie die alten Meister zeichnen konnte.“

Vilppu, damals über 70 Jahre alt, war Zeichenlehrer, der bei einigen der besten Zeichnern dieser Generation studiert und fast 50 Jahre lang an Schulen unterrichtet hatte. Später arbeitete er in der Animationsindustrie. Er reiste um die Welt, gab Workshops und verkaufte eine Vielzahl selbst veröffentlichter Bücher und Videos über seine Technik: einen Ansatz zum Zeichnen mit Schwerpunkt auf der Geste – dieser sichtbaren Bewegung, die eine Verbindung zwischen Wesensart, Formgestaltung und Kreativität herstellt.

„Ich hatte keine andere Wahl, als ihn aufzuspüren und zu fordern, dass er mich unterrichtet, vielleicht weil ich als Kind zu viele Kung-Fu-Filme gesehen habe“, scherzte Jacobo.

Es klappte und es entwickelte sich eine Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil, sowohl beruflich als auch persönlich. Sie wurde auch zur Geburtsstunde der New Masters Academy.

Jacobo, der über berufliche und technische Erfahrung verfügte, bot Vilppu an, ihm bei seinem Kunstgeschäft zu helfen und im Gegenzug die Möglichkeit zum Einzelunterricht bei Vilppu zu erhalten.

Jacobo schlug Vilppu vor, sein Geschäft ins Internet zu verlagern, um möglichst viele Kunststudenten auf der ganzen Welt zu erreichen. Denn beide waren sich einig, dass eine Rückbesinnung auf die traditionellen Grundlagen in der Ausbildung notwendig war.

Das hatte zur Folge, dass die neue, kleine Online-Schule, die Vilppu Academy, Vilppus Geschäft transformierte, „Preise gewann und in der Kunstszene großen Anklang fand“.

Angesichts dieses Erfolgs und des Wunsches, mehr Menschen zu erreichen, dachte Jacobo: „Was wäre, wenn es eine Online-Kunstschule gäbe, die wie eine moderne Abo-Website wie Netflix funktioniert? Und wenn es statt eines einzigen Meisterkünstlers Dutzende gäbe, von denen jeder eine fachkundige Ausbildung zu einer Reihe von Kunstthemen wie Anatomie, Perspektive, Maltechnik, Gestaltung, das Porträt und natürlich die Figur anbietet?“

Zu Beginn wurden die Lerninhalte in der Garage von Jacobos Haus aufgezeichnet, später wurde ein Studio angemietet.

Die Website ging im März 2013 mit etwa 100 Stunden an Inhalten und Tausenden wunderschönen Referenzbildern von Kunstmodellen in Porträts und dynamischen Posen online.

Es wurde der weltweit erste 3D-Kunst-Viewer entwickelt, der es Künstlern ermöglicht, Scans von Menschen und Meisterskulpturen sowie anatomische Referenzen zu studieren. Die Künstler können dann die realen Maße aus der Web-App auf ihre eigene Arbeit übertragen.

Die umfassenden Ressourcen, die auf der Website angeboten werden, sind schlichtweg bemerkenswert. Die Website ist nun auf über 1.000 Stunden an Inhalt von über 20 Lehrern angewachsen.

Es stellte sich heraus, dass viele Menschen auf der ganzen Welt, wie damals Jacobo, mit den verfügbaren Bildungsangeboten unzufrieden waren. Mehr als eine Million Menschen folgen dem Netzwerk der New Masters Academy und Zehntausende auf der ganzen Welt studieren nach ihrem Programm.

„Wir haben den Einfluss unseres Unterrichts schon früh bemerkt. Die Qualität der Arbeiten, die produziert und online in Kunstforen, auf Facebook oder Instagram geteilt wurden, verbesserte sich. Viele einflussreiche und erfolgreiche Künstler gaben an, dass wir ihr Verständnis und ihre Denkweise verändert hätten“, sagte er.

Mitarbeiter von Universitäten, Film- und Spielstudios und andere Fachleute kontaktierten NMA und schon bald wurde ihr Studienprogramm zur Schulung von Künstlern in den Disney Animation Studios und Kunstabteilungen auf der ganzen Welt genutzt.

„Die Entscheidung, meine Liebe zur Kunst zum Beruf zu machen, war die beste, die ich je getroffen habe“, sagt Jacobo. „Ich bin gesünder, glücklicher und habe die Frau meiner Träume gefunden, und das alles nur, weil ich den Sprung gewagt und auf die risikoreiche Welt der Kunst und Kunsterziehung gesetzt habe.“

Ein Blick in die Zukunft

In diesem Jahr erweitert NMA ihre Website um die weltweit umfangreichsten Kurse für Landschaftsmalerei. Viele internationale Künstler aus China, Russland und Europa wurden eingeladen, ihre traditionellen kulturellen Künste zu filmen – von der Tiroler Holzschnitzerei bis zur traditionellen chinesischen Tuschemalerei.

Ebenfalls in Vorbereitung sind ein Künstlershop, eine Rubrik zu Kunstnachrichten namens Canvas und ein originelles Programm für Kinder, das sowohl Kunstgrundlagen als auch Lebenslektionen und Werte vermittelt, wie etwa die Kraft der Kreativität und wie man Schönheit in der Welt um sich herum findet.

„Was ich an der Kunst am meisten liebe, ist ihre Fähigkeit, uns mit dem uns innewohnenden Edelmut und der Liebe füreinander und für die Natur zu verbinden“, sagte Jacobo.

„Ich finde es toll, wie große Kunst uns inspirieren, herausfordern und trösten kann. Ich glaube, dass Kunst uns erheben kann, dass sie alles andere als nutzlos ist. In gewisser Hinsicht stellen unsere künstlerischen Kreationen das Beste unserer eigenen Persönlichkeit dar.“



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