Bunt zu und hoch her beim Dolomiti Balloonfestival im Hochpustertal

Titelbild
23 Ballonfahrerteams aus neun Nationen nehmen an den Spaß-Wettbewerben im Hochpustertal teil. (Foto: TVB Hochpustertal/F. Pitton)
Von 17. Januar 2008

Am Eröffnungsabend, als es ganz dunkel wird, verzaubert sich der Festivalplatz in ein stimmungsvolles Nachtspektakel. Mit dem traditionellen Ballonglühen werden die Heißluftballons zum „Tanzen“ gebracht. Ja genau – Tanzen! Die Musik erklingt, die Ballons tanzen, drehen und vergnügen sich im Walzertakt. Die Flammen der Gasbrenner entzünden und erlöschen im rhythmischen Wechselspiel. Die Ballons kommen so quasi mit ihren bunten Gewändern nicht nur zum Leuchten, sondern auch in schwungvolle Bewegung. „Bei der diesjährigen musikalischen Komposition gab es zwei mal acht Ballons. Die erglühten Ballons mit einer Größe von 25-30 Metern erscheinen wie riesige Giganten, wenn man davor steht“, beschreibt Alexander Strobl, Präsident des Organisationskomitees des „Dolomiti Balloonfestivals“, das Schauspiel.

„Herausforderung par excellence“

Für die Fahrten mit einem Ballon müssen die Wetterbedingungen passen. Denn wenn die Windgeschwindigkeit zu stark ist, können die Ballons nicht abheben. Das wäre zu riskant. „Freiluftsport muß man vorsichtig handhaben“, sagte Festival-Organisator Strobl.

„Über die Festival-Tage ist ein hauptamtlicher Meteorologe vor Ort, der den Ballonpiloten eine hervorragende Prognostik erstellt“, weiß Jens Klähn, ein fachkundiger Hochalpin-Pilot, aus Erfahrung zu berichten.

Für den gebürtigen Hamburger, der in Würzburg lebt, gibt es mehrere Gründe, warum es ihn bereits zum vierten Mal zum Festival nach Toblach zieht. Immer wieder aufs Neue ist er zutiefst fasziniert von dieser „ballonfahrerischen Herausforderung par excellence“, wie er dies mit seinen Worten ausdrückt.

„Es ist einfach großartig, die Dolomiten so nah vor sich zu haben – diese grandiose Bergwelt“, schwärmt Klähn. Dann zählt für ihn auch die gute Atmosphäre und das Engagement der Leute im Dorf, die alle zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Und natürlich freut er sich auf die Zusammenkunft mit den vielen Ballonfahrerfreunden.

Die Teamteilnehmer kommen aus Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich, Niederlanden, Luxemburg, Litauen, England und Finnland angereist. Sie müssen alle eine besondere Voraussetzung mitbringen: jahrelange Alpenerfahrung mit dem Ballon.

Ein Heißluftballon beim Aufstieg in der verschneiten Winterkulisse des Hochpustertals. (Ein Heißluftballon beim Aufstieg in der verschneiten Winterkulisse des Hochpustertals. (Foto: TVB Hochpustertal/M. Santini)

In die Weite – getragen vom Wind

Bei den Ballonweitfahrten sind die Piloten bis zu drei, vier oder fünf Stunden in der Luft. Und das bei 4.000 Metern Höhe oder auch mehr. Sauerstoffmasken können dann erforderlich sein. Der Wind bringt sie durchaus mehrere hundert Kilometer weit über die Alpen hinweg. Dabei lässt sich ein Ballon im Prinzip nicht steuern, doch durch geschicktes Nutzen der unterschiedlichen Luftströmungen des Windes in verschiedenen Höhen ist eine Beeinflussung der Fahrtrichtung möglich. Anhand der Wetterberatung kann der Ballonpilot seine präzisen Vorausplanungen für die geeignete Fahrtstrecke treffen.

Die Fahrt nach Laibach in Slowenien hebt Klähn als ein für ihn selbst besonders beeindruckendes Erlebnis in diesen Festivaltagen hervor: „Wo noch vor ein paar Jahren der ‚Eiserne Vorhang‘ war, da konnte ich heute einfach frei durch den Luftraum nach Slowenien fahren. Ohne diese Grenze. Und diese Freundlichkeit der Menschen bei unserer Landung.“ Vor zwei Jahren überquerte er den Alpenhauptkam in der Süd-Nord-Achse – ein erstmaliges Ereignis, mit dem Heißluftballon in dieser Richtung unterwegs zu sein. Von Toblach nach Deutschland ging die Abenteuerfahrt in 4.500 bis 5.000 Metern durch die Höhenluft. Im Schlepptau zog der Kenner der Alpenlandschaften noch fünf weitere Ballone mit.

„Perlenschnur am Himmel“

Mit über 700 Stunden Alpenerfahrung spielt Klähn eine Vorreiterrolle während des Dolomiti Balloonfestivals. Seine besonderen Kenntnisse und Erfahrung als Hochalpin-Pilot teilt er gerne mit anderen und nimmt sie quasi bei den Fahrten mit „an die Hand“. „Wie eine bunte Perlenschnur am Himmel schweben sie hintereinander weg“ beschreibt er die Bilderbuch-Impressionen. So ziehen die Piloten, die mehr Alpenerfahrung haben, die Nachkömmlinge auf ihrem Weg durch die Lüfte einfach mit. Sie lernen voneinander. Und es ist der Teamgeist, der die internationalen Ballonfahrer wie eine große Familie zusammen hält.

Vor sieben Jahren hat Jens Klähn seine Tätigkeit in der Ausbildung für Motorflieger und Ballonpiloten zu seinem Hauptberuf gemacht. Im Jahr 1987 zum Ballonpiloten bei Europameister Uwe Schneider ausgebildet, ist er erstmalig 1990 als Ranglisten-Pilot angetreten. Mit 37.000 Kilometern zurück gelegten Luftstrecken im Ballon ist er nahezu einmal um die Erdkugel gekreist.

Den Marker ins Ziel werfen

Bei den Zielwettfahrten geht es um Zielgenauigkeit. Beispielsweise sucht sich beim „Fly in“ das jeweilige Team einen Startplatz aus, der eine bestimmte Mindestentfernung zum vorgegebenen Ziel haben muss. „Das Zielkreuz wird auf einem Fünf mal Fünf Meter großen Stofftuch am Boden ausgelegt. Aufgabe für die Teams ist nun den Marker, das ist ein mit der Startnummer versehenes Sandsäckchen, bestmöglichst ins Zielkreuz abzuwerfen“, gibt Klähn Einblick ins Spielgeschehen. Der Pilot kann durch Hinzufügen oder Ablassen von Heißluft die Fahrthöhe bestimmen. Da sich in verschiedenen Höhenlagen der Wind drehen kann, nutzt er dieses Phänomen für das „Lenken“. Für die Zuschauer am Ziel ist es dabei sehr interessant – während die bunten Ballone von allen Seiten einschweben – die Richtungsänderungen des Windes in den verschiedenen Höhen beobachten zu können. Jeden Abend geht ein Tagessieger hervor. Am Schluß des Festivals wird der große Endsieger ausgewertet.

Ein buntes Spektakel in den Alpen - Heißluftballons sind sanftmütige Riesen am Himmel. (Ein buntes Spektakel in den Alpen – Heißluftballons sind sanftmütige Riesen am Himmel. (Foto: TVB Hochpustertal/F. Pitton)

Das morgendliche Alpenglühen

Auch viele Touristen begleiten die Teams als Passagiere in diesen Tagen. Wer während des Dolomiti Balloonfestivals in Toblach weilt, hat die Chance außergewöhnliche Augenblicke bei einer Ballonfahrt zu erleben: die Faszination des grandiosen Bergwelt-Panoramas, das sanfte, ruhige Schweben über der traumhaften Winterlandschaft und das Gemeinschaftsgefühl, mit den vielen anderen bunten Ballonkugeln am Himmel zu sein. Als absolutes Highlight für jeden Fotografen gilt der Ballon-Frühstart mit dem Sonnenaufgang. Das morgendliche Alpenglühen zählt zu den atemberaubendsten Momenten am Horizont, die man je erleben kann.

In einem Luftmeer fahren

„Im Deutschen spricht man von Ballon ‚fahren‘ und nicht ‚fliegen'“ erklärt Franz-Josef Hanses, ein erfahrener Pilot und Freiballon-Fluglehrer aus Arnsberg-Oeventrop im Sauerland und setzt fort: „Das hat mit den Anfängen der Luftfahrt zu tun. Damals hatte man noch kein Personal, und so hat man welches von der Schifffahrtsbesetzung übernommen. Mit der Vorstellung, man würde mit einem Luftschiff in einem Luftmeer fahren, etablierte sich der Begriff ,fahren‘ im deutschen Sprachgebrauch. Hingegen sagen die Engländer ,fly‘ und die Amerikaner sprechen von ,Balloon Riding‘, ähnlich dem ,to ride my bike‘ „. Und die Physiker sagen heute noch: „Alles was leichter ist als Luft, fährt“. Das gilt auch für Zeppeline.

Ballons aus nächster Nähe

Was vor einigen Jahren als eine touristische Attraktion begonnen hat, nämlich die Idee eines Hotelbetreibers, Heißluftballone starten zu lassen, nahm steilen Aufschwung. „Heute hat dieses Festival einen hohen Stellenwert im ganzen Hochpustertal. Es zählt zu den größten Ballonfahrer-Treffen Italiens. Es ist ein Event nicht nur für die Teamteilnehmer und Touristen, sondern gleichzeitig eine spannende Geschichte für die Einheimischen“, sagt Strobl. Kindergärten und Schulklassen können die Ballons hautnah erleben. Ein Ballonpilot gibt auf spielerische Art Einblick in die Funktion des Ballons. Und wie die Welt aus der Vogelsperspektive aussieht, das können die Kinder in einem „Fesselballon“ erfahren. Der Heißluftballon ist hierbei mit Seilen am Boden befestigt.

Die Leute von Toblach verstehen es, mit vielseitigen Attraktionen die Besucher zu begeistern. Die erste Modellballonparade zieht mit lustigen und bunten Figuren durchs Dorf, Fotowettbewerbe finden statt, und die Hotels bieten Spezial-Angebote inklusive einer Ballonfahrt an. Eisbergkünstler Josef Strobl, ortsansässiger Hotelbetreiber, pflegt seine Liebe zu den bizarren Formen schon seit 47 Jahren. Seine meterhohen Eismonumente wurden zweimal ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen.

Text erschienen in Epoch Times Nr. 3 (16.-22. Januar 2008)



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