Die Nordseeküste als Tor zur Welt für die Parade der Pötte und Strandkorbidylle auf Helgoland

Von 10. August 2017 Aktualisiert: 10. August 2017 18:37
Die Flussmündungen von Elbe und Weser in die Nordsee sind Ausgangspunkte einer abenteuerlichen Seefahrtstradition.

„Am Werfte zu Kuxhaven, da ist ein schöner Ort, der heißt „Die Alte Liebe“. Die meinige ließ ich dort…“ In Liebesangelegenheiten kannte Heinrich Heine sich zweifellos besten aus. Wen wollte es daher verwundern, dass sogar „Die Alte Liebe“ sein Herz erweichte, jener spektakuläre Aussichtspunkt an der Elbmündung, der bis heute die Zuschauer begeistert.

Denn hier, an der „Alten Liebe“, geben sich alle Schiffe ein Stelldichein, die von Hamburg aus in die weite Welt hinausfahren oder nach langer Seereise an ihren vertrauten Ausgangsort zurückkehren.

Ist hier nicht das stets über diesen Gewässern schwebende Quäntchen von Seefahrtromantik sogar mit Händen zu greifen? Als sich beispielsweise die riesige „Pacific Princess“ soeben auf die offene See zubewegt und zeitgleich in umgekehrter Richtung die schnittige „Europa“ nach langer Kreuzfahrt mit dröhnendem Signalton ihre Rückkehr ankündigt?

So stellt sich das Fernweh auf der Aussichtsterrasse wie von selbst ein und folgt den beiden Ozeanriesen in ihrer jeweiligen Richtung, bis diese allmählich mit dem Dunstschleier des Horizonts verschmelzen.

Stürme und Strömungen

Umso mehr zieht nun die prächtige Kulisse des Feuerschiffs „Elbe 1“ die Blicke auf sich. Unübersehbar in leuchtendem Rot erinnert es an die alten Zeiten, als bemannte Feuerschiffe vor der Elbmündung mit ihrem Leuchtfeuer den ein- und auslaufenden Schiffen Orientierung boten.

Und die dabei doch selbst einer ständigen Existenzbedrohung ausgesetzt waren. Denn auch wenn sie fest an der Kette lagen, stand bei hoher Grundsee in dem flachen Küstengewässer stets auch ihre eigene Sicherheit auf dem Spiel.

Von ähnlich abenteuerlichen Geschichten erzählt auch die „Windstärke 10“, das ansprechend gestaltete neue Wrack- und Fischereimuseum von Cuxhaven. Klaus Hankel, früher selbst aktiver Seefahrer, weiß anschaulich von der Knochenarbeit und den Gefahren vergangener Zeiten zu berichten. Besonders dann, wenn zwischen prall gefüllten Netzen und haushohen Wellen der Kampf ums Überleben angesagt war und sich die Nordsee nicht selten in eine Mordsee verwandelte.

Schwankende Schiffstreppe

Sicherlich war dies keine ermutigende Nachricht für alle jene, die während der großen europäischen Auswanderungswellen beabsichtigten, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Diesen Eindruck vermittelt auch das anschaulich gestaltete Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. Errichtet wurde es genau an jener Stelle des Weser-Hafenbeckens, von wo aus einst die Mehrzahl der europäischen Auswanderer ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ aufgebrochen war. Gut nachvollziehbar ist hier die frostige und angstvolle Stimmung, wie sie an der steilen Stahlwand eines Auswandererschiffes kurz vor der Abreise in die ungewisse Zukunft um sich griff.

Der Museumsbesucher folgt den Auswanderern über die schwankende Schiffstreppe bis hinauf an Bord des Schiffes und setzt sich dabei auf die Fährte eines „Mitreisenden“ aus jener Zeit. Beispielsweise begleitet er den Drucker Ottmar Mergenthaler, dessen Biografie er mit bereitstehenden Kopfhörern, Fotografien und Schaubildern immer besser kennen lernt. Aber auch die Zustände auf dem Zwischendeck des Schiffes, beengt und dunkel zugleich, werden dabei nachvollziehbar.

Verführerische Galionsfigur

Einen Blick zurück in jene nicht immer gute alte Zeit gewährt auch das nahe gelegene Deutsche Schifffahrtsmuseum. Die reichhaltigen Exponate, Schiffsmodelle und Malereien umfassen Themenbereiche wie den Walfang und die Fischerei aber auch das Militär- und Transportwesen. Glanzpunkt der Sammlung ist eine liebevoll restaurierte Hansekogge aus dem 14. Jahrhundert, die im Schlamm der Weser entdeckt und bei aller gebotenen Vorsicht aufwändig restauriert wurde.

In seinem Außenbereich bietet das Schifffahrtmuseum zusätzlich feste Ankerplätze für eine Reihe von Schiffen mit Seltenheitswert. Überragende Bedeutung fällt dabei allein schon wegen seiner riesigen Masten dem Viermastschoner „Seute Deern“ zu, dessen Name offensichtlich von der verführerisch dreinblickenden Galionsfigur herrührt. Wer wollte sich da nicht auf ihre Einladung in das stilvoll gestaltete Bordrestaurant einlassen?

Klippenwanderweg zur „Langen Anna“

Gern folgt man auch dem Angebot der Reederei Cassen Eils zu einer Fährfahrt hinaus zu der Felseninsel Helgoland. Die Tour mit der „Fair Lady“ startet an dem ausdrucksstarken Auswandererdenkmal der Stadt Bremerhaven. Bereits kurz nach der Abfahrt öffnet sich der Blick über den quirligen Containerhafen.

Als besonders faszinierend erweist es sich dabei, mit welcher Geschwindigkeit die hoch aufgestapelten Container von rührigen Spezialkränen auf die bereit liegenden Containerschiffe verladen werden. Bis schließlich Helgoland erreicht ist.

Einst eingetauscht von den Briten gegen die ostafrikanische Insel Sansibar, stellt das Felseneiland als die einzige deutsche Hochseeinsel für die meisten Besucher etwas Besonderes dar. Der Zerstörungswut der Briten weitgehend entgangen, hat sich Helgoland gemausert zu einem Publikumsmagneten.

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Die Hauptattraktion des Inselaufenthalts ist wie eh und je der Klippenwanderweg hinüber zur legendären „Langen Anna“, die als ein roter Sandsteinstumpf in den Himmel ragt. Sie ist der Nistplatz für Schwärme von Basstölpeln, die hier in den kräftigen Aufwinden Zuflucht und Halt suchen.

Legendäre Kugelbake

Schutz suchen nach einem bewegten Tag auch die Inselbesucher, die auf der modern und dazu äußerst bequem eingerichteten „Helgoland“ diesmal die Rückreise nach Cuxhaven antreten. Hinter der hoch aufragenden Kugelbake gerät schließlich auch „Die Alte Liebe“ ins Blickfeld. Und wo gäbe es schon eine bessere Gelegenheit, von der Parade der Pötte stilvoll Abschied zu nehmen? www.cuxland.de; www.bremerhaven-tourism.de; www.helgoland.de