Abschied – Von Joseph von Eichendorff

Von 8. September 2018 Aktualisiert: 9. September 2018 7:53
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Abschied

O Täler weit, o Höhen,

O schöner, grüner Wald,

Du meiner Lust und Wehen

Andächtger Aufenthalt.

Da draußen, stets betrogen,

Saust die geschäftge Welt;

Schlag noch einmal die Bogen,

Um mich, du grünes Zelt.

Wenn es beginnt zu tagen,

Die Erde dampft und blinkt,

Die Vögel lustig schlagen,

Dass dir dein Herz erklingt:

Da mag vergehn, verwehen

Das trübe Erdenleid,

Da sollst du auferstehen

In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben

Ein stilles, ernstes Wort

Von rechtem Tun und Lieben,

Und was des Menschen Hort.

Ich habe treu gelesen

Die Worte schlicht und wahr,

Und durch mein ganzes Wesen

Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,

Fremd in der Fremde gehn,

Auf buntbewegten Gassen

Des Lebens Schauspiel sehn;

Und mitten in dem Leben

Wird deines Ernsts Gewalt

Mich Einsamen erheben,

So wird mein Herz nicht alt.

Joseph Freiherr von Eichendorff   (1788-1857)

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