KönigspalmeFoto: iStock

Die Palme von Port Said – Dichter unbekannt

Von 8. Dezember 2021 Aktualisiert: 8. Dezember 2021 23:48
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Die Palme von Port Said

„Es steht in Port Said eine Palme,

die Königspalme genannt.
Sie hebt ihre grünen Blätter
fast turmhoch übers Land.

Es webt sich eine Sage
um ihrer Blätter Grün;
vernehmt nun die Legende
mit ihrem tiefen Sinn:

Die Palme wuchs mit hundert andern
in ihrer Jugend rasch empor,
als sich in ihrer ersten Blüte
der Gärtner gegen sie verschwor.

Indess‘ die anderen fröhlich trieben,
kam schon der erste Todesschreck:
der Gärtner schlug mit scharfen Hieben
all ihre jungen Äste weg.

Der Frühling kam: die Wunden heilten,
durch ihren Stamm floss frischer Saft.-
Und aufwärts schoß die Königspalme
mit heiß erneuter Lebenskraft.

Doch Jahr um Jahr ward sie zum Hohne
all ihres Blätterschmucks beraubt:
Es fehlte ihrem Stamm die Krone,
das überragend stolze Haupt.

So ging es fort ein Menschenalter;
die Palme wuchs so rasch und leicht,
bis keines Gärtners Axt und Leiter
an ihrem Stamm hinauf mehr reicht.

Nun warf die Palme ihre Zweige
hinaus zu einem Blätterdach –
so himmelhoch wie keine andere …
Der alte Gärtner kam und sprach:

„Du warst die Liebste mir von allen.
Ich habe dir nur weh getan,
damit ich über alle andern
am Ende dich erhöhen kann.

Der Schmerz allein trieb dich zur Größe,
sieh’ nach, wo deine Schwestern sind.“
Da neigte sich die Königspalme
wie dankend stolz im Abendwind.

Und durch die Zweige rauscht und singt es,
durch all die Lande zu uns her,
wie Trost in schweren Tagen klingt es,
laut ruft die Palme übers Meer:

„Du armes Herz, nur nicht verzagen,
dringt dir die Axt in Mark und Bein;
der Frühling heilt einst deine Wunden,
es kommt schon wieder Sonnenschein.

Wenn rauhe Stürme dich umtoben –
verzage nicht in deinem Leid!
Denk an den klugen Gärtner droben
Und an die Palme von Port Said.“

Dichter unbekannt

Liebe Poesiefreunde,

dieses Gedicht fiel mir in die Hände, als ich einen alten Gedichtband meiner Großmutter durchstöberte. Es fiel ein altes zusammengefaltetes, vergilbtes DIN 4 Blatt heraus, darauf wurde handschriftlich mit Bleistift wunderschön in altdeutscher Sprache dieses Gedicht geschrieben. Leider konnten meine Recherchen nicht sehr viel über das Gedicht und dessen Verfasser ausfindig machen. Man geht davon aus, dass es von Ludwig Uhland (1787 – 1862) geschrieben worden ist, aber in den Gedichtbänden von Ludwig Uhland findet man dieses Gedicht leider nicht. Da es mir aber besonders wertvoll erscheint, wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten. Vielleicht gibt es ja unter unseren Poesiefreunden jemanden, der etwas mehr darüber weiß. Über Ihre Antworten als Kommentar würden wir uns sehr freuen. Ihre Epoch-Times-Redaktion



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion