Imaginärer Lebenslauf – Von Rainer Maria Rilke

Von 23. Oktober 2019 Aktualisiert: 24. Oktober 2019 1:07
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Imaginärer Lebenslauf

Erst eine Kindheit, grenzenlos und ohne
Verzicht und Ziel. O unbewußte Lust.
Auf einmal Schrecken, Schranken, Schule, Frohne
und Absturz in Versuchung und Verlust.

Trotz. Der Gebogene wird selber Bieger
und rächt sich an anderen, daß er erlag.
Geliebt, gefürchtet, Retter, Ringer, Sieger
und Überwinder, Schlag auf Schlag.

Und dann allein im Weiten, Leichten, Kalten.
Doch tief in der errichteten Gestalt
ein Atemholen nach dem Ersten, Alten …

Da stürzte Gott aus seinem Hinterhalt.

Rainer Maria Rilke    (1875 – 1926),

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