Und dennoch! – Von Heinrich Seidel

Von 26. März 2020 Aktualisiert: 26. März 2020 17:50
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Und dennoch!

Lass dein Herz die Flamme meiden,
Und was Eins zum Andren zieht;
Denn du weisst, aus Lieb kommt Leiden, –
Denn du kennst das alte Lied.

Der dir hold mit goldnem Schimmer
Stand um ein beglücktes Haupt, –
Holder Schein – er haftet nimmer,
Und du klagst, wenn er geraubt.

Ach, du hast es ja erfahren,
Und du kennst die sichre Pein –
Kannst dich dennoch nicht bewahren
Vor dem zaubervollen Schein? –

All‘ der Weisheit graue Lehren,
Der verständ’ge Unverstand, –
Können nicht der Flamme wehren,
Wenn sie sich zur Flamme fand!

Heinrich Seidel   (1842 – 1906)

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