Salzburg: Jenseits des Klangs der Musik

Von 24. Oktober 2021 Aktualisiert: 23. Oktober 2021 22:34

„Oh, ist das der Film mit den Kätzchen und Fäustlingen?“, fragt mein Mann, als Stadtführerin Michaela Muhr anfängt, über „The Sound of Music“ zu sprechen, während wir durch die Straßen von Salzburg spazieren. Obwohl der Film auf der ganzen Welt berühmt ist, haben die meisten Menschen in Österreich keine Ahnung, was Julie Andrews‘ Lieblingsdinge sind. Tatsächlich, so Muhr, wurde der Film erst 2002 erstmals im nationalen Fernsehen ausgestrahlt.

Einerseits amüsieren sich die Österreicher über kulturfilmische Kuriositäten wie „Schnitzel mit Nudeln“, da traditionellerweise Kartoffeln dazugehören; andererseits waren die Erinnerungen an die Nazizeit nur 20 Jahre nach dem Krieg noch relativ frisch, und der Film von 1965 beschönigt nicht die Spannungen, die ihr vorausgingen.

Überall Mozart

Das Erbe eines der größten Komponisten der Welt ist überall spürbar. Da sind die Statue in der Altstadt, die jährliche Mozartwoche und natürlich die Mozartkugeln. Während die goldenen Schokoladenkugeln in die ganze Welt exportiert werden, sind die originalen Kugeln in Silberfolie eingewickelt und können dort gekauft werden, wo Paul Fürst sie 1890 erfunden hat – in der Café-Konditorei Fürst.

Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus, heute bekannt als Wolfgang Amadeus Mozart, wurde am 27. Januar 1756 in der Getreidegasse 9 geboren. Die Wohnung im dritten Stock war bürgerlich, mit vier Zimmern und einer Küche. Mozart selbst verbrachte viel Zeit außerhalb des Elternhauses, denn sein Vater Leopold nahm ihn mit, um sein musikalisches Talent an den wichtigsten europäischen Höfen zu präsentieren. Die längste Reise dauerte drei Jahre, fünf Monate und 20 Tage. Heute ist Mozarts Geburtshaus mit seiner charakteristischen gelben Fassade ein Museum.

Salzburger Altstadt

Die Salzburger Altstadt, die unter steilen Hügeln liegt, sieht noch genauso aus wie zu Mozarts Zeiten vor mehr als 250 Jahren. Den Blick auf die Türme von 27 Kirchen, die schnell fließende Salzach und die schneebedeckten Berge genießt man am besten von der hoch aufragenden Festung Hohensalzburg, einer der größten in Europa. „Sie wurde nur zweimal angegriffen, nie erobert und nie zerstört“, so Muhr. Daher stammen viele der Gebäude aus dem 15. Jahrhundert.

Es ist verlockend, hier einen halben Tag zu verbringen, denn das Marionettenmuseum ist ein beliebtes Ausflugsziel. Aber wir drängen weiter, steigen die steilen Stufen zurück in die Stadt hinab und kommen neben dem Friedhof des Klosters St. Peter heraus. Hier liegen Ärzte, Anwälte und Adelige begraben, aber auch der Komponist Michael Haydn, der Bruder von Joseph Haydn, Mozarts Schwester „Nannerl“ (ihr Spitzname) und jener berühmte Schokoladenfabrikant Paul Fürst – bewacht von einem Totenkopf tragenden Putten. Der Friedhof beherbergt auch Katakomben, höhlenartige Kapellen und Krypten, die in die Felswand des Mönchsbergs gehauen wurden. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 833.

Alles ist ganz in der Nähe, und so schlendern wir weiter, vorbei am Dom, einem Meisterwerk barocker Kunst mit einer bauchigen Kupferkuppel, durch die romantische Goldgasse, in der sich viele Schmuck- und Kunsthandwerksgeschäfte befinden, über den Fluss und schließlich in die Mirabellgärten. Die blumigen Parterres, Rosengärten und Lauben stehen in voller Blüte. Der angrenzende Zwergerlgarten, der um 1695 angelegt wurde, ist der älteste in Europa.

Festung Hohenwerfen

Als wir Salzburg am späten Vormittag verlassen, erreichen wir unsere nächste Station, die Festung Hohenwerfen, gerade noch rechtzeitig für die tägliche Greifvogelschau.

„Sie sollten besser alles Bunte wegpacken“, sagt mir die Mitarbeiterin Birgit Meixner. „Die Vögel sind berüchtigt dafür, Kinderspielzeug aufzusammeln und außerhalb der Burgmauern fallen zu lassen“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Seit 1077 thront die Festung auf einem steilen Gipfel, hoch über dem Salzachtal. In ihrer bewegten Geschichte wurde sie im 16. Jahrhundert von Bauern belagert, geplündert, niedergebrannt und fast zerstört. Im 17. und 18. Jahrhundert diente sie vor allem als Gefängnis für Protestanten, bevor sie unter bayerischer Herrschaft und später unter den Nationalsozialisten, die die Festung als Truppenübungsplatz nutzten, zerfiel.

Und dann kam Hollywood. Im Jahr 1968 diente Hohenwerfen als Kulisse für den Film „Where Eagles Dare“ („Agenten sterben einsam“)  aus dem Zweiten Weltkrieg mit Clint Eastwood und Richard Burton in den Hauptrollen.

Eishöhle

Die kalten Temperaturen in den Bergen halten die nahe gelegene Eisriesenwelt, die größte Eishöhle der Welt, am Leben. Ausgerüstet mit warmer Kleidung und altmodischen Öllampen erkunden wir diese faszinierende Welt. Die 700 Stufen, die es hinauf- und hinunterzusteigen galt, erforderten eine gute Kondition. Ein besonders steiler Abschnitt im 45-Grad-Winkel trägt bei den Mitarbeitern den Spitznamen „Seufzertreppe“, erzählt unser Führer Stefan Mayr.

Im Laufe einer Stunde kommen wir an unglaublich schönen, blau und grün schillernden Eisgebilden vorbei, die von der Decke hängen oder aus dem Boden ragen. Wir sehen gefrorene Wasserfälle und einen glatten, eisbahnähnlichen Eispalast. Die größte Attraktion, Hymirburg, ist im Laufe von 100 Jahren durch einen Riss in der darüberliegenden Höhle gewachsen. Und die Höhle selbst hat sich seit Beginn der Führungen im Jahr 1920 um ein Drittel erweitert.

Tal der Almhütten

Nachdem wir den Tag in luftiger Höhe verbracht haben, übernachten wir im Großarltal, auch bekannt als das „Tal der Hütten“. Hier leben die Menschen seit Generationen von der Landwirtschaft und stellten hochwertige Produkte her, noch bevor der Begriff „handwerklich“ in Mode kam. Die rund 40 Hütten im Tal sind von Mitte Juni bis Mitte September geöffnet.

Ganze Familien ziehen für die Saison auf höher gelegene Weiden, arbeiten mit den Tieren im Stall, verarbeiten dann die Milch und servieren hungrigen Wanderern Mahlzeiten.

„Nur auf der Alm produzierte Lebensmittel wie Butter, Brot, Käse und Aufschnitt dürfen verkauft werden“, erklärt der Einheimische Thomas Wirnsperger. Viele Almen haben noch keinen Strom, und die hausgemachten Köstlichkeiten werden getreu den seit Generationen gültigen Rezepten zubereitet.

Wir kehren in das hölzerne Kösslerhäusl aus dem 16. Jahrhundert ein – teils Museum, teils Restaurant, teils Geschäft – und probieren einen Krapfen, ein süßes Gebäck, gefolgt von einem Zirbenlikör. Der Zirbenlikör, der aus Kornbranntwein, kandiertem Zucker und Zirbenzapfen hergestellt wird, ist erstaunlich lecker.

Während wir in der winzigen Rauchkuchl unter der niedrigen, rußbedeckten Decke sitzen, singen zwei ältere Damen christliche Lieder in einem örtlichen Dialekt. Es ist ein ganz besonderes, fast heiliges Gefühl, als würden wir in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt.

Bei einem Besuch beim Maskenschnitzer Hermann Prommegger lernen wir die Legende des Krampus kennen, der halb Ziege, halb Dämon ist und unartige Kinder zu Weihnachten bestraft.

„Der Stil ändert sich gerade“, sagt Prommegger. „Vor ein paar Jahren wünschten sich die Kunden Masken, die sie an beliebte Filmfiguren wie in ‚Star Wars: Die dunkle Bedrohung‘ erinnerten. Jetzt kehren wir zu einer traditionelleren Art des Schnitzens zurück.“

Nach dem Volksglauben taucht das Ungeheuer in der Nacht zum 5. Dezember, der sogenannten Krampusnacht, in den Städten auf, und Gruppen von Krampussen ziehen an diesem Abend durch das Großarltal, um an die Türen zu klopfen und zu überprüfen, ob die Kinder brav oder unartig waren.

Unsere Reise ins Salzburger Land beenden wir mit einer Wanderung durch die Liechtensteinklamm, eine der tiefsten und längsten Schluchten der Alpen. Die tosenden Wasserfälle und reißenden Gewässer bahnen sich seit Jahrhunderten ihren Weg immer tiefer in die Schlucht hinein und erzeugen dabei einen wunderbaren Klang – wie Musik.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion