Schneeglöckchen – von Joseph von Eichendorff

Von 21. February 2018 Aktualisiert: 21. Februar 2018 1:32
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Schneeglöckchen

’s war doch wie ein leises Singen

In dem Garten heute nacht,

Wie wenn laue Lüfte gingen:

„Süße Glöcklein, nun erwacht,

Denn die warme Zeit wir bringen,

Eh’s noch jemand hat gedacht.“ –

’s war kein Singen, ’s war ein Küssen,

Rührt‘ die stillen Glöcklein sacht,

Daß sie alle tönen müssen

Von der künft’gen bunten Pracht.

Ach, sie konnten’s nicht erwarten,

Aber weiß vom letzten Schnee

War noch immer Feld und Garten,

Und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten

Sangesmüde sich hinab,

Und der Frühling, den sie weckten,

Rauschet über ihrem Grab.

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 -1857)

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