Sisyphus bei der Arbeit.Foto: iStock

Schwierigkeiten als Geschenk annehmen

Von 9. Oktober 2021 Aktualisiert: 10. Oktober 2021 8:07
Durch Notlagen lernen wir die wichtigsten Lektionen unseres Lebens.

„In jeder Niederlage, jedem Herzschmerz, jedem Verlust liegt wie ein Same die Lektion, wie man seine Leistung beim nächsten Mal verbessern kann“, Og Mandino, Bestseller-Autor.

Mühsal. Schwierigkeiten. Krisen. Was ruft das in Ihnen hervor, wenn Sie diese Worte hören? Beschwören sie Gefühle von Furcht und Angst herauf,  einen Schweißausbruch oder gar sofortige Flucht? Wenn ja, dann stehen Sie damit nicht alleine.

Was aber würde geschehen, wenn wir unsere Schwierigkeiten in einem neuen Licht sehen würden? Was wäre, wenn wir uns nicht davor fürchten und stattdessen Schwierigkeiten als Geschenk betrachten könnten? Denn unsere wichtigsten Lektionen geschehen nicht dann, wenn wir sanft durchs Leben gleiten, sondern wenn wir in raues Fahrwasser geraten. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, der uns dazu zwingt, innezuhalten, uns selbst zu überprüfen und darüber nachzudenken, wie wir etwas besser machen können. Eine Art Bestandsaufnahme dessen, was im Leben wirklich zählt.

Die Wurzeln des Glücks

Emma Sappala von der Stanford University schreibt, dass im Annehmen statt nur Akzeptieren von Schwierigkeiten das Geheimnis eines glücklichen Lebens zu finden sei. „Das chinesische Sprichwort ‚Chi Ku Shi Fu‘ (Bitterkeit essen ist Glück) betont die Sichtweise, dass im Leiden die Möglichkeit für Weisheit und Wachstum liegt“, schreibt sie.

Das Konzept, dass Leiden ertragen zu guten Dingen führt, ist ein fester Bestandteil der alten chinesischen Kultur und Weisheit. Man glaubte, dass uns Schwierigkeiten vom Himmel gesandt werden;  Notlagen dienen vor allem dazu, uns selbst zu erkennen und zu verbessern, wodurch Tugend und Segen erlangt wird. Es ist entscheidend, sich dieser Sichtweise zu öffnen, wenn wir persönliches Wachstum erreichen wollen.

Sappala fährt fort: „Wir können uns entweder von negativen Erfahrungen herunterziehen lassen – oder wir können uns dafür entscheiden, sie anzunehmen und dadurch über uns hinauszuwachsen.“

Es kommt also darauf an, wie wir harte Umstände wahrnehmen und wie wir darauf reagieren. Egal was uns widerfährt.

Die Welt wie ein Stoiker sehen

Das alte China war nicht die einzige traditionelle Kultur, die die Unvermeidlichkeit des Leidens akzeptierte. Auch die Stoiker im antiken Rom und in Griechenland haben dies so verstanden.

Untersuchen wir das Leben der Stoiker, so finden wir Geschichten geprägt von großer Widerstandsfähigkeit im Umgang mit massiven Schwierigkeiten. Denn ihnen war klar, dass es keinen Sinn macht, danach zu streben, die Schwierigkeiten des Lebens zu vermeiden. Stattdessen suchten sie tief in ihrem Inneren nach der Kraft, die dem Sturm des Lebens standzuhalten vermag.

Die Stoiker konzentrierten sich auf eine tugendhafte Lebensweise im Einklang mit der Natur. Sie waren davon überzeugt, dass man einen tugendhaften Charakter immer mit sich trägt, er kann einem nicht genommen werden. Allein darauf kommt es an. Denn alles, was wir nicht kontrollieren können, kann auch leicht wieder verschwinden, daher sind Dinge wie Geld und Ruhm mit einer gewissen Distanz zu betrachten.

Der Psychotherapeut Donald Robertson ist der Ansicht, dass der Stoizismus einen bedeutenden Einfluss auf sein Fachgebiet hatte. Er hat dies in seinem Buch „Wie ein römischer Kaiser denken“ besonders hervorgehoben. Es zeigt auf, wie die Weisheit des stoischen Philosophen und römischen Kaisers Marcus Aurelius auf die Probleme des modernen Lebens angewendet werden kann.

Laut Robertson spielt es eine große Rolle, mit welcher geistigen Verfassung wir den Dingen begegnen: „Wenn jemand sich in einem Meeting ängstlich und bedrängt fühlt, wird er sagen: ‚Der Typ hat mich in die Pfanne gehauen.‘ Man könnte aber auch einfach sagen:  ‚Oh, er war mit mir nicht der gleichen Meinung.’ In der therapeutischen Arbeit mit Patienten wird es deutlicher: wird ein und dieselbe Situation in wertfreien, objektiven und sachlichen Begriffen beschrieben, wirkt sie oft viel weniger bedrückend. … Die Stoiker waren sich dieses Phänomens sehr bewusst.“

Von den Stoikern lernen wir, dass der Verlauf unseres Lebens nicht so sehr von einer Situation an sich bestimmt wird, sondern vielmehr davon, wie wir darauf reagieren.

Für einen Stoiker sind die äußeren Umstände nicht so entscheidend. Es geht vielmehr darum, was ein Ereignis durch unsere bewusst gewählte Sichtweise für uns persönlich bedeutet.  Diese Herangehensweise entzieht äußeren Ereignissen ihre Macht über uns und legt sie zurück in unsere eigenen Hände – besser gesagt, unseren Verstand.

Universelle Verbundenheit

Es mag tröstlich klingen zu wissen, dass Schwierigkeiten uns alle betreffen. Sie scheinen der große Gleichmacher im Leben zu sein – niemand ist davon ausgenommen.

Diejenigen, die große Erfolge erzielt haben, berichten immer auch von Entbehrungen und Misserfolgen auf dem Weg dahin; denn Dinge von wahrem Wert zu erlangen, ist selten einfach.

Der Erfinder Thomas Edison zum Beispiel ertrug über 10.000 Fehlversuche, bevor er Erfolg hatte. Von einem Reporter nach seinen Misserfolgen befragt, antwortete Edison: „Ich habe nicht 10.000 Mal versagt. Ich habe nicht ein einziges Mal versagt. Mir ist es gelungen, zu beweisen, dass diese 10.000 Wege nicht funktionieren. Wenn ich die nicht funktionierenden Wege ausschließen kann, werde ich den Weg finden, der schließlich funktionieren wird.“

Viele hätten bereits lange vor den 10.000sten Versuch aufgegeben. Weil Edison aber seine Misserfolge als wertvolle Lektionen und nicht als Fehlschläge ansah, machte er unbeirrt weiter.

Widrigkeiten umarmen

„Ein Edelstein kann nicht ohne Abrieb geschliffen werden, noch kann ein Mensch sich ohne Prüfungen vervollkommnen“, so hat dies der römische stoische Philosoph Seneca verstanden.

So ungut sich eine Situation jetzt auch anfühlen mag, es bleibt nicht alles für immer so. Blicken wir auf vergangene Schwierigkeiten zurück, die wir ertragen haben, so haben sie bereits ihren Stachel verloren. Es ist wichtig, dies immer im Hinterkopf zu behalten, denn unser Verstand kann die Dinge viel schlimmer machen, als sie tatsächlich sind. Wir alle haben schon einmal harte Zeiten überwunden und wir können dies wieder schaffen. Welchen Weg wir wählen, liegt letztendlich an uns selbst.

Um Epiktet zu zitieren: „Je größer die überwundenen Schwierigkeiten, desto größer der Ruhm. Den Ruf eines herausragenden Piloten gewinnt man in Stürmen und Unwettern.“

 

Dr. Tatiana Denning legt als Hausärztin ihren Behandlungsschwerpunkt auf Wellness und Prävention. Sie vermittelt ihren Patienten das Wissen und die Fähigkeiten, eigenverantwortlich ihre Gesundheit zu verbessern und zu erhalten.



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