Vom 5. bis 8. Mai 2022 gastierte Shen Yun im Festspielhaus Neuschwanstein Füssen.Foto: Epoch Times

Freiheitskampf hinter den Kulissen

Von 31. Mai 2022 Aktualisiert: 31. Mai 2022 11:08
Es scheint ein Mysterium. Während sich die Aufführungen der New Yorker Shen Yun Performing Arts weltweit zum gefeierten Kultur-Phänomen entwickeln, hat das Regime im kulturellen Heimatland China große Angst vor einer Renaissance der traditionellen chinesischen Kultur. Warum?

Das chinesische Künstlerensemble Shen Yun aus New York galt lange als Geheimtipp. Inzwischen ist das anspruchsvolle Tanz-Theater mit Live-Begleitung eines Klassikorchesters in den USA, Europa und Asien zur festen Größe avanciert. Auch in Deutschland machen die meist chinesisch-stämmigen Tänzer und Musiker regelmäßig Halt in großen Theatern. Die Kommunistische Partei Chinas soll jedoch versucht haben, einzelne Gastspiele zu verhindern. Doch was steckt hinter den Interventionen des Pekinger Regimes?

Füssen im Ost-Allgäu – das bayrische Städtchen im äußersten Süden Deutschlands – bringt man eigentlich eher nicht mit dunklen Mächten der Weltpolitik zusammen. Und doch bekam die Leitung des Festpielhauses Neuschwanstein im Vorfeld der Shen Yun-Vorstellungen Anfang Mai 2022 einen denkwürdigen Besuch vom chinesischen Konsulat in München. Was zunächst aussah wie ein harmloser Rundgang von Konsul und Kultur-Attaché, entpuppte sich aus Sicht des Festspielhauses als Versuch, die bevorstehenden Shen Yun-Shows aus politischen Gründen zu verhindern.

Tänzerisch und musikalisch dargeboten wird in allen Shen Yun-Vorstellungen die spirituell reichhaltige Kultur des alten Chinas. Das diesjährige Motto der Tournee: „China vor dem Kommunismus“. Neben ethnischen Tänzen, göttlicher Rettung und alten Legenden werden dem Publikum auch Tanzgeschichten präsentiert, die die Menschenrechtslage und Unterdrückung der Bürgerrechte im kommunistischen China thematisieren. Künstlerisch auf höchstem Niveau – und dennoch unmissverständlich. Für einige der Tänzer und Musiker bedeutet das, im amerikanischen Exil zu leben, um ihre Kunst aufführen zu können.

Theater-Besuch vom Konsul

Ungefähr drei Wochen vor den Füssen-Shows (sie fanden vom 05. bis 08. Mai statt) soll sich eine Delegation des chinesischen Konsulats in München im Festspielhaus Neuschwanstein eingefunden haben. Die Mitarbeiter der Auslandsvertretung wollten, heißt es, eine Begehung des Theaters vornehmen, um dieses kennenzulernen.

Bei einem abschließenden Gespräch, so berichten es Mitarbeiter des Shen Yun-Veranstaltungsteams der Epoch Times, sollen sich die Partei-Chinesen unter anderem erkundigt haben, ob denn auch Gastspiele im Festspielhaus stattfinden würden. Zunächst nicht ungewöhnlich. Doch als die Leitung des Festspielhauses die bevorstehenden Shen Yun-Shows erwähnte, soll von den Funktionären der Kommunistischen Partei plötzlich ein vorbereitetes Papier hervorgeholt worden sein, in welchem die New Yorker Tanztruppe politisch diffamiert wird.

Die Leitung des Festspielhauses wies die chinesischen Besucher den Insider-Angaben nach darauf hin, dass es sich bei ihrem Hause um ein privates Musiktheater handele, das erstens einen Vertrag mit dem Shen Yun-Ensemble habe und man zweitens selbst entscheide, welches kulturelle Programm im Theater gezeigt werde. Die chinesischen Gäste sollen daraufhin noch angemerkt haben, dass man ja zukünftig auch mit Künstlergruppen aus China im Festspielhaus auftreten könnte.

Trotz dieses Versuchs des Konsulats, hinter den Kulissen zu intrigieren, fanden die Aufführungen also wie geplant statt. Weltweit wurden bereits mehrfach Versuche durch China unternommen, die Aufführungen durch diplomatischen Druck zu stoppen. Auch in Füssen soll das Theater bereits 2019 ein unangenehmes Telefonat erhalten haben. Konsularische Repräsentanten der Kommunistischen Partei sollen gleich nach Veröffentlichung der damaligen Shen Yun-Termine beim Theater angerufen und versucht haben, die Shows zu stoppen. Auch damals ohne Erfolg.

Von brisanten Besuchen und Gesprächen im Vorfeld der Shen Yun-Vorstellungen bekamen die Theaterbesucher in Füssen weder im Jahr 2019 noch in diesem Jahr etwas mit. Umso mehr konnten sie sich an der Tanz-Gala erfreuen: „Ein Meisterwerk“, freute sich Medienpersönlichkeit und Schriftsteller Reinhard Eichelbeck und die PR-Managerin Silvia Koch erklärte in Füssen: „Ich habe schon viele Opern, Musicals und Tanzshows gesehen, aber Shen Yun war wirklich das Beste, was ich je gesehen habe.“

Dieter Liepsch, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München sowie Gründer und Präsident der Association of Biotechnology Research Institutes, wollte im Interview noch auf etwas anderes eingehen, was ihn tief bewegt hatte. Er habe eine Botschaft gespürt, die von Shen Yun ausgehe: „Die Botschaft ist, dass der Glaube an Gott, an das Göttliche, lebenswichtig ist.“

KP-Staat im Kampf gegen Kultur und Tradition

Warum bemüht sich das chinesische Konsulat so hartnäckig darum, die Aufführung der traditionellen chinesischen Tanz-Darbietung zu verhindern? Warum ist Shen Yun in China sogar verboten? Zwei Motive sind relativ klar: Zum einen ist China ein Kontrollstaat unter Doktrin der atheistischen kommunistischen Ideologie. Die Ursprünge der Zerstörung der traditionellen und damit auch spirituell reichhaltigen Kultur reichen bis zu Mao und die Kulturrevolution zurück.

Shen Yun-Moderator Leeshai Lemish, erzählte der Epoch Times im Interview: „Es gibt in China drei, vier oder fünf Generationen, die in dieser Zeit aufgewachsen sind und nicht wissen, worum es in der traditionellen Kultur ging“, so der Master of Ceremonies. Viele Helden der Vergangenheit stelle das Regime jetzt als Bösewichte dar und verfälscht damit die Geschichte. In der alten chinesischen Kultur lernte man von der Vergangenheit und den Vorfahren. „Die Alten strebten ein tugendhaftes Leben auf der Grundlage von Prinzipien wie Nächstenliebe, Anstand, Loyalität und Glauben an.“ Die Spiritualität war über Jahrtausende eine tragende Säule der chinesischen Zivilisation. Weil Shen Yun sich zur Aufgabe gemacht hat, die traditionelle Kultur Chinas wiederzubeleben, ist im Programm der Tanz-Aufführung auch die Spiritualität ein übergeordnetes Thema.

Zum anderen wird bei Shen Yun ein chinesisches Tabu-Thema tänzerisch auf der Bühne dargestellt: die brutale Verfolgung von Menschen, die Falun Gong üben. Die Mitte der 1990er-Jahre in China aufgekommene spirituelle Praxis mit jahrtausendealtem Hintergrund erlebte in wenigen Jahren in China einen Boom – und das allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Staatliche Stellen in China schätzten zum Jahrtausendende und Hochrechnungen zufolge, dass es zu dieser Zeit 70 bis 100 Millionen Menschen aller Gesellschaftsschichten in China gab, die Falun Gong ausübten. Möglicherweise fühlte sich der Allmachtsanspruch der deutlich weniger Mitglieder zählenden kommunistischen Partei und ihres damaligen Führers Jiang Zemin durch die schiere Masse derer herausgefordert, die sich nach den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht forderten und Meditationsübungen zur Verbesserung von Körper und Geist praktizierten. Am 20. Juli 1999 startete Führer Jiang eine vernichtende Verfolgungskampagne, die bis zum heutigen Tage anhält und seit einigen Jahren in einem grausamen Organraub an lebenden Gewissensgefangenen in China gipfelt.

Ein geleaktes Dokument dieser Tage bezeugt, dass es weiterhin das Hauptziel des KP-Regimes sei, Falun Gong „umzuerziehen“ oder „auszulöschen“.

Präsidentin begrüßt Shen Yun in Taiwan

Im Gegensatz zu China ist Shen Yun im rund 150 Kilometer entfernten Taiwan herzlich willkommen. Seit 14 Jahren gastiert die New Yorker Tanz-Gala nun in dem Inselstaat von etwa der Größe der Schweiz. In diesem Jahr finden 27 Aufführungen vom 7. Juni bis zum 10. Juli in sieben großen Städten Taiwans statt.

Viele Grußbotschaften aus dem Mainstream erreichten das Ensemble und begrüßten die Rückkehr von Shen Yun nach Taiwan. Aufgrund der Pandemie waren drei Jahre seit den letzten Aufführungen in Taiwan vergangen. Nicht nur zahlreiche Bürgermeister, Ortsvorsteher und Parlamentsabgeordnete hatten Grußbotschaften geschrieben.

Auch aus der Regierung kamen die Glückwünsche, wie die chinesischsprachige Epoch Times berichtet. Staatspräsidentin Tsai Ing-wen sandte am 20. Mai eine Glückwunschbotschaft, um Shen Yun in Taiwan willkommen zu heißen: „Ich hoffe sehr, dass dieses bedeutsame Event uns die subtile Schönheit der chinesischen und westlichen Tanzkunst näher bringt, die graziösen Rhythmen der traditionellen Musik erleben lässt, sowie den internationalen Kulturhorizont erweitert“, so Präsidentin Tsai.

Vizepräsident Lai hob die „musikalische Kunstfertigkeit” der Gala hervor und Außenminister Wu lobte Shen Yuns „lebendige Ausstrahlung und tiefsinnige Konnotation“. Grüße kamen auch von Herrn Su, dem Finanzminister der Republik. Kulturminister Li, der Shen Yun „perfekt“ und von „überdurchschnittlicher Schönheit“ nannte, „sowohl im Inhalt als auch in der Form“, betitelte seine Grußbotschaft mit „Der göttliche Tanz des Himmels“.

Die erste Aufführung in Taiwan wird am Nachmittag des 7. Juni in Chiayi stattfinden. Huang Minhui, Bürgermeister der 270.000 Einwohner-Stadt, schrieb in seiner Grußbotschaft: „Es macht die Menschen atemlos und fasziniert“. Nach Bürgermeister Huang sei die positive Kraft der Gala grenzenlos und sie präsentiere das Reich der Wahrheit, des Guten und der Schönheit in Form von Kunst.



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