Willy Wimmer: Wo ist die deutsche Kultur geblieben? – Prominente klagen an + Video

Von 28. February 2018 Aktualisiert: 27. März 2018 22:08
Auf deutschen Bühnen wird „Hitler-Nostalgie" der übelsten Sorte betrieben. Man muss den Eindruck haben, dass man über diese Vorgehensweise die deutsche Kultur genau da haben will, wo man sie gerne haben würde, aber nicht haben kann.

Es gibt sie noch, die Zeitgenossen, denen Deutschland und Kultur am Herzen liegen. Der global denkende deutsche Kulturphilosoph Roland Ropers und sein guter Freund, der weltweit hoch angesehene Opernsänger, Herr Professor Bernd Weikl, zählen an prominenter Stelle dazu.

Beide sprechen über Kultur und Deutschland und sie gehen in die Öffentlichkeit. Roland Ropers hat in diesen Tagen bei „world economy“ einen geradezu wegweisenden Text über die notwendige Symbiose zwischen Nation und Kultur, bezogen auf Deutschland, veröffentlicht. Dieser Text ist geeignet, die Diskussion zu beiden Themenbereichen aus jener „Nischen-Mentalität“ herauszuholen, die mit dem Begriff von der „deutschen Leit-Kultur“ verbunden ist.

In einer Zeit des Umbruchs sagt Roland Ropers mehr aus über Nationalbewusstsein, Identität und damit Kultur, als der ganze Koalitionsvertrag einer „Regierung im Wartestand“.

„Regierung im Wartestand“ und Sprachlosigkeit dem Volk gegenüber

Nicht nur Roland Ropers und Professor Weikl beklagen den Umstand, in Deutschland und vor allem im politischen Berlin, Dinge unter den Tisch fallen zu lassen. Beide Herren haben wegen Überlegungen zur Entwicklung der Kultur in Deutschland sowohl die Kutur-Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Frau Prof. Dr. Monika Grütters, MdB, als auch Herrn Bundespräsidenten Walter Steinmeier angeschrieben, mehrfach sogar. Die so oft postulierte „Bürger-Nähe“ schlug sich darin nieder, auf keinen Brief eine Antwort zu erhalten.

Nähern wir uns in Berlin wieder dem administrativen Absolutismus?

Nicht, dass beide Amtsträger nicht kommunizieren. Sie haben schon zahlreiche sogenannte „Außenkontakte“. Aber offensichtlich unter dem Aspekt, daß man sich denen zuwendet, die im Berliner Sinne „dazugehören“ oder in anderer Weise genehm sind.

Das nennt man „sektorale Geneigtheit“ oder Sprachlosigkeit, dem Volke gegenüber. Es geht aber weiter.

Nationale Kultur ist nicht wichtig?

Wenn man sich den Koalitionsvertrag ansieht und einmal das noch ausstehende Mitgliedervotum der SPD ausblendet, stellt man zur eigenen nationalen Kultur fest, dass sie jedenfalls ein „Mauerblümchen-Dasein“ bei einer neuen Bundesregierung fristet. Es reicht nicht aus, die Weiterbeschäftigung von Frau Prof. Dr. Grütters wohlwollend zu kommentieren.

Die Bundesregierung leistet schlechterdings keinen Beitrag zu einer nationalen Frage von immer größer werdender Bedeutung, wie der deutsche Schriftsteller und politische Publizist, Herr Dr. Wolfgang Bittner, wieder und wieder öffentlich beklagt.

Der Deutsche Bundestag macht in diesen Wochen trotz ausgedörrtem Sitzungskalender deutlich, um was es geht. Man drischt im Plenum wieder aufeinander ein. Es ist wie nach einer Entwöhnungs-Kur und dem ersten Schnapsglas.

Fronten werden deshalb aufgemacht, weil man die vergangene Legislatur-Periode entweder verschlafen oder willentlich die Funktion eines Parlamentes außer Kraft gesetzt hat. Bei „Anne Will“ wurde am letzten Sonntag die Feststellung eines Mainzer Professors selbst durch die Herren Scholz und Bouffier positiv kommentiert. Danach sei der Deutsche Bundestag in der letzten Legislatur-Periode der zentralen Frage nach der Rechtsstaats-Ordnung in den Jahren der Migration nicht gerecht geworden.

In dieser Frage sind weitere Faktoren relevant. Nicht nur das Schweigen gewählter Abgeordneter in einer Zeit, als es um die Wahrung unserer staatlichen Ordnung und den Zustrom von Menschen nach Europa und Deutschland ging und weitergeht.

Im Ergebnis hatten und haben viele Menschen in Deutschland den Eindruck, man habe es mit einem komplizenhaften System auf staatlicher Seite mit den Organisatoren der Migrationsbewegung zu tun.

Diese Einschätzung ist unabhängig von der Frage, dass erst deutsche Kriegsbeiträge für völkerrechtswidrige Kriege einen wesentlichen Beitrag zur Migration von Menschen geliefert haben.

Die Zeit des dröhnenden Schweigens zu den größten Herausforderungen der jüngeren deutschen Geschichte hat uns mit einem anderen Umstand vertraut gemacht. Ziemlich zwangsweise übrigens, wenn man genau hinsieht. Zunehmend werden die deutschen Beziehungen zu anderen Regierungen und Staaten von denen maßgebend beeinflusst, die selbst oder in der Generation ihren Eltern Zuflucht in Deutschland gefunden haben. Diese Zuflucht erhielten sie deshalb, weil aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat für elementare Überlegungen geradezu „ausfiel“.

Jetzt gehen diejenigen, denen wir einst Zuflucht eingeräumt haben, hin und beeinflussen die deutsche Politik ihren Herkunftsländern gegenüber in einer Weise, dass uns Angst und Bange werden muss.

Die Gründe, deretwegen sie die Heimatländer verlassen haben, werden im Namen Deutschlands zur Waffe oder Auseinandersetzung ihren Heimatländern gegenüber gemacht.

Dies geschieht ohne Rücksicht auf die deutschen Interessen und ohne die Deutschen zu fragen. Unsere Beziehungen zur Türkei sind ein Musterbeispiel dafür.

Die jüngere und fernere Vergangenheit wird im Deutschen Bundestag nach Gusto für eigene Zwecks nutzbar gemacht

Es fing mit einer Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Gauck auf einer angeblichen Sicherheitskonferenz in München an. Geradezu mit Abscheu ging dieser Herr diejenigen Zeitgenossen an, die gerade aus Gründen des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen die Einhaltung der eigenen Verfassung und des internationalen Rechtes durch eine deutsche Bundesregierung einforderten.

Seit dem ordinären Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 und den verbrecherischen Folgekriegen, u.a. in dem Kriegsgürtel zwischen Afghanistan über Irak und Syrien bis hin nach Libyen, beteiligen wir uns an Angriffskriegen gegen andere Völker in dem Kriegsverständnis, wie es zum Zeitpunkt des Angriffs des Deutschen Reiches auf Polen gang und gäbe war.

Wir unternehmen über die NATO alles, den zivilisatorischen Durchbruch in Sachen Krieg, wie er auf sowjetischem Druck bei der Konferenz von Jalta manifest geworden war und die Charta der Vereinten Nationen mit dem Gewaltmonopol erst möglich gemacht hatte, nachhaltig im amerikanischen Kriegsinteresse wieder auf das Niveau von 1939 zurückzubringen. Das soll dann für die Bundeswehr traditionsbildend sein?

Das internationale Recht gemeinsam mit anderen auszuhebeln? Davor muss gewarnt werden und denen muss das Handwerk gelegt werden, die Krieg im westlichen Interesse so zum Normalfall werden lassen, wie es derzeit geschieht.

Man kann nur mit Schaudern nachlesen, was Herr Präsident a.D. Gauck denjenigen unterstellte, die ihre Konsequenzen aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen haben. Man kann keine Verbrechen „auf der richtigen Seite“ begehen, ohne sich auf verhängnisvolle Stufen zu stellen.

Künstler weigern sich, ständig „unter dem Hakenkreuz“ aufzutreten.

HAuf deutschen Bühnen wird „Hitler-Nostalgie“ der übelsten Sorte betrieben. Herr Professor Weikl hat öffentlich darauf aufmerksam gemacht, wie dadurch Instinkte national und international geradezu bedient werden. Man muss den Eindruck haben, dass man über diese Vorgehensweise die deutsche Kultur genau da haben will, wo man sie gerne haben würde, aber nicht haben kann.

Es geschieht nicht auf den Bühnen alleine.

Die zahlreichen Fernsehprogramme strotzen von dieser keulenhaften Nostalgie und es drängt sich der Eindruck auf, dass darüber nicht nur das deutsche Volk beeinflusst werden soll, sondern die tagtäglich begangenen Gräueltaten anderer einen Schutzschild erhalten sollen.

John Keegan hat von dem „Kampf um die Geschichte“ geschrieben. Es war ein Historiker, der seine Sprache kunstvoll in einer historischen Frage eingesetzt hat.

Christopher Clark hat mit seinem in einem wunderbaren Englisch verfassten Werk über die in den Ersten Weltkrieg drängenden „Schlafwandler“ dem gegen Deutschland und die Deutschen gerichteten und über Jahrzehnten kunstvoll errichteten Dämonisierungsbild einen tödlichen Schlag versetzt hat. Man muss sich nicht nur fragen, ob deutsche Historiker nicht dazu fähig sind, sich mit der deutschen Geschichte so zu beschäftigen, wie es jemandem aus dem englisch-sprachigen Kosmos möglich gewesen ist?

Dabei könnte man fast, aber nur fast, übersehen, wie Christopher Clark die englische Grundverantwortung für genau diesen Krieg camoufliert hat.

Wenn man Versailles 1919 und die beabsichtigten Zerstörungsmechanismen gegen einen erfolgreichen Staat und eine bewundernswerte Kulturnation hinzunimmt, kann man nicht nur das Elend des vergangenen Jahrhunderts ermessen.

Man hatte Deutschland und die Deutschen über Versailles am Haken und man wollte weder Deutschland noch die Deutschen jemals wieder von diesem Haken lassen. Christopher Clark hat diese Linie nachhaltig unterbrochen.

Die amerikanische, globale Kriegs-und Aggressionspolitik, vor allem gegen Russland, macht heutzutage andere Dimensionen deutlich. Das werden diejenigen bedenken, die Deutschland und die Deutschen lieber an dem von anderen konstruierten Haken lassen wollen. Es kommt was auf uns zu, wie Olaf Scholz bei Anne Will es am Sonntag sagte und das nicht nur bei den Auseinandersetzungen im Deutschen Bundestag.

Der Text wurde bei „world economy“ am 26. Februar 2018 erstveröffentlicht. Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung der Epoch Times oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.

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