Ein Loch in der Berliner Mauer, die zwischen 1961 und 1989 Ost- und Westberlin trennte.Foto: iStock

Der Grenzgänger: 13. August – Jahrestag des Mauerbaus

Von 15. August 2021 Aktualisiert: 16. August 2021 8:54

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Ein politisches Versprechen: Plötzlich stand sie da.

Ganz schnell wurde aus diesem Versprechen von Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 ein Verbrechen, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit – denn dieser Koloss aus Stein und Draht forderte zahlreiche Menschenleben und brachte viel Leid und Not über das deutsche Volk.

Bereits zwei Monate nach Ulbrichts „Versprechen“ wurde sie gebaut, die Mauer zwischen Ost und West. Ganze 28 Jahre stand sie inmitten von Deutschland und nach dem Baubeginn am 13. August 1961 sollte sie am 9. November 1989 fallen. Während ihres Bestehens und wegen des Drangs der Menschen nach Freiheit trugen sich an diesem „Schutzwall“, der innerdeutschen Grenze, zahlreiche Dramen ab: Familien wurden getrennt, Dörfer ebenso und mit ihren knapp 1.400 km trennte diese Demarkationslinie ein ganzes Land in Ost und West.

Trotz dieses abschreckenden Bollwerks und der Gehirnwäsche seitens des DDR-Regimes konnten nicht alle Ost-Bürger von der Überlegenheit des Ostens überzeugt werden: Viele versuchten durch diese Mauer zu schlüpfen. Es gelang nur wenigen. Es fanden mindestens 140 Menschen am Berliner Teil der Mauer den Tod – laut Angaben des Zentrums für zeithistorische Forschung und der Stiftung Berliner Mauer. Am gesamten Grenzverlauf waren es mehr als 600 Menschenleben.

Das letzte Maueropfer hieß Winfried Freudenberg. Er starb am 8. März 1989 beim Absturz mit einem Ballon über West-Berlin. Der letzte DDR-Bürger, der beim Fluchtversuch erschossen wurde, hieß Chris Gueffroy, der am 5. Februar 1989 in Berlin-Treptow von DDR-Grenztruppen ermordet wurde.

Den Blick auf dieses unwirkliche, surreale Gebilde beschreibt die Geschichte von Axel, der auf der Westseite als Sohn eines Bundesgrenzschutzbeamten im Zonenrandgebiet seine Kindheit und Jugend verbrachte. Bei Axel zieht sich die Mauer durch sein Leben – so wie sie sich inmitten von Europa bis 1989 durch Deutschland zog. Untrennbar ist er mit ihr verbunden. Hier ein paar Grenzsteine aus Axels Leben. 

Kindheit an der Grenze

Axel war wie viele Kinder ein Junge, der gerne mit seinen Freunden in der Natur spielte. Damals in den 80ern waren die Kinderzimmer noch nicht so technisch hochgerüstet, wie dies heute der Fall ist. Er ging oft mit seinen Freunden in den nahe gelegenen Wald. Es war einer, wie ihn viele Kinder kennen, aber es gab einen großen Unterschied zu den sonstigen Wäldern. Denn durch Axels Wald verlief ein Stück der innerdeutschen Grenze.

Und so integrierten er und seine Freunde gerne beim Spielen die nahe gelegenen Beobachtungstürme der Grenztruppen der DDR. Sie spielten häufig ausspionieren und sie hatten Ferngläser dabei, mit denen sie die Aktivitäten an der Grenze und besonders die der Wachleute auf den Türmen beobachteten. Sie malten sich die wildesten Geschichten aus, wie sie die Türme überfallen würden, sie stellten sich vor, wie es wäre, auf der anderen Seite dieser Mauer zu leben, und sie dachten darüber nach, ob die Kinder auf der anderen Seite auch so spielen wie sie.

Axel und seine Freunde konnten auch hin und wieder Menschen auf der anderen Seite des Zauns beobachten, wenn sie zum Beispiel im Garten die Wäsche aufhängten. Manchmal riefen sie in den Osten hinüber und hofften auf eine Reaktion, vergeblich.

Auch die Grenztruppen selbst antworteten nie auf ihre Zurufe. Es schien, als befände sich zusätzlich zum Stück Stahlbeton auch noch ein gewaltiger unsichtbarer Lärmschutz zwischen Ost und West. Axel hatte selbst auch immer viel Respekt vor der Mauer und der Grenzanlage, denn er wusste von seinem Vater, dass sie nicht zu nah heran gehen durften, und trotz ihrer kindlich leichten Art verlief die gesamte Kindheit ohne Zwischenfälle.

Axel meint: Es ist erstaunlich, dass über all die Jahre nie etwas Schlimmes geschehen ist. Für uns Kinder war es nur ein Spiel, für alle anderen bitterer Ernst, und trotz der gesamten Drohkulisse blieb es friedlich – zumindest in diesem Grenzabschnitt. 

Als Jugendlicher über die Transitstrecke nach Berlin

Als Axel älter wurde und zum Jugendlichen heranwuchs, war die Mauer immer noch da. Es gab kaum Veränderungen in seinem heimischen Grenzabschnitt, nur spielten sie alle nicht mehr im Wald, die Interessen galten jetzt anderen Dingen. Der Pate von Axel fand zur damaligen Zeit eine Freundin aus Westberlin und zog zu ihr. Und eines Tages fuhr die gesamte Familie zum Paten über die Transitautobahn durch die DDR nach Berlin, Westberlin.

Es war ein seltsames Gefühl, so erinnert sich Axel. Die Trabbis und Wartburgs fuhren alle schneller als Axels Vater und überholten ständig und blickten manchmal triumphierend zum Westauto hinüber. Der Vater war aber sehr konzentriert: Bloß nicht zu schnell fahren, 100 km/h waren erlaubt, mehr nicht. Es war eine bedrückende Fahrt und das Gebot zur Stunde lautete: Besser nicht auffallen.

Es war ein Durchrütteln auf den Betonplatten und die Überfahrt schien unendlich lange. Das unerlaubte Verlassen der Autobahn war strikt verboten; es drohten hohe Strafen bei Missachtung, mitunter sogar die Verhaftung. Das Rasten war nur an den Transitstätten erlaubt, dort trafen Ost und West aufeinander und die Stasi war an diesen Orten allgegenwärtig.

Es war eine Straße der Schikane und besonders an den Grenzübergängen konnte Axel deutlich spüren, dass jeder Wessi verdächtig war und auch so behandelt wurde. Auf der Rückfahrt, so erinnert er sich, musste er ganz dringend austreten und es bildete sich eine lange Schlange am Grenzübergang. Minuten wurden zu Stunden, aber er konnte nicht raus, die ganze Familie bangte mit Axel und er erinnert sich heute noch an das Gefühl von Freiheit und Erleichterung, als sie wieder im Westen angekommen waren und auf den nächsten Parkplatz rausfahren konnten.

Bis heute ist ihm dieses Gefühl zwischen Unfreiheit und Freiheit im Gedächtnis geblieben. Nie mehr hatte er in seinem Leben solche Schmerzen erleben müssen, weil er nicht austreten gehen konnte. Es hätte auf der Ostseite sehr gefährlich werden können, an der Grenze kurz vor dem Grenzübergang den Wagen unerlaubt zu verlassen – zumal der Vater ja auch noch beim Bundesgrenzschutz tätig war. Es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die einem im Gedächtnis bleiben, wenn die Umstände so besonders sind, wie sie damals waren, sagt Axel heute.

9.11. – Ein Geburtstag und der Mauerfall

Die Felder und Wälder waren leicht vom Schnee bedeckt, es war der Geburtstag der Tante und die Familie saß bei Kaffee und Kuchen beisammen. Es lag bereits in der Luft, was dann in der folgenden Nacht in die Geschichtsbücher eingehen sollte: In der Nacht vom Donnerstag, 9.11. auf den 10.11.1989 fiel die Mauer.

Sie wurde zuerst für immer geöffnet, später vollständig demontiert. Axel kann sich noch gut an diesen Tag, den Geburtstag seiner Tante, erinnern, denn nach dem Kaffeetrinken fuhr die gesamte Familie zur Grenze, um nachzusehen, welche Situation und Stimmung dort vorherrschte. Es wurde viel gemunkelt, die Öffnung lag förmlich in der Luft, aber es war noch nicht offiziell und damals war noch alles möglich.

Als sie an der Grenze ankamen, sah auch Axel zum ersten Mal bewusst das, was er sich als Kind immer sehnlichst gewünscht hatte: Diesseits und jenseits der Mauer standen sich Menschen winkend und rufend gegenüber; es waren noch langsame Schritte der Annäherung – aber es lag eine so freudige Aufbruchsstimmung, so viel Positivität in der Luft, dass Axel beim Rückblick feuchte Augen bekommt. Er meint, dass man sich diese Zeit nur schwer vorstellen kann, wenn man sie nicht selbst miterlebt hat, die Zeit der Öffnung – es lag Freiheit in der Luft.

Die Verbindung zwischen Ost und West 

Axel, ein Grenzgänger von Kindesbeinen an, hat auch seine ganz persönliche Wiedervereinigung zwischen Ost und West erlebt.

Er sagt, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass diese Mauer eines Tages fallen würde und dass das deutsche Volk wieder vereinigt sein könnte. Axel schwärmte von den Städten Leipzig, Dresden, Halle, Jena und Weimar, die er seit dem Mauerfall bereits mehrfach besucht hat. Er liebt die klassische Musik und gerade Weimar sei als ein Zentrum der deutschen Dichter, Musiker, Denker ein Kulturgut allerersten Güte.

Und so hat es dann auch das Schicksal mit Axel sehr gut gemeint, denn Axel ist heute mit Sabine, einer waschechten Thüringerin, verheiratet und er kommt ins Schwärmen, wenn er von ihr und über Thüringen spricht. Er meint, dass es für den Frieden innerhalb Europas und auch Deutschlands ein Meilenstein in der Geschichte war, dass die Mauer fiel.

Der 13. August ist ein Gedenktag, ein Mahntag, wir dürfen nie vergessen, wie schlimm diese Trennung zwischen Ost und West war. Für Axel ist es an der Zeit, keine neue Mauer zwischen den Menschen zu bauen. Das Gebot der Stunde sollte lauten: Geht aufeinander zu, baut keine neuen Mauern!

Das Foto mit einem Stück von der echten Berliner Mauer aus dem Jahr 1989 erinnert Axel an seine Kindheit, die unbeschwerten Tage im Wald und an die Unwirklichkeit dieser Mauer, die Deutschland früher einmal teilte.



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