Adoptionsschwindel: US-Familien adoptierten Waisenmädchen aus Uganda, die gar keine Waisen waren

Epoch Times2. Juni 2018 Aktualisiert: 2. Juni 2018 8:15
Jessica und Adam Davis aus Ohio hatten bereits eine reizende Familie mit vier Kindern. Doch ihr Wille, Liebe und Heilung in die Welt zu tragen, war so stark, dass sie ihr Zuhause für ein Waisenkind aus Uganda öffnen wollten. Doch dann begann der Alptraum …

Für sie war eine Adoption eine Möglichkeit, etwas zu bewirken. Auch wenn das hieß, nur einem einzigen Kind, das in einer Welt „voller Verlust, Not und sehr vielen Hindernissen“ lebt, „Gutes, Frieden und Heilung in der Welt“ zu bringen, so Jessica.

Jessica und Adam trafen ihre Entscheidung nicht leichtfertig. Sie wussten, dass eine Menge Arbeit auf sie zukam, wenn sie sich für ein weiteres Kind entscheiden würden – nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Doch sie wollten es tun und informierten sich bezüglich einer Adoption im In- und Ausland.

Sie hatten gelesen, dass Uganda mit fast drei Millionen Waisenkindern eines der bedürftigsten Länder war.

So öffneten sie ihre Herzen und ihr Heim für ein kleines Waisenmädchen namens Namata, sie nannten sie Mata, aus Uganda. Es war ein langer und schwieriger Prozess, die Adoption legal und ethisch abzuwickeln. Das hieß für sie jede Menge Papierkram, insgesamt fast 65.000 Dollar Kosten und ein Jahr lang Formalitäten, bevor sie ihr Kind endlich treffen konnten.

Es war ein langer, beschwerlicher Weg, die 6-Jährige in ihr neues Zuhause zu bringen.

2015 kam Namata schließlich zu ihrer neuen Familie. Aber „nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was als Nächstes geschah“, sagte Jessica in einer Stellungnahme auf CNN.

Das aufgeweckte und liebenswerte kleine Mädchen lernte schnell Englisch. Und so fing sie an, der Familie Davis Geschichten über ihr Leben und über ihre Heimat zu erzählen, was jedoch etwas ganz anderes war, als das, was sie zu wissen glaubten.

Der Familie hatte man erzählt, dass Namata ein Waisenkind sei. Auf dem Foto war kein Vater zu sehen. Und die Mutter sei zwar am Leben, doch sie habe das Mädchen vernachlässigt und sei nicht in der Lage, sich um Namata zu kümmern. So sei das Mädchen zu einem Mündel des örtlichen Waisenhauses geworden.

Man hatte Jessica und Adam erzählt, dass Namata misshandelt und vernachlässigt worden sei, nie eine Schule besucht und nur selten etwas zu essen bekommen habe. Diese Geschichte hatte man am Telefon so ernsthaft und glaubhaft vorgebracht, dass sie sich in das Gedächtnis der beiden eingebrannt hatte.

Bei dem Gedanken, dass Namata sich ein früheres Leben ausgedacht haben könnte, um mit dem Trauma fertig zu werden, brach es Jessica das Herz.

„Aber mir wurde klar, dass sie mir etwas ganz anderes erzählte – und etwas viel wichtigeres“, schrieb Jessica. Im Jahr 2015 waren sie sogar nach Uganda geflogen, um Namata zu besuchen. Im God’s Mercy Orphanage hatten sie ein kleines Mädchen in einem tristen Raum ohne Spielzeug und mit Gitterstäben an der Wand gesehen.

Aber als sie anfing, Englisch zu sprechen, erzählte sie der Familie, dass ihre Mutter eine wirklich gute Mutter sei, die sie liebe und sie jeden Tag zur Schule gebracht habe.

Daraufhin studierte die Familie die Dokumente ganz genau, um irgendwelche Anhaltspunkte zu finden, doch es ergab für sie keinen Sinn.

„Es stellte sich alles als Lüge heraus!“

Gegenüber CNN sagte Jessica: „Das Kind, für dessen Adoption wir jahrelang gekämpft haben, war überhaupt kein Waisenkind.“ Man hatte das Paar angelogen!

„Das einzige Trauma, das Namata je erlebt hat, war, dass wir einen Adoptionsantrag für ein Kind stellten. Sie hatte ein Zuhause und war mit ihrer Mutter glücklich ‑ bis sie für uns ausgewählt wurde“, so Adam im Gespräch mit CNN.

Unterdessen glaubte Namatas Mutter, dass ihre kleine Tochter ins Ausland geschickt worden war, um dort zur Schule gehen zu können.

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Man war an die Mutter herangetreten mit dem Angebot, ihre Tochter sehr gut auszubilden. Doch wie wusste nicht, dass sie damit gleichzeitig ihre Rechte als Elternteil abtrat.

Die Familie Davis war entsetzt, als sie erkannten, dass „wir daran beteiligt waren, ein Kind aus seiner liebevollen Familie zu reißen“, sagte Jessica. Aber sobald ihnen die Umstände klar waren, setzten sie alles daran, es wieder in Ordnung zu bringen. Sie versuchten, ein Wiedersehen zwischen Namata und ihrer Mutter zu arrangieren.

Als sie dem Mädchen erzählten, dass es wieder mit seiner Mutter sprechen könne, lächelte es freudestrahlend.

Namatas Mutter legte dar, wie man sie betrogen hatte, um unwissentlich ihre Mutterrechte abzutreten. Man erzählte ihr, dass die Familie die Ausbildung ihrer Tochter in Amerika für ein oder zwei Jahre sponsern würde.

Die Anwältin Keren Riley setzt sich für Projekte ein, Kinder aus Uganda wieder mit ihren Familien zu vereinen. Gegenüber CNN sagte sie, dass es tatsächlich mehrere Organisationen gebe, die sich Familien als Opfer aussuchen würden, die in irgendeiner Weise Schwierigkeiten hätten. Sei es, dass die Mutter alleinerziehend ist, oder dass mehrere Kinder vorhanden sind, die nicht richtig versorgt werden können.

„Es ist leicht, sie hinters Licht zu führen“

Sie könnten sich der Mutter in einer örtlichen Dorfkirche nähern und ihr von dieser wunderbaren Bildungsmöglichkeit erzählen, bevor sie sie dazu bringen, alle möglichen Genehmigungsformulare zu unterschreiben. Darüber hinaus werden Dokumente gefälscht, sodass die Kinder am Ende von Familien adoptiert werden können, die bereit sind, Tausende und Abertausende von Dollar zu zahlen, damit diese Kinder ins Ausland geflogen werden.

Jessica erzählte ihre ganze Geschichte. „Ich möchte nicht, dass andere Mütter das auch durchmachen müssen“, sagte sie. Laut CNN werden diese Kinder für ungefähr 15.000 Dollar an nichtsahnende Familien verkauft.

Das Paar arbeitete mit der Agentur „European Adoption Consultants“ (EAC) zusammen, die jetzt vom Außenministerium und dem FBI untersucht wird. Jessica und Adam wissen, dass sie betrogen wurden. Unklar ist, ob EAC bei diesem Kinderhandel eine wissende Rolle spielte oder ob die Organisation selbst von ugandischen Waisenhäusern betrogen wurde.

EAC hat seit 1990 über 2.000 ausländische Kinder in US-Familien vermittelt. Laut CNN wurde der Agentur jetzt die Zulassung entzogen, weil sie nicht sichergestellt hat, dass ihre ausländischen Partner sich nicht an „der Entführung, der Ausbeutung, dem Handel und dem Verkauf von Kindern“ beteiligt haben. Selbst wenn die Agentur unwissentlich an dem Menschenhandel beteiligt war, handelte sie dennoch grob fahrlässig und hielt die strengen Normen und Verfahren für internationale Adoptionen nicht ein.

Der Alptraum der Familie Davis ist kein Einzelfall.

Auch Stacey Wells aus West Virginia hatte mit EAC zu tun. Mitarbeiter der Agentur hatten ihr von einem kleinen Mädchen namens Violah erzählt, das seine Eltern verlassen hätten. „Sie erzählten uns, dass die Mutter sie nach dem Tod des Vaters nicht ernährt habe, und dass man sie krank, ja praktisch sterbend gefunden habe“, sagte Stacey zu CNN.

Ihre Gedanken waren bei diesem Mädchen, das so viel erlitten, aber trotzdem ihr Lächeln nicht verloren hatte. Nach einem mühseligen und teuren Adoptionsprozess konnte die Familie Wells ihre Adoptivtochter endlich aus Uganda nach West Virginia holen.

Als Violah dann Englisch lernte, fielen die Geschichten von EAC auseinander. Liebevoll sprach sie über ihre Erlebnisse mit ihrer Mutter und ihren Schwestern, die sie liebten.

Entsetzt über die Wahrheit flog Stacey mit Violah wieder nach Uganda, um die Familie, die sie unwissentlich auseinandergerissen hatte, wieder zu vereinen.

„Es war sehr schwer. In dem Moment wurde mir klar, dass sie wie meine Tochter war, und noch immer ist“, so Stacey. „Aber ich wusste, dass sie dort war, wo sie sein sollte.“

Die Familie Wells ist mit Violah durch Video-Chats in Kontakt geblieben. Und auch die Familie Davis hat weiterhin Kontakt mit Namata. Die beiden Mädchen wurden in ihrem Dorf gute Freundinnen.

Aber nicht alle Geschichten gingen so versöhnlich aus. Einige dieser Kinder wurden adoptiert und nie wieder in ihre Heimat zurückgebracht.

In den Vereinigten Staaten versuchen jährlich über eine Million Familien, ein Kind zu adoptieren. Skrupellose Organisationen nutzen wehrlose Familien in den Ländern der dritten Welt aus, um deren Kinder ins Ausland zu verkaufen.

„Um Profit zu machen, nutzen sie die schwächsten Mütter aus“, sagte Jessica.

Mehr über Namata und ihre Geschichte in der CNN-Doku (englisch)

Quelle: Family adopts orphaned girl from Uganda. But then she learns english & that was far from the truth