Die reichsten Deutschen im Überblick – und: Kann der Neid eine Gesellschaft zerstören?

Epoch Times17. September 2019 Aktualisiert: 17. September 2019 8:14
Experten, u.a. das Wirtschaftsmagazin BILANZ, haben kürzlich die Reichsten des Jahres 2019 ermittelt. Dabei kommen die Magazine zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wir stellen Ihnen die reichsten Persönlichkeiten vor. Zugleich gehen wir auf Aktualitäten zur Vermögensverteilung und zum Thema Neid ein. Mindestens 50 Prozent der Deutschen sollen Neider sein.

Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hat kürzlich ein neues Vermögensranking veröffentlicht. Danach soll Dieter Schwarz, der Gründer von Lidl und Kaufland, mit 41,5 Milliarden Euro der reichste Mann Deutschlands sein. Platz zwei belegen die Eigentümer von Aldi Nord. Auf Nummer drei ist die Familie Porsche platziert, jeweils mit einem Vermögen von 18 Mrd. Euro.

So sehen die Top 10 der reichsten Deutschen laut BILANZ aus.

Schwarz (Platz 1) und SAP-Gründer Hasso Plattner (Platz 10) konnten ihr Vermögen mehren. Das Vermögen der restlichen auf Platz zwei bis neun platzierten Reichen ist gesunken. Jedenfalls, soweit Vorjahreswerte angegeben waren. Platz 1.000 ist mit einem Vermögen von rund 140 Millionen Euro Vermögen belegt.

Datengrundlage seien eigene Recherchen – so zum Beispiel bei Ökonomen, Anwälten, Finanzexperten, Vermögensverwaltern und den Reichen selbst. Einbezogen seien Unternehmenswerte, Kapitalvermögen, Immobilien, Kunstsammlungen und Familienstiftungen.

Magazin Forbes kommt zu anderen Ergebnissen

Das US-Magazin Forbes hat ebenfalls eine Bestandsaufnahme für 2019 gemacht – mit anderen Platzbelegungen. Dies liegt teilweise an abweichenden Vermögenswerten, aber auch an der Berechnungsgrundlage. Denn Familien werden teilweise zusammen, teils getrennt gezählt. Auch abweichende Börsenkurse können die Ursache sein.

So belegt Schwarz nur den zweiten Platz mit einem Vermögen von 19,7 Mrd. USD. Die Geschwister Beate Heister & Karl Albrecht Jr. (Aldi Süd) hingegen bekamen Platz eins mit 35,7 Mrd. USD.

Und hier das Ranking von Forbes zum Vergleich:

Beim reichsten Mann und bei der reichsten Frau besteht Einigkeit 

 Reichster Mann Deutschlands ist Dieter Schwarz mit:

  • 41,5 Mrd. Euro (BILANZ)
  • 19,7 Mrd. US-Dollar (Forbes).

Die reichste Frau Deutschlands ist hingegen Susanne Klatten mit:

  • 15,3 Mrd. Euro (BILANZ)
  • 19,3 Mrd. US-Dollar (Forbes).

Und wer sind sie nun, die Prominenten? 

Wir stellen Ihnen die Prominenten kurz vor. Dabei haben wir die Daten im Wesentlichen von den Unternehmenswebseiten, dem Magazin Forbes und Wikipedia entnommen.

Dieter Schwarz

Der Vater von Dieter Schwarz hatte 1930 Anteile am Obstgroßhändler Südfrüchte Grosshandel Lidl & Co. erworben. 1977 vererbte er die Anteile an seinen Sohn Josef. Schwarz selbst eröffnete 1973 den ersten Lidl-Laden. Bis 1978 testete Schwarz verschiedene Discounttypen. Dann teilte er die Unternehmenstätigkeit in Discountmärkte (Lidl) und Vollsortimenter (Kaufland). Letztlich ist daraus die Schwarz-Gruppe von Dieter Schwarz entstanden.

1999 zog er sich aus der Unternehmensleitung zurück. In diesem Zuge übertrug er seinen Anteil auf die gemeinnützige Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH. Stiftungszweck ist unter anderem die Förderung von Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur.

Geschwister Theo Sr. Albrecht, Karl Sr. Albrecht

1913 wurde das erste Lebensmittelgeschäft in Essen eröffnet. Die Geschwister Theo Sr. und sein Bruder Karl Sr. Albrecht bauten den heutigen Aldi Konzern nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam auf. Im Jahr 1961 trennten sich die Brüder. Karl Sr. übernahm die Rechte an der Marke Aldi in Großbritannien, Australien, den USA und die Geschäfte in Süddeutschland. Sein Bruder Theo Sr. übernahm hingegen die Geschäfte in Norddeutschland und im übrigen Europa. Die Anteile am US-Lebensmitteldiscounter Trader Joe’s erwarb er 1971.

Im Jahr 2010 erbten Theo Albrecht Jr. und sein Bruder Berthold die Anteile. Allerdings starb sein Bruder Berthold in 2012. Daraufhin gab es einen langwierigen Rechtsstreit zu dem Mitspracherecht der Miterben. Letztich hat das Bundesverwaltungsgericht in 2019 entschieden, dass die Familienerben keinen Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens ausüben können.

Familie Wolfgang Porsche

Grundstein war die Firmengründung durch Ferdinand Porsche in 1930. Sein Enkel, Wolfgang Porsche, wurde 1978 Aufsichtsratsmitglied. Sein Vater Ferry Porsche verstarb 1998. Im Januar 2007 übernahm er den Vorsitz. Wolfgang Porsche möchte auch heute noch das Unternehmen im Sinne des Gründers und auch seines Vaters fortführen. Die Beteiligungsverhältnisse sind komplex. Wolfgang Porsche selbst ist über die „Familie Porsche Beteiligung GmbH am Porsche Konzern beteiligt.

Familie Reimann

1823 erwarb Johann Adam Benckiser eine Salmiakhütte in Pforzheim. Im Jahr 1851 gründete Benckiser zusammen mit dem Chemiker Karl Ludwig Reimann eine Chemiefabrik in Ludwigshafen. Ab da verzeichnete das Unternehmen eine erfolgreiche Karriere. Gehandelte Produkte waren Weinsäure, Zitronensäure und Phosphate. Letztlich ging daraus die JAB Holding Company s.à.rl hervor. Vier der neun Kinder von Albert Reimann jr. sind nunmehr zu gleichen Teilen mit 90 Prozent beteiligt.

Zu den bekannten Produkten/Marken gehören unter anderem Kaffe (Balzac Coffe), Beauty (Calvin Klein), Tierkrankenhaus (Compassion-first), Designermode (Bally), Haushalt (Reckitt Benckiser), Fast-Food (US-Kette Krispy Kreme).

Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten

Hinter den Geschwistern verbirgt sich der BMW Konzern. Dessen Gründer war deren Vater, Herbert Quandt. Susanne Klatten besitzt 19,2 Prozent Anteile, ihr Bruder Stefan Quandt 23,7 Prozent.

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Klatten ist weiter alleinige Anteilseignerin der Altana AG, einem Pharma-/Spezialchemiekonzern. Zudem hat sie Anteile an Nordex AG (Windkraftunternehmen) und der SGL Group (Kohlenstoff- und Graphitproduzenten). Darüber hinaus hat sie ein Innovationszentrum an der Technischen Universität München gegründet.

Ihr Bruder Stefan Quandt ist alleiniger Anteilseigner der in 1989 gegründeten Delton AG. Deren Tochterunternehmen sind Logwin AG (Logistik) und die Heilmittel Heel GmbH (homöopathische Medizin). Des weiteren ist er an der Solarwatt AG seit 2012 ebenfalls mehrheitlich beteiligt. Quandt ist Vorsitzender der Kuratorien der Johanna-Quandt-Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt.

Darüber hinaus hält er weitere Beteiligungen und ist in vielerlei Hinsicht kulturell und ehrenamtlich engagiert. Die GmbH Aqtivator (gemeinnützig) fördert Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien mit den Schwerpunkten Bildung, Integration und Chancengerechtigkeit.

Georg Schaeffler

Die Schaeffler Gruppe gehört zu den weltweit größten Herstellern von Kugellagern und Maschinenkomponenten. Mannes Wilhelm Scheffler gründete das Unternehmen 1946. Nach dem Tod seines Vater in 2009 stieg Georg Schaeffler in das Unternehmen ein und führte es zusammen mit seiner Mutter Maria-Elisabeth. Die Beteiligung beträgt zusammengerechnet 46 Prozent. Zuvor praktizierte er als Wirtschaftsrechtsanwalt in Dallas. Zur Schaeffler-Gruppe gehört die Continental AG, die einen Einbruch infolge der Finanzkrise erlitt, sich aber wieder erholte.

Hasso Plattner und Dietmar Hopp

Hasso Plattner und vier Kollegen (unter anderem Dietmar Hopp) verließen IBM in 1972 und gründeten das Softwareunternehmen SAP. Die Börsennotierung war in 1988. Im Jahr 2003 ist Plattner als CEO zurückgetreten und nunmehr Vorsitzender des Aufsichtsrats. Er hat das gemeinnützige Hasso-Plattner-Institut gegründet. Dessen Zweck ist Forschung und Lehre im Bereich IT-Systemtechnik. Zudem ist er sozial und ehrenamtlich engagiert. In 2017 hat er zum Beispiel das Museum Barberini in Potsdam gegründet.

Heinz Hermann Thiele

Hinter Heinz Hermann Thiele verbirgt sich die Knorr-Bremse AG – ein weltweit führender Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Darüber hinaus ist Thiele auch zu 45 Prozent an der Vossloh AG (Schienensysteme für Eisenbahn) beteiligt.

Klaus-Michael Kühne

Mit der Kühne + Nagel International AG kann man Klaus-Michael Kühne leicht zuordnen. Sein Großvater war Mitbegründer das Unternehmens. 1958 ist er in das von seinem Großvater mitbegründete Unternehmen eingestiegen. Die Geschäftsführung übernahm er in 1966. Daneben ist er mit 25 Prozent an Hapag-Lloyd (Schifffahrts- und Logistikunternehmen) beteiligt. Weiter hat er eine Stiftung gegründet, die nach seinem Tod sein Vermögen verwalten soll, weil er kinderlos ist.

Vermögen der Reichsten ist gestiegen

Laut BILANZ soll es 259 Vermögen im Milliardenbereich geben. Dabei sei eine Steigerung von 31 Milliardenvermögen im Vergleich zu 2018 zu verzeichnen (in Prozent: 3,33). Zusammen soll das Vermögen 1,053 Billionen Euro betragen. Die Grenze zur Billion sei somit infolge 2018 zum zweiten Mal überschritten.

Zur Vermögensverteilung in Deutschland im Allgemeinen: Die 45 reichsten besitzen genauso viel wie 50 Prozent der ärmeren Bevölkerung Deutschlands – so Stefan Bach, Steuerexperte und Verteilungsforscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), in einem Interview mit dem Manager-Magazin in 2018. Seine Zahlen beziehen sich auf 2014. Vermögensverteilung und Umverteilung ist ein immer wieder diskutiertes Thema.

Laut Dr. Daniel Stelter zeige der sogenannten „Gini-Koeffizient“, der „Maßstab der Gleichverteilung“, dass in Deutschland „relativ viel umverteilt“ werde. Maßstab der Gleichverteilung sei:

  • 0 = alles sei gleich
  • 1 = einer habe alles, der Rest nichts

In Deutschland liege dieser Koeffizient vor Umverteilung bei rund 0,5, nach Umverteilung bei 0,29. Dessen Entwicklung sei seit mehr als zehn Jahren stabil. Auf OECD-Ebene sähe dies aber wieder anders aus.

Das Thema Neid

Das Thema Neid ist für viele Deutsche, auch für die Reichen, ein Thema. In dem Online-Magazin The Economist wird Dirk Rossmann, Begründer der Drogeriekette Rossmann, zitiert. Viele reiche Deutsche seien Rossmann zufolge schüchtern, weil sie Bedenken vor Sozialneid, aber auch Angst um ihre Sicherheit hätten. Er verweist auf eine tragische Entführung und Ermordung von Jakob von Metzler im Jahr 2002.

Tatsächlich sollen mehr als die Hälfte der Deutschen neidisch sein. Das Magazin Focus bietet sogar einen Neidrechner an. Das Ludwig von Mises Institut Deutschland berichtete kürzlich von einer Umfrage zum Thema Neid. Ergebnis war, dass die Franzosen am neidischsten seien. Direkt danach kämen die Deutschen. Und es seien mindestens mehr als 50 Prozent neidisch.

Sind Sie ein Neider?

Das Ludwig von Mises Institut Deutschland berichtete kürzlich über eine Umfrage zum Thema Neid. Ob man zur Gruppe der Neider gehöre, könne man an an folgenden Fragen beantworten:

Frage 1: Ich fände es gerecht, wenn die Steuern für Millionäre stark erhöht würden, auch wenn ich dadurch persönlich keinen Vorteil hätte.

Frage 2: Ich wäre dafür, die Gehälter von Managern, die sehr viel verdienen, drastisch zu kürzen und das Geld an die Angestellten der Unternehmen zu verteilen, auch wenn diese dadurch vielleicht nur ein paar Euro im Monat mehr bekämen.

Frage 3: Wenn ich höre, dass ein Millionär mal durch ein riskantes Geschäft viel Geld verloren hat, denke ich: das geschieht dem Recht.

Wer zwei oder drei dieser Aussagen unterstütze, gehöre zur Gruppe der „Neider“. Frage 3 gehöre zur Schadenfreude, die eng mit dem Neid verknüpft sei.

Andreas Tögel: Neid zerstört die Gesellschaft

Neid sei auf kommunistische Aspekte zurückzuführen, sagte Andreas Tögel ggü. dem Ludwig Mises Institut. Und Neid habe „eine immens zerstörerische Wirkung auf jede Gesellschaft“.

Die linke Bewegung strebe Einkommens- und Vermögensgleichheit an. Deren Meinung sei, es wäre ungerecht, dass einige mehr hätten als andere. Sie erwarten von der Regierung, dass sie den einen das Geld nimmt, und es anderen gibt oder für Staatsausgaben verwendet. Das sei in einem Umverteilungsstaat sogar auch möglich. Der Staat könnte die Steuereinnahmen einer Firma geben, die dadurch reich werde.

In einer freien Marktwirtschaft sei das nicht möglich. Menschen könnten nur durch Angebot von Gütern oder Dienstleistungen reich werden. Es gehe den Menschen in einer freien Marktwirtschaft umso besser, je erfolgreicher ein Unternehmen sei, auch den unteren Einkommensschichten.

Der Beleg für die zerstörerische Wirkung sei das „Scheitern der sozialistischen Experimente der zurückliegenden 100 Jahre“. Er verweist dazu auf Fidel Castro in Kuba. Innerhalb kürzester Zeit wurde den Reichen alles genommen. Nach kurzer Zeit waren alle gleich arm und die Regierung brach zusammen. Unternehmergeist und die private Kapitalakkumulation, die für „steigenden Lebensstandard und Wohlstand entscheidend“ seien, wurden zerstört. (bm)