Marcus Aurelius über den Umgang mit einem miesen Tag – und wie man ihn zum Guten wendet

Epoch Times30. November 2019 Aktualisiert: 30. November 2019 22:45
Wenn Sie morgens aufwachen, beachten Sie doch einmal, wie schnell Ihr Verstand Ihre vertrauten physischen und psychischen Beschwerden überprüft.

Der römische Kaiser Marcus Aurelius hielt den Kampf gegen die Realität für sinnlos. Wer ständig nach Fehlern sucht, wird sie auch finden. Rückenschmerzen? Immer noch da. Ein Treffen am Nachmittag, um das man sich Sorgen machen muss? Immer noch da. Eine schwierige finanzielle Situation? Immer noch da. Alle Tage sind herausfordernd, aber das heißt nicht, dass sie nicht erfolgreich sein können.

Heute, wie an den meisten Tagen, wird es wahrscheinlich zu heiß oder zu kalt sein. Der Weg zur Arbeit wird wie immer schrecklich sein. Zu laut, zu dreckig, zu hektisch und zu viele Ampeln. Vor allem Rote. Beunruhigende Ereignisse werden in der Welt geschehen. Die Kollegen und sogar die eigene Familie sehen die Dinge gänzlich anders, sodass zwischenmenschliche Konflikte unvermeidbar scheinen.

Jeden Tag mit Ehre und Charakter handeln

Der römische Kaiser Marcus Aurelius war ein stoischer Philosoph. Er würde sagen: „Nichts muss heute gut laufen, damit du mit Ehre und Charakter handeln kannst.“

Das Unmögliche zu tun und nur positive Gedanken zu haben, ist nicht die Antwort. Im Gegenteil, Aurelius rät in seinen „Meditationen“: „Wenn du morgens aufwachst, sag dir selbst: Die Leute, mit denen ich es heute zu tun habe, werden sich einmischen, undankbar, arrogant, unehrlich, eifersüchtig und mürrisch sein.“

Indem man sich die Denkweise, die Aurelius rät, aneignet, kämpft man nicht permanent mit der Realität. Und über die unangenehmen Menschen, denen man an einem bestimmten Tag begegnet, sagt Aurelius:

Sie sind so, weil sie Gut und Böse nicht unterscheiden können. Aber ich habe die Schönheit des Guten und die Hässlichkeit des Bösen gesehen und erkannt, dass der Übeltäter eine Natur hat, die mit meinem eigenen verbunden ist. Wir sind nicht gleichen Blutes oder miteinander verwandt, sondern mit dem gleichen Geist und mit einem Anteil am Göttlichen gesegnet.“

Jeder, den Sie heute treffen werden, unterscheidet sich trotz seines schlechten Verhaltens nicht wirklich von Ihnen. Es gibt keinen Grund wütend zu sein, Hass zu empfinden oder Konflikte heraufzubeschwören, rät Aurelius. Die Dinge laufen vielleicht nicht gut, doch die Dinge müssen nicht gut laufen, damit Sie einen guten Tag haben. Und jeder Mensch hat seine Entscheidungen selbst in der Hand, jeder Mensch hat die Macht, eine anderer, eine bessere Entscheidung zu treffen.

„Wir wurden geboren, um wie Füße, Hände und Augen zusammenzuarbeiten, wie die beiden Zahnreihen oben und unten. Sich gegenseitig zu behindern ist unnatürlich. Um Wut auf jemanden zu verspüren, ihm den Rücken zuzukehren, das sind bloß Hindernisse, die man sich selbst aufbürdet“, sagte Aurelius.

Während im Kopf die Worte ‚Wir wurden geboren, um zusammenzuarbeiten.‘ nachhallen, glauben die meisten Menschen, dass ihnen die täglichen Mitpendler im Weg sein und die Kollegen nur da sind, um sie am Arbeiten zu hindern. Kein Wunder, dass der noch junge Tag schon so erschöpfend ist.

Aurelius würde sagen: „Man erwartet, dass die Welt keine Hindernisse bietet, während der Verstand mit Hindernissen gefüllt ist.“ Das passt nicht zusammen.

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Charakter

„Was für eine neue Hölle will hier rein?“, witzelte Dorothy Parker, als in ihrer Wohnung die Türklingel schellte. Vielleicht ist es sinnvoll den neuen Tag mit einem ähnlichen Humor zu begrüßen.

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Obwohl es Parker anders vorkam, lehrte Aurelius, dass wir selbst, das Problem sind. Nicht andere Menschen. Wie viel Zeit verschwenden wir damit, uns auf das zu konzentrieren, was andere tun? Aurelius bietet eine fundierte Beratung:

Verschwenden Sie nicht den Rest Ihrer Zeit auf Erden damit, sich um andere Menschen zu sorgen – es sei denn, es beeinträchtigt das Gemeinwohl. Es wird Sie nur davon abhalten, etwas Nützliches zu tun. Sie werden viel zu sehr damit beschäftigt sein, was jener tut, und warum, und was sie sagen, und was sie denken, und was sie vorhaben, und all die anderen Dinge, die Sie ablenken und davon abhalten, sich auf Ihren eigenen Verstand zu konzentrieren. Ja, erniedrige dich weiter, Seele, aber bald wird deine Chance auf Würde weg sein. Jeder bekommt ein Leben. Deines ist fast aufgebraucht, und anstatt dich mit Respekt zu behandeln, hast du dein eigenes Glück den Seelen anderer anvertraut.“

Wenn die eigenen Gedanken nicht ewig um andere kreisen würden, dann könnte sich viel mehr unserer eigenen mentale Energien freisetzen, und wir könnten uns auf unsere eigenen Anstrengungen konzentrieren.

Konzentrieren Sie sich jede Minute auf das, was vor Ihnen liegt. Gehen Sie es mit präziser und echter Ernsthaftigkeit an. Seien Sie zärtlich und bereit sich selbst gerecht zu behandeln. Und sich von allen anderen Ablenkungen zu befreien. Ja, das können Sie. Denn wenn Sie alles tun, als wäre es das Letzte, was Sie in Ihrem Leben tun könnten, dann würden Sie jede Sekunde auskosten. Hören Sie auf, ziellos zu sein. Hören Sie auf, Ihre Gefühle über das, was Ihr Verstand versucht Ihnen mitzuteilen, hinwegsetzen zu lassen. Und hören Sie auf, scheinheilig, egozentrisch und gereizt zu sein.“

„Wenn du den Schmerz meistern willst, roll dieses Buch aus und lies es sorgfältig“

Nicht überzeugt? Glauben Sie immer noch, dass andere das Problem sind? Aurelius hat einen Eimer Eiswasser für jene schlechten Gedanken – und einen besseren Weg zur Selbsterneuerung:

Die Leute versuchen, dem Ganzen zu entkommen, flüchten ans Land, an den Strand, in die Berge. Sie wünschen sich immer, dass Sie das auch könnten? Was idiotisch ist, denn Sie können jederzeit weggehen. Indem Sie in Ihr Inneres horchen. Nirgendwo kann man friedlicher, frei von Unterbrechungen, abtauchen als in die eigene Seele. Vor allem, wenn Sie andere Dinge haben, auf die Sie sich verlassen können. Die Erinnerung eines Augenblicks und da ist es: völlige Ruhe. Und mit Ruhe meine ich eine Art Harmonie. Also halten Sie sich immer wieder von allem fern, was einem sowieso nicht guttut. Erneuern Sie sich selbst. Aber halten Sie sich dabei kurz und bündig. Ein kurzer Besuch sollte ausreichen, um alle abzuwehren und dann zurückzukehren, damit Sie sich dem stellen können, was Sie wirklich erwartet.“

Ein byzantinischer Dichter riet seinen Lesern einmal, das zu studieren, was er „Das Buch des Markus“ nannte: „Wenn du den Schmerz meistern willst, roll dieses Buch aus und lies es sorgfältig.“ Dabei schrieb Marcus Aurelius die „Meditationen“ als Anleitung für sich selbst, ohne etwas zu erwarten.

Die deutsche Übersetzung Aurelius‘ Schriften sind unter dem Titel „Selbstbetrachtungen“ im De Gruyter Verlag erschienen. Auch Klassikprofessor Gregory Hays von der University of Virginia empfiehlt: „Lesen und erneut lesen.“

Beginnen Sie sich zu beobachten – jeden Morgen, wenn Sie aus dem Bett steigen, werden Sie die Gelegenheit haben, eine Wahrheit zu erfahren: Nichts muss heute „richtig laufen“ und doch können Sie, wie der Philosoph Epictetus geschrieben hat, „ihren Teil mit Ehre erfüllen.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: Marcus Aurelius on How to Turn Around a Rotten Day (deutsche Bearbeitung Jacqueline Roussety)

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