Plastikflaschen ade: Offener Brief eines frustrierten Getränkehändlers

Epoch Times26. Juni 2019 Aktualisiert: 26. Juni 2019 22:54
"Der Kunde ist König, aber wenn der König Sch... baut, muss man etwas dagegen tun", sagt Getränkehändler Hans-Peter Kastner aus Stuttgart und verbannt ab August sämtliche Plastikflaschen aus seinem Markt. Sein offener Brief erntet überwiegend positive Reaktionen - beim Kunden, bei Kollegen und in der Politik.

„Es wird Zeit, dass wir umsetzen, was gefordert und von Nöten ist. Ansonsten können wir auch in die Politik gehen und Jahrelang nur reden!“, schrieb Hans-Peter Kastner, Getränkehändler aus Stuttgart, am 17. Juni auf Facebook. Ab dem Sommer können seine Kunden ausnahmslos nur noch Glasflaschen beim ihm kaufen. Plastikflaschen und Einweg-Dosen sind ab dem 1. August für ihn passé.

Seine 204 Quadratmeter Ladenfläche wird dennoch nicht leer stehen. Auf Anfrage der Epoch Times erklärte der Getränkehändler, dass er lediglich etwa zwei Prozent seines Sortiments endgültig aussortieren muss. Für alle anderen Produkte gibt es Mehrweg-Alternativen in Glas – egal ob Wasser, Bier, Wein, Saft oder Limonade.

Bei seinen Kunden kommt die Aktion gut an und etwa 85 Prozent haben ihm – zumindest mündlich – weiterhin die Geschäftstreue versprochen. 14 Stammkunden, die regelmäßig beim ihm Getränke abholen, sind bereits einen Schritt weitergegangen und schon auf Glasflaschen umgestiegen. Auch im Liefergeschäft haben viele Kunden bereits nach plastikfreien Alternativen gefragt. Der gute Kontakt, den er zu seinen Kunden pflegt, zahlt sich aus.

Auch an der Politik ist sein offener Brief nicht spurlos vorbeigegangen und bis in die höchsten Etagen vorgedrungen. Franz Untersteller, Umweltminister des Landes Baden-Württemberg, rief höchstpersönlich im Getränkemarkt Kastner an und bat den Geschäftsführer um einen Gesprächstermin.

10.400 Plastikflaschen „Discounter-Müll“ in 12 Wochen

Auslöser für Hans-Peters drastische Maßnahmen war die Menge der von ihm unverschuldeten Müllberge hinter seinem Laden. Kunden hatten in den letzten zwölf Wochen insgesamt 10.400 Plastikflaschen „Discounter-Müll“ bei ihm abgegeben. 52 große Säcke mit jeweils 200 Flaschen.

Wirtschaftlich bedeuten diese Flaschen für den Unternehmer einen Verlust von etwa 500 Euro, während sich die großen Discounter, die die Flaschen verkauft haben, über einen Gewinn von etwa 2.600 Euro freuen können, denn sie müssen sich ja nicht mit der Entsorgung beschäftigen.

10.400 [Flaschen] bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 1,00 Euro entspricht einem Umsatz von 10.400 Euro. Bei einem Erlöse von 25 Prozent haben unsere Freunde von Kaufland, Aldi, Lidl & Co 2.600,00 Euro Gewinn erwirtschaftet und wir haben deren Müll gezählt, gelagert und nun entsorgt. Die Kosten der Entsorgung sind immens und liegen bei rund 0,05 Euro pro Flasche/Dose. In Umkehrschluss bedeutet das, dass wir Kosten von über 500,00 Euro haben, um diese Einweg Produkte zu entsorgen,“ rechnet Hans-Peter Kastner vor.

Obwohl er mit Einweg-Flaschen rund ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet, hat Hans-Peter beschlossen, sämtliche Plastikflaschen aus seinem Sortiment zu verbannen! Auch die Mehrweg-Plastikflaschen, die er, nach Rückgabe durch den Kunden, an den Hersteller zurückgeben könnte. Warum? „Wenn ich die PET-Flaschen behalte, bin ich weiterhin verpflichtet, den Discounter-Müll anzunehmen.“

„Der Kunde ist König, aber wenn der König Sch… baut, muss man etwas dagegen tun“

Viele seiner Kollegen haben ihm für seinen Mut gratuliert und gesagt, dass sie sich diesen Schritt aus wirtschaftlichen Gründen nicht getraut hätten. Dennoch haben viele Getränkemärkte bundesweit seinen offenen Brief geteilt und im Schaufenster hängen, „um ihre Kunden auf die Problematik hinzuweisen“, so Hans-Peter Kastner.

Sollte er erfolgreich sein und sein Markt diese Entscheidung überleben, hofft er, dass es ihm seine Kollegen gleich tun. Bisher ist er bundesweit der erste und einzige Markt, der auf Plastikflaschen verzichtet.

Der Getränkehändler steht auf jeden Fall zu seinem Wort. Er habe auf Facebook „die große Fresse“ gehabt und werde jetzt auch dazu stehen, sagt er. Sein Ziel ist kein geringeres als eine Revolution der Industrie, „nur so können wir die Vermüllung unsere Planeten stoppen.“ Zu Epoch Times sagte Hans-Peter Kastner lachend:

Natürlich, der Kunde ist König, aber wenn der König Sch… baut, muss man etwas dagegen tun.“

Lesen Sie hier Hans-Peter Kastners offenen Brief im Wortlaut

Offener Brief an alle Kunden und Nichtkunden der Firma Getränke Kastner

Sehr geehrte Kunden, sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben uns in den letzten 12 Wochen die Mühe gemacht und Fremdleergut der Kategorie „Einweg“ gesammelt und dieses Ergebnis nun ausgewertet und es ist erschreckend.

In Zeiten wo viele von Umweltschutz und Nachhaltigkeit reden, wo eine kleine Schwedin es schafft die ganze Welt zum Zuhören zu bringen, wo Freitag die Schule zweitranging ist und wir täglich Gedanken austauschen wie wir das Klima und die Umwelt retten können, wo es sich um Elektromobilität und Weltvermüllung dreht, schaffen wir es innerhalb von 12 Wochen sage und schreibe : 52 Säcke a 200 Stück, also 10 400 Einweg Flaschen & Einweg Dosen von unseren Kunden zurück zu bekommen und diesen Berg von Müll haben wir in diesem Bild einmal festgehalten.

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Wir fragen uns warum?

10 400 bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von € 1,00 entspricht einem Umsatz von € 10 400. Bei einem Erlöse von 25% haben unsere Freunde von Kaufland, Aldi, Lidl& Co € 2600,00 Gewinn erwirtschaftet und wir haben deren Müll gezählt, gelagert und nun entsorgt.

Die Kosten der Entsorgung sind immens und liegen bei rund € 0,05 pro Flasche/Dose. In Umkehrschluss bedeutet das, dass wir Kosten von über € 500,00 haben um diese Einweg Produkte zu entsorgen.

Wenn die Bürgerinnen und Bürger so handeln würden wie sie sagen, dann hätte man bei uns Mehrweg Flaschen oder „Zweiweg“ Plastik Flaschen gekauft, die von uns an die Hersteller zurückgegeben werden und dort fachgerecht recycelt werden um neue Flaschen herzustellen.

Dann hätten wir als Familienbetrieb keine € 500,00 Kosten auf Handelsmüll sondern einen Erlös von € 2000,00 ( da wir geringere Spannen haben und wir durch die schlechteren Einkaufsbedingungen sowieso schon benachteiligt sind ) durch den Verkauf von Umweltfreundlicheren Mehrwegflaschen erzielt.

Nein, man drückt uns den Müll auf das Auge weil es einfacher ist uns diesen Müll zu bringen als ihn mühevoll am Automaten im Kaufland oder Lidl zu entsorgen. Da müsste man ja in der Schlange stehen und warten oder noch schlimmer, man würde sich die Finger schmutzig machen – denn meistens bekommen wir die Flaschen in Behältern oder Tüten die mit Resten voll sind und wir dann aus dieser Brühe die Flaschen rauszählen müssen.

Das ist die aber nur die wirtschaftliche Seite.

Die Ökologische Seite sieht so aus, dass wir nun 10 400 Stück Plastikmüll auf dem Hof liegen haben der entsorgt werden muss. Wo endet dieser Müll? Wir wissen es nicht!!!

Zurück gegeben wird er von uns an eine sogenannte Clearing Stelle welche uns den Pfandwert abzüglich Kosten für Abholung, Zählung, Lagerung, Entsorgung und anderen Gebühren auszahlt.

Aber dann?

Ganz ehrlich, ich kann Ihnen nicht sagen ob diese Flaschen fachgerecht recyclet werden oder wie so viel andere Müll einfach in das ferne Ausland verkauft wird und dort in die See geschmissen wird.
Das ist auch nicht meine Aufgabe mir darüber einen Kopf zu machen, denn ich kann es nur an diese Clearingstelle zurückgeben. Das ist so geregelt und ich muss mich daran halten.

Was ich nicht Muss ist die Schnauze zu halten wenn ich so einen Mist sehe.

Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut.

Wir bieten Ihnen eine Auswahl an unzähligen Produkten in Mehrwerggebinden, Mehrwegflaschen oder „Zweiweg“ Pet Flaschen an, die von den Herstellern zur Herstellung von neuer Flaschen wieder verwertet werden. Wir verzichten bewusst in unserem Sortiment auf Einweg Sprudel in den 6er Packen obwohl der Marktanteil bei rund 50% liegt = wir verzichten der Umwelt zu liebe auf Mehrgeschäft was einem Betrieb in unserer Größe nicht leicht fällt. Aber wir machen das aus Überzeugung. Weil wir davon überzeugt sind das es eben NICHT GUT für die Umwelt ist.

Wenn ich Betriebswirtschaftlich an den Punkt komme das ich Plastikmüll verkaufen muss um zu überleben, dann schließe ich meinen Betrieb. Denn ich habe kein Problem damit meinen Kindern zu sagen das ich gescheitert bin, ich habe aber ein Problem damit meinen Kindern zu sagen dass ich nichts gegen die Umweltverschmutzung getan habe.

Wir fordern alle Kunden auf diesen Wahnsinn zu beenden!!!

Es liegt in Ihren Händen und Sie haben die Wahl:
Stärken Sie den Fachhandel
Kaufen Sie Mehrweg anstatt Einweg
Helfen Sie mit die Umwelt zu verbessern
Reduzieren Sie unnötigen Plastikmüll
Sichern Sie die Nahversorgung und somit auch die Nachhaltigkeit

Kaufen Sie Umweltbewusst, kaufen Sie lokal und stärken Sie denjenigen den Rücken der Tag für Tag aufsteht um seine Familie zu ernähren.
Oder stärken Sie den Aktionären den Rücken, den Gesellschaftern, den CEO´S, all denen die dann genug Kohle haben um abzuhauen wenn uns das Klima um die Ohren fliegt

Ihr Hans-Peter Kastner, Geschäftsführer

PS: Ich möchte Sie alle bitten zumindest nachzudenken und mir diese Offenheit nicht übel zu nehmen. Aber es wird Zeit das wir umsetzen was gefordert und von Nöten ist.
Ansonsten können wir auch in die Politik gehen und Jahrelang nur reden!!!!

Gerne darf dieser Brief auch geteilt werden – es geht hier nicht nur um Vaihingen oder Getränke Kastner. Es betrifft tausende von Läden und Millionen von Menschen. (ts)