Spanien bangt um Kind in Brunnenschacht – Ermittler finden Haare und Süßigkeiten

Epoch Times18. Januar 2019 Aktualisiert: 18. Januar 2019 14:56
Die Suche nach einem tief in einem Schacht verschwundenen Kind in Spanien wird zum Kampf gegen die Natur - und gegen die Zeit. Von dem Zweijährigen gibt es weiterhin kein Lebenszeichen. Ab Samstag drohen zudem neue Probleme.

Die Suche nach dem in einem ca. 110 Meter tiefen Schacht verschollenen Kleinkind ist in Spanien nach vier Tagen von Rückschlägen überschattet worden.

Am Dienstag teilte der nationale Unfallnotdienst am Dienstag auf Twitter mit, dass die Rettungsarbeiten für den kleinen Julen an der Unfallstelle in einem ländlichen Gebiet in der Provinz Málaga auch in der Nacht zum Dienstag nicht unterbrochen wurden. Zu diesem Zeitpunkt gebe vorerst noch keine Neuigkeiten.

Eine Tüte Süßigkeiten in 75 Meter Tiefe

Bei der Suche nach einem kleinen Jungen in dem engen Bohrloch haben die Einsatzkräfte Haare gefunden. „Man hat ein paar Haare gefunden und DNA-Tests der Guardia Civil (Polizei) belegen, dass sie zu dem Kind gehören“, sagte der Präfekt von Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez, dem Sender Cadena Ser am Mittwoch. Die Behörden werten dies als ersten Beweis dafür, dass der Junge in dem Bohrloch sein muss.

Ein Lebenszeichen von dem Jungen gibt es jedoch weiter nicht. Der Bürgermeister des benachbarten Ortes Totalán, Miguel Angel Escaño, sprach von einem Hoffnungsschimmer, der „jede Minuten abnimmt“. Der Vater des verunglückten Julen sagte: „Wir sehen ein wenig Licht.“ Seine Frau und er fühlten sich wie „tot“. Sie hofften aber auf einen Schutzengel, der ihr Kind lebend zurückbringe.

Julen soll bei einem Ausflug mit seiner Familie im hügeligen Gebiet in das Loch gefallen sein, das einen Durchmesser von nur 25 bis 30 Zentimetern hat. Bei Kameraaufnahmen wurde in dem Brunnenschacht in einer Tiefe von knapp 75 Metern eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich gehabt haben soll. Allerdings verhinderte lose Erde ein weiteres Vordringen mit der Kamera.

„Wir alle werden keine Minute ruhen, bis das Kind gefunden ist.“

García Vidal erklärte, vor allem die Beschaffenheit des Terrains sei für die Rückschläge verantwortlich. Der Boden bestehe zum Teil aus Schiefer und hartem Gestein und sei darüber hinaus sehr instabil. Das habe vor allem die Pläne zum Bau eines horizontalen Tunnels von einem Abhang aus vorerst über den Haufen geworfen.

„Wir sind auf enorme Schwierigkeiten gestoßen“, räumte Wegebau-Ingenieur Angel García Vidal am Donnerstag an der Unfallstelle in Totalán ein. Der Bau der Tunnel, die direkt an das Ende des Brunnenschachts führen sollen, wo der zweijährige Julen vermutet wird, habe sich daher stark verzögert, sagte García Vidal als Sprecher der Rettungsteams vor Dutzenden Journalisten.

Totalán liegt in einer Bergregion im Süden Spaniens. Der Zweijährige war nach Angaben seiner Familie am Sonntag in das Loch gefallen, während seine Eltern in der Nähe picknickten.

An der Rettungsaktion beteiligt sich auch die schwedische Firma Stockholm Precision Tools AB. Sie hatte 2010 zur Bergung von 33 chilenischen verschütteten Bergleute beigetragen, die nach 69 Tagen unter der Erde gerettet worden waren.

Die Bergung des Kindes sei eine „Frage von Tagen, nicht von Stunden“

Priorität habe nun die Grabung eines oder zweier Tunnel parallel zum Schacht, sagte der Ingenieur. Um die Arbeiten aufnehmen zu können, wird derzeit eine Plattform gebaut, auf der Fahrzeuge und Maschinen genügend Halt finden. Hoffentlich am Freitag werde die Plattform fertig sein, sagte er. Zeiten für den weiteren Ablauf zu nennen, sei unmöglich. „Wenn alles, wirklich alles gut läuft, kann man 50 Meter in 12 bis 16 Stunden schaffen“, sagte er. Es könne aber auch sein, dass man Tage braucht.

Mehrere von Medien befragte Experten hatten bereits zuvor erklärt, die Bergung des Kindes sei eine „Frage von Tagen, nicht von Stunden“. „Das wird mindestens noch zwei, drei, vier Tage dauern“, sagte der Sprecher des Verbandes der Mineningenieure in Málaga, Juan López Escobar, der Nachrichtenagentur Europa Press. Am Mittwoch hatte es noch geheißen, zumindest einer der beiden Tunnel könne schon bis Donnerstagabend fertig sein.

An der Suche nahe dem 352 Meter hohen Hügel Cerro de la Corona rund 15 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Málaga beteiligten sich mehr als 100 Angehörige der Feuerwehr, der Polizei, des Zivilschutzes und anderer Notdienste. Auch zahlreiche Experten von Firmen und von Universitäten sowie erfahrene Minenarbeiter der nördlichen Kohle-Region Asturien wurden zu Hilfe gerufen.

Ein illegal gegrabener Brunnen aus der Zeit der Dürre

Der Schacht ist den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 107 Meter tief. Das entspricht ungefähr der Höhe eines 30-stöckigen Gebäudes. Er war im Dezember auf der Suche nach Wasser in der von Dürre geplagten Region offenbar ohne Genehmigung gegraben worden. „Jeden Monat entdecken wir an die 20 illegal gegrabene Schächte“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde Andalusiens.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Der Unglücksschacht wurde nach Angaben der Zeitung „El País“ tragischerweise vom Freund einer Cousine des Vaters von Julen gegraben. Seine Eltern José Roselló und Victoria María García, waren schon im Mai 2017 vom Schicksal hart getroffen worden. Bei einem Strandspaziergang starb damals Julens älterer Bruder Oliver (3) an Herzversagen.

Trotz der Rückschläge gibt man in Spanien die Hoffnung nicht auf. „Ich glaube noch an ein kleines Wunder. Es ist ja schon vorgekommen, dass Menschen nach mehreren Tagen lebend geborgen wurden“, zitiert „El País“ den Höhlenforscher José Berrocal. „Wir haben einen Engel, der uns helfen wird, dass mein Sohn so schnell wie möglich dort herauskommt“, sagte der Vater am Mittwoch. Ab Samstag drohen allerdings ganz neue Probleme: Am Wochenende soll es in der Region um Málaga regnen. „Wenn viel Wasser vom Himmel fällt, ist das schon problematisch“, meinte García Vidal. Die Suche wird immer mehr zum Wettlauf gegen die Zeit. (dpa/afp/ts)

Themen
Newsticker