Massengrab aus 19. Jahrhundert auf Baustelle in Mainz entdeckt

Epoch Times1. November 2018 Aktualisiert: 1. November 2018 10:09
Bei den Bauarbeiten eines Schützenvereins im Mainz Stadtteil Hartenberg-Münchfeld wurden bei Baggerarbeiten ein Massengrab aus dem 19. Jahrhundert aufgedeckt. Die Toten starben vermutlich vor mehr als 200 Jahren an einer großen Typhus-Epidemie in Mainz.

Bei Bauarbeiten ist im Mainz Stadtteil Hartenberg-Münchfeld ein Massengrab aus dem 19. Jahrhundert entdeckt worden. Wie viele Tote dort genau begraben wurden, sei unklar. Nach ersten Schätzungen könnten es mehrere hundert, „vielleicht sogar an die tausend“ sein, sagte Jens Dolata von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz am Dienstag.

Eine genaue Anzahl an Todesopfern könnte nun zusätzlich erschwert sein, da ein Bagger zahlreiche Skelette zerstört hat. „Dort liegen jetzt zum Teil tausende einzelne Knochen“, sagte Dolata.

Ein Massengrab aus dem Jahr 1813

Das Massengrab könnte ersten Untersuchungen zufolge aus dem Jahr 1813 stammen. Damals war die Stadt von einer starken Typhusepidemie betroffen. Tausende fielen der Infektionskrankheit zum Opfer, sowohl Zivilisten als auch französische Soldaten, die die Stadt zu dieser Zeit besetzten. „Die Friedhöfe reichten nicht aus – also wurden Massengräber ausgehoben“, sagte Dolata.

Wie es auf der Baustelle des Schützenvereins nun weitergeht, ist unklar. Die Stadt ist sich jedoch sicher, dass es unmöglich sei, hunderte Leichen im Mainzer Stadtgebiet umzubetten. Darum plädiert Dolata dafür, die intakten Skelette an Ort und Stelle zu lassen, um die Totenruhe nicht zu stören.

In der kommenden Woche soll zusammen mit der Baustellenleitung darüber beraten werden. „Ich gehe davon aus, dass es im Stadtteil noch weitere Massengräber gibt“, sagte Dolata. Mainz ist in der Archäologie vor allem für zahlreiche Ausgrabungen aus der Römerzeit bekannt.

Was ist eigentlich Typhus?

Der Begriff Typhus stammt vom altgriechischen Wort „typhos“ ab und bedeutet so viel wie Dunst oder Nebel, der wahrscheinlich das „umnebelte“ Bewusstsein der Infizierten beschreibt. Bei der Krankheit handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die durch mangelnde Hygiene hervorgerufen wird und nur von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

In den vier Stadien der Krankheit klagen die Betroffenen zuerst über Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichtem Fieber. Es folgt ein langanhaltend hohes Fieber, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und getrübtes Bewusstsein. Des weiteren können die Erkrankten unter der sogenannten „Typhuszunge“ leiden (gräulich verfärbte Zunge).

In besonders schwerwiegenden Fälle treten weiterhin Hautausschlag, Magen-Darm-Schmerzen, Darmblutungen oder -durchbruch sowie Knochenmarks-Entzündungen und Blutgerinnselbildung auf. Unbehandelt führt die Krankheit in den meisten Fällen zum Tod. (afp/ls)

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