Eisenbahn zum Mond: Steilste Bahnstrecke Nordamerikas feiert 150. Geburtstag

Epoch Times22. Dezember 2019 Aktualisiert: 21. Dezember 2019 15:49
Als der Eisenbahningenieur Sylvester Marsh um die Erfüllung seines Wunsches bat, verspotten ihn seiner Kritiker: "Man könne genauso gut eine Eisenbahn zum Mond bauen." Seine Kritiker sind inzwischen verstummt, aber seine Eisenbahn fährt noch heute.

Vor etwas mehr als eineinhalb Jahrhunderten wandte sich der Eisenbahningenieur Sylvester Marsh im US-Bundesstaat New Hampshire an die politischen Entscheidungsträger. Er bat um die Erlaubnis, sich seinen größten Traum zu erfüllen: Den Bau einer Dampfmaschine, die auf den Gipfel des Mount Washington fährt.

Erst wurde er für seine Idee belächelt. Einige Kritiker spotteten sogar, man könne genauso gut eine Eisenbahn zum Mond bauen. Doch als er 5.000 Dollar seines eigenen Geldes investierte und darüber hinaus noch mehr sammelte, wurde seine Bitte bewilligt. So entwarf und baute Marsh 1869 in Neuengland eine Zahnradbahn, die zur ersten Bergbahn der Welt und zur steilsten Bahnstrecke Nordamerikas werden sollte.

Wenn Träume wahr werden

Wie sich gezeigt hat, war Marshs Plan alles andere als ein Misserfolg, denn in diesem Jahr feierte die Mount Washington Cog Railway, bekannt als „The Cog“, ihr 150-jähriges Bestehen. In dieser Zeit brachte sie mehrmals täglich Touristen aus aller Welt auf den mit über 1.900 Höhenmetern höchsten Berg im Nordosten der USA, um atemberaubende Fernsichten zu genießen.

Mit einer durchschnittlichen Steigung von über 25 Prozent und einer Maximalsteigung von 37,41 Prozent ist die Cog bis heute die zweitsteilste Zahnradbahn der Welt. Die Bahnstrecke verläuft über eine Länge von rund 5 km, beginnt auf einer Höhe von etwa 820 Metern über dem Meeresspiegel und endet kurz vor dem Gipfel des Berges auf 1916 Metern.

Rund eine Stunde benötigt die Cog, um den Gipfel des Mount Washington zu erklimmen. Auf dem Weg nach oben fährt sie durch weitläufige Berglandschaften mit Wäldern und Felsen und überquert dabei die Baumgrenze. Für besonderen Nervenkitzel sorgt die „Jacob’s Ladder“, eine S-Kurve, die den steilsten Teil der Bahn ausmacht.

Die spektakulären Panoramaausblicke auf der unvergesslichen Fahrt umfassen die Berge und Täler von New Hampshire und Maine und reichen im Norden bis nach Kanada und im Osten bis zum Atlantischen Ozean.

Erkundungstour mit Panoramaausblick

Auf dem Gipfel wird eine einstündige Pause eingelegt, in der man bei schönem Wetter die Aussicht der White Mountains oder eine Erkundungstour in den umliegenden Mount Washington State Park genießen kann. Innerhalb des Parks befindet sich auch das Sherman Adams Visitor Center mit einer der am häufigsten besprochenen Wetterstationen der Welt und dem Extreme Mount Washington Museum.

Dank unvorstellbarer Schneestürme, orkanartiger Winde und Temperaturen bis unter minus 30 Grad konkurrieren die Winterbedingungen auf dem Mount Washington mit denen des Mount Everest und der Polarregionen und machen den Berg gewissermaßen zu einem Außenposten der Arktis. Das Museum vermittelt auch in den Sommermonaten einen realistischen Eindruck von der Kraft und Härte des Winters mittels hochmodernen und interaktiven Exponate.

Ein Blick hinter die Kulissen

Steil bergab geht es schließlich wieder zurück zur Marshfield Base Station am Fuße des Berges. Dort befindet sich das kostenlose und interaktive Zahnradbahnmuseum, das Besuchern einen Blick hinter die Kulissen einer der berühmtesten Eisenbahnen des Landes gewährt. Hier können kleine und große Lokführer die Cog mittels eines Zugsimulators sogar selbst „fahren“.

Außerdem wird der mit einem Emmy ausgezeichnete Dokumentarfilm „Climbing to the Clouds“ gezeigt, der mehr über die bewegte Geschichte der weltweit ersten Bergbahn mit Zahnradantrieb zu erzählen weiß.

Obwohl es im Laufe der Zeit natürlich auch Neuerungen bei der Mount Washington Cog Railway gab (einige der Züge fahren jetzt beispielsweise mit Biodiesel), bleiben das Gefühl, die Panoramaaussicht und das Erlebnis genauso atemberaubend und einzigartig, wie Sylvester Marsh es sich vor 150 Jahren vorgestellt hat. (DNE/ts)

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