Ein zweites Leben für britische Polizeipferde

Epoch Times8. September 2017 Aktualisiert: 8. September 2017 10:50
Ihr Leben lang waren sie auf britischen Straßen und Bürgersteigen unterwegs, mussten Kriminelle jagen und Prügel einstecken. Nach ihrer Entlassung aus dem Dienst haben 22 Polizeipferde aus Großbritannien nun in Südfrankreich ihren Altersruhesitz gefunden.

Auch Polizeipferde gehen irgendwann in Rente. Auf dem Gut in der Nähe von Brantôme in der Dordogne ist es grün, ruhig und friedlich. „Hier sind sie glücklich“, sagt Roland Phillips über seine neuen Schützlinge.

Phillips hat selbst bei Scotland Yard gearbeitet, bevor er sich 2009 im Südwesten Frankreichs niederließ – in einer Gegend, in der Tausende britische Rentner leben. Zusammen mit seiner Frau Alison gründete er den Altersruhesitz für Polizeipferde. „Wir schenken ihnen ein zweites Leben“, sagt der 60-Jährige.

Foto: Dan Kitwood/Getty Images

Ranger, der schokoladenbraune Hengst mit der schwarzen Mähne, kam erst vor Kurzem nach Frankreich. Mit seinen neun Jahren ist er eigentlich noch viel zu jung für den Ruhestand, doch der Einsatz bei Krawallen nach einem Fußballspiel im vergangenen Jahr haben das Pferd traumatisiert. Unzählige Knallkörper und andere Geschosse trafen das Tier, ein Demonstrant richtete einen Laserstrahl direkt auf seine Augen.

Da Wasserwerfer und Tränengas in Großbritannien verboten seien, setze die Polizei bei Ausschreitungen Pferde ein, um die Menge zu zerstreuen, sagt Phillips. „Aber hier hindert unseren neuen Pensionär nichts daran, 28 Jahre alt zu werden – das ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines solchen Pferdes.“

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images

Foto: Jack Guez/Getty Images

Auch Lewis, ein weiterer Bewohner, kam vor sechs Jahren schwer traumatisiert auf dem Pferdehof an. Er war bei Unruhen in England 2011 dabei. Anfangs lag Lewis nur in der hintersten Ecke seines Stalls und konnte weder Menschen noch andere Tiere ertragen, wie Philips schildert. Heute ist er der Star bei Besuchern und genießt ihre Streicheleinheiten sichtlich.

Die britische Polizei hat kein Budget, um sich um alte oder dienstuntaugliche Pferde zu kümmern. Findet sich niemand, der die Tiere aufnimmt, werden sie eingeschläfert.

Foto: Kim Ludbrook/dpa

Die Versorgung der Pferde auf dem Gnadenhof ist teuer, auch der Transport nach Frankreich per Fähre und Lastwagen ist kostspielig. „Das Geld ist äußerst knapp. Wir haben gerade genug, um weitermachen zu können“, sagt Phillips. Führungen, Hochzeiten, Konzerte und englische Tee-Nachmittage sowie Spenden finanzieren den Alterssitz. Freiwillige striegeln die Pferde und misten die Ställe aus, andere übernehmen Patenschaften für einzelne Tiere.

Doch das Engagement des Ehepaars Phillips scheint sich auszuzahlen. Walter, lange Zeit der Patriarch im Stall, wurde 34 Jahre alt – umgerechnet in Menschenjahre über hundert.

Foto: Christian Bruna/dpa

(sp/gt/ts)

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