Nach der WM beginnt das Töten – Das traurige Schicksal von 1,5 Millionen Straßenhunden

Von 5. Juli 2018 Aktualisiert: 4. Juli 2018 17:49
"Die Gewaltigkeit und der moralische Fortschritt einer Nation können an der Beziehung dieser Nation zu Tieren gemessen werden", Mahatma Gandhi - Die Gnadenfrist für Zehntausende streunende Tiere endet, sobald ein neuer Fußballweltmeister feststeht. Nach dem WM-Abpfiff am 15. Juli beginnt das Töten!

In Wolgograd wurde die Hofhündin Alma, die gerade Junge bekommen hat, in eine Haftanstalt des Ausstallungsdienstes gebracht. Ihre kleinen Welpen wurden durch die kalten Hände der Beamten von der Mutter entwöhnt und achtkantig in den Wagenkasten geworfen.

Alma heult verzweifelt! Die blinden Welpen wimmern und versuchen ihre Mutter zu finden. Die Mutter, die sie nie wiedersehen werden! Und es gibt Tausende ähnlicher Beispiele!

Zur gleichen Zeit hielt Aktivist Yuri Esman eine Kundgebung in der Nähe des Kremls. Zusammen mit den Freiwilligen ehrten sie die Erinnerung an die Opfer der WM! Tierverteidiger wurden für 8 Tage verhaftet!

Gefägnis wegen Erinnerung an die Opfer der Weltmeisterschaft

Der Unterschied zwischen diesen Geschichten ist, dass Yuri bald freigelassen war, aber Alma wahrscheinlich betäubt und dann zu einer Müllgrübe geschickt wird. Genau wie ihre Welpen!

Dieser Fall macht mich sehr wütend und vielleicht wird er in Ihrer Seele Anklang finden. Aber es ist schwer vorstellbar, dass Präsident Putin und seine Kollegen erschüttert werden, denn in deren Landsitzen und Residenzen leben Haustiere, die sie in privaten Flugzeugen zu den Ausstellungen senden.

Wenn ich über Putin und Co. unrecht habe, warum zur Hölle, haben dann die Behörden die Massentötung von Hofhunden nicht gestoppt und wirksam ein humanes System der Tierpopulationskontrolle in unserem großen Land angenommen?

Am 20. Januar dieses Jahres begannen Tierschützer Alarm zu schlagen. Die Direktorin des Fonds zum Schutz von Stadt-Tieren Ekaterina Dmitriewa fand staatliche Ausschreibungen für die Ausstallung und das Töten von Hofhunden  in Höhe von anderthalb Millionen Euro in den 11 WM-Städten.

Radikallösung – Nach der WM beginnt das Töten

Anstatt die Tiere zu sterilisieren und zu impfen, sowie einen Tierheim zu bauen und mit Freiwilligen zusammenzuarbeiten, entschied sich der Staat, das Hundeproblem ganz und gar zu lösen. Die Beamten führten die Hand an den Mützenschirm, krempelten die Ärmel hoch und begannen mit der Massenausstallung und Tötung streunender Tiere. Die Tierschützer appellierten an die Behörden, an westliche Medien, veranstalteten Kundgebungen und inszenierte schließlich eine Gedenkminute zum Andenken an die getöteten obdachlosen Tiere in Fußnähe vom Kreml. Die Behörden reagierten auf eine eigenartige Weise: die Aktivisten wurden verhaftet, aber die Behörden versprachen, das Mord-Conveyer zu stoppen.

Die überlebenden Hunde haben nun bis zum Ende der Weltmeisterschaft eine Verschnaufpause bekommen. Nach dem Schlusspfiff um 18:00 Uhr am 15. Juli, werden die Beamten wieder loslegen und glücklich ihr schmerzlich korrumpiertes Lieblings-Schema in Angriff nehmen: Ausstallung-Einschläferung-Ausnutzung.

Als klar wurde, dass die Situation ihren Höhepunkt erreicht hat, riefen die russischen Freiwilligen den Deutschen Tierschutz Verband an, der sich auf die russischen Abgeordneten und den Botschafter von Deutschland in Moskau berief und anfragte, die Massentötungen von streunender Tieren zu stoppen.

Aber diesen eigenartigen Strafstoß der westlichen Kollegen werden die russischen Behörden problemlos abwenden und anschließend wieder in den alten Trott verfallen. Wie die Sanktionen zeigen, Glatt Rot und ein Platzverweis schrecken die Behörden nicht ab!

Syrien, Ukraine, Fußball – Es gibt „wichtigere Problem als irgendwelche verdammten Tiere“

Leider haben unsere Politiker weder eine adäquate Strategie, das Problem streunender Tiere zu bekämpfen, noch den Willen, und das ist die Hauptsache, sich mit „irgendwelchen verdammten Tieren“ zu befassen. Es gibt die wichtigeren Probleme: Syrien, der Osten der Ukraine, und, nicht zuletzt, Fußball! Jetzt spielen die Beamten auf allen Ebenen dieses beschämende Problem des modernen Russlands herunter.

Die Tierschützer kämpfen seit mehr als 20 Jahren für die Verabschiedung des „Tiergesetzes“. Hunderte Volkskünstler Russlands unterzeichnen die Petitionen. Doch es half alles nichts! Putin lehnte wiederholt die Vorschläge von Initiativgruppen ab und seit Jahren sammelt sich Staub in den Regalen der Staatsduma und auf „Dem Gesetz zur verantwortungsvollen Behandlung von Tieren“.

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Und im Jahr 2016, wie das schwache Licht in der Mitte der kalten und unbesiedelten sibirischen Taiga, schürten wir neue Hoffnung! Nach weiterem Druck der Tierschützer, erteilte das Staatsoberhaupt selbst am 23. Dezember 2016 auf einer Pressekonferenz den Beamten die Auflage, das „Tiergesetz“ so bald wie möglich zu verabschieden. Und? – fragen Sie und ziehen ihre Augenbrauen hoch. Nun, ich muss sagen, dass der Wagen auch heute noch dort steht!

Um den Beamten einen Ruck zu geben haben wir am 7. November 2017, zusammen mit Tierschützern des Tierschutzzentrums in Russland namens „VITA“, 1,5 Millionen Unterschriften an die Präsidialverwaltung übergeben. Eine beispiellose Aktion.

Medien schüren Ängste – nicht nur vor „bösen Hunden, die schutzlose Passanten angreifen“

Wir forderten das „Tiergesetz“ zu verabschieden, die Strafmaße für Schinderei durch Menschen zu verschärfen, ein System der Sterilisation, Chipping, und Geldstrafen für die Verstoßung von Hunden und Katzen, Regulierung des Arbeitsumfangs von Zirkussen, Zoos zu schaffen …

Unmittelbar danach begannen einige Aktivisten unter der Führung des Tierschützer Yury Esman einen Hungerstreik an den Wänden der Staatsduma. Die Freiwilligen haben die Zelte aufgeschlagen und verharrten dort mehr als eine Woche bei Minusgraden ohne Essen.

Die Behörden gingen schleppend einen Kompromiss ein und verschärften die Strafen für die unmenschliche Behandlung von Tieren.

Leider können Hunde und Katzen weiterhin gefahrlos als unangenehmes oder langweiliges Spielzeug auf die Straße geworfen werden. Schlagen, töten, nicht chippen und nicht sterilisieren, schnappen, betäuben und zu einer Müllgrübe schicken. Und der Wagen wird heut noch dort stehen bleiben!

Im russischen Fernsehen werden die Propagandisten Geschichten über die tapfere Arbeit der Beamten zeigen und die Bevölkerung Russlands durch Berichte über Hunderudel, die schutzlose Passanten angreifen, einschüchtern. Der geneigte Fernsehzuschauer wird darauf hin seinen Teller Borschtsch beiseite räumen und rufen: „Richtig, wir müssen sie alle ausrotten und dann das Problem lösen.“ So denken auch einige meiner Verwandten!

Ähnlich schlecht behandeln Russen Schwule, die im russischen Fernsehen oft in einem schlechten Licht dargestellt werden und die Bevölkerung somit von Schwuleuropa in Furcht versetzt wird! Umfragen zeigen, dass mehr als ein Drittel der Befragten Vertreter der LGBT-Bewegung missbilligt. Kein Wunder!

Nun, ich stimme zu, dass Russland aus diesem Blickwinkel nicht am Ende der Liste steht. In China beispielsweise ist die Situation noch gravierender.

Tierheime und gewissenhafte Beamte kann man an einer Hand abzählen

In einigen großen Städten wie Moskau, St. Petersburg und jetzt in Kaliningrad versuchen die Behörden wirklich, das Problem auf angemessene und humane Art und Weise zu lösen. Sie bauen Tierheime und geben das Geld für die Massensterilisation der Tiere aus. Auf der anderen Seite, können die großen Tierheime des Landes an einer Hand abgezählt werden, genauso wie die gewissenhaften Beamte, die das Problem nicht durch Töten lösen wollen!

Während ich diese Kolumne schreibe, „träumt“ die Hofhündin Alma wahrscheinlich vom Leben mit einem liebevollen Besitzer und mit ihren Welpen. Das aber, wird mit ziemlicher Sicherheit nicht passieren …

Über den Autor: Evgeny Krinitsyn lebt seit 2014 in Deutschland und arbeitet als Journalist, Sonderkorrespondent und Redakteur. Er ist Autor des Buches „Interviewschmied: 11 Meisterklassen“ und Initiator der Petition „Wir fordern die Verabschiedung des Gesetzes über Tiere“ auf der Plattform change.org mit über 557.000 Unterstützern.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar und entspricht nicht unbedingt der Meinung der Redaktion von EPOCH TIMES oder anderen Autoren dieser Seite.