Deutschlands älteste römische Bibliothek in Köln entdeckt

Epoch Times28. Juli 2018 Aktualisiert: 27. Juli 2018 15:56
Einem Medienbericht zufolge haben Archäologen bei Ausgrabungen in der Kölner Innenstadt die bislang älteste nachweisbare römische Bibliothek entdeckt.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwoch berichtete, wurde das steinerne Fundament des Gebäudes bereits vor knapp einem Jahr bei den Bauarbeiten für ein neues evangelisches Gemeindezentrum entdeckt. Der mutmaßliche frühere Zweck des Gebäudes blieb zunächst aber unklar.

Wie die Zeitung unter Berufung auf die Experten der städtischen Bodendenkmalpflege mitteilte, galt es von Anfang an als öffentliches Gebäude, weil es am Forum der ehemaligen Siedlung lag. „Zuerst dachten wir, es handele sich um die Überreste eines öffentlichen Versammlungsraumes“, sagte Marcus Trier, Leiter der Kölner Bodendenkmalpflege.

Erst durch Vergleichsfunde u.a. aus Ephesos sind die Archäologen zu dem Entschluss gekommen, dass es sich hier um eine Bibliothek handeln muss. Die Nischen in den Wänden dienten dabei zur Aufbewahrung von Schriftrollen. Der Bau datiert zwischen 150 und 200 nach Christus.

Eine zweigeschossige Bibliothek?

Die Bibliothek hatte insgesamt eine Größe von etwa 20 mal neun Meter und war laut Vermutungen der Ausgräber ein sieben bis neun Meter hoher, zweigeschossiger Bau mit einer Apsis. „Da lagen bestimmt mehrere Tausend Schriftrollen zum Ausleihen drin“, sagte Trier.

Erhalten geblieben sind nur die Grundmauern und zwei kleine Fragmente des ehemaligen Fußbodens. Die antiken Architekten verwendeten „opus caementicium“, eine Art antiker Beton, zum Bau der Bibliothek. „Wir konnten noch die Abdrücke der Schalung sehen, die sie verwendet haben. Die Römer haben im Prinzip nicht so viel anders gebaut als wir heute.“

Nach ihren Angaben ist das Gebäude damit die älteste römische Bibliothek, von der archäologische Spuren gefunden wurden. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit habe es auch in Trier eine römische Bibliothek gegeben, womöglich auch in Augsburg, Mainz und Xanten. Diese seien aber bislang nicht gefunden worden.

Die Evangelische Kirche will die Entdeckung so in ihr neues Zentrum integrieren, dass ein Teil der Mauern für Besucher zugänglich sein wird. Andere Teile werden so umbaut, dass sie späteren Forschergenerationen für Untersuchungen erhalten bleiben. (afp/ts)

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