Das älteste Tattoo der Welt

Epoch Times12. March 2018 Aktualisiert: 12. März 2018 16:32
Tattoos gelten in heutiger Zeit als modischer Körperschmuck. Doch nicht immer sind die Motive auf dem ersten Blick erkennbar und auch ihre Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wie ging es den Menschen vor 5.000 Jahren?

Vor Kurzem fanden Forscher Tattoos von Tieren und anderen Motiven an zwei natürlich mumifizierten Körpern aus Ägypten, die bereits vor 100 Jahren entdeckt wurden. Sie stammen aus einer Zeit zwischen 3351 und 3017 vor Christus und gelten somit als die bislang ältesten Tattoos der Welt.

Mittels Infrarot-Technologie identifizierten die Wissenschaftler am Oberarm einer männlichen Mumie figürliche Darstellungen eines Wildbullen und eines Schafes. Am Oberarm und an der Schulter der zweiten, weiblichen Mumie wurden zudem lineare und S-förmige Motive entdeckt.

Dieser Fund offenbarte sich außerdem als das älteste Tattoo, das jemals auf einem weiblichen Individuum gefunden wurde.

Ein Kult, älter als die ersten Pharaonen

„Der Einsatz der neuesten wissenschaftlichen Methoden, einschließlich CT-Scans, Radiokarbondatierung (C-14-Datierung) und Infrarot-Bildgebung, hat unser Verständnis der Gebelein-Mumien verändert. Erst jetzt gewinnen wir neue Einblicke in das Leben dieser bemerkenswert erhaltenen Individuen. Außerdem ist es unglaublich, dass diese Funde mit über 5.000 Jahren, die Beweise für das Tätowieren in Afrika um ein Millennium zurückdatieren“, sagte Daniel Antoine, Kurator für Physische Anthropologie.

Diese natürlich mumifizierten Individuen kommen aus der prä-dynastischen Zeit Ägyptens, einer Zeit vor der Vereinigung des Landes durch den ersten Pharao um 3100 vor Christus. Die gesamte sichtbare Haut dieser mumifizierten Menschen wurde im Rahmen eines neuen Programms für Konservierung und Forschung auf Anzeichen von Körperkult untersucht.

100 Jahre lang befanden sie sich im British Museum und niemand erkannte ihr Geheimnis

Die männliche Mumie, bekannt als „Gebelein Mann A“, ist seit seiner Entdeckung vor rund 100 Jahren fast ununterbrochen im British Museum zu sehen. Frühere CT-Scans zeigten, dass „Gebelein Mann A“ ein junger Mann war, im Alter zwischen 18-21 Jahren. Damals entdeckten die Forscher eine Stichwunde am Rücken der Mumie, die mit absoluter Sicherheit die Todesursache war.

Doch die dunklen Flecken auf seinem Arm, die bei Tageslicht als schwache Markierungen erschienen, waren damals ungeprüft geblieben. Erst die Infrarotfotografie enthüllte kürzlich, dass diese Flecken tatsächlich Tätowierungen waren. Sie stellten zwei leicht überlappende gehörnte Tiere dar.

Die gehörnten Tiere wurden vorläufig als ein wilder Stier (langer Schwanz, kunstvoll gearbeitete Hörner) und ein Berberschaf (geschwungene Hörner, Buckelschulter) identifiziert. Beide Tiere sind aus den Funden der prädynastischen ägyptischen Kunst gut bekannt.

Zudem sind die Darstellungen nicht oberflächlich und wurden auf die Dermisschicht der Haut aufgetragen. Die Farbpigment basierten auf Kohlenstaub und waren möglicherweise eine Art Ruß.

Die Tattoos zeigen Symbole der Macht

Die weibliche Mumie, bekannt als „Gebelein Frau“, besitzt mehrere Tattoos. Eine Reihe von vier kleinen S-förmigen Motiven ist senkrecht über ihrer rechten Schulter zu sehen. Unter ihnen auf dem rechten Arm befindet sich zudem ein weiteres, lineares Motiv.

Sie erinnern an die Gegenstände, die rituelle Personen bei Zeremonien verwendeten. Die Darstellungen solcher zeremoniellen Tätigkeiten befinden sich unter anderem auf bemalten Keramiken aus der prädynastischen Periode.

Bei den Gegenständen könnte es sich um einen gebogenen Stab handeln, ein Symbol für Macht und Status oder aber um einen Wurfstab oder Schlagstock, der bei rituellen Tänzen verwendet wurde. Auch die „S“ -Motive erscheinen häufig auf Töpferbemalungen.

Verbindungen zu Europa

Die Anwendung von Tattoos auf den menschlichen Körpern hat in vielen alten Kulturen eine lange und vielfältige Traditionen. Die bislang ältesten erhaltenen Beweise für Tattoos sind die der berühmten Gletschermumie Ötzi. Im Gegensatz zu den ägyptischen Funden zeigen diese jedoch vorrangig geometrische Muster.

Basierend auf den Radiokarbondaten sind die Gebelein-Tattoos mit Ötzi (3370-3100 vor Christus) ungefähr zeitgleich, sodass beide zu den frühesten Nachweis für Tattoos gezählt werden.

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Die Funde zeigen eindrucksvoll, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen das Tätowieren während der prädynastischen Periode Ägyptens (ca. 4000-3100 vor Christus) praktizierten.

Die vollständigen Ergebnisse wurden im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.

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