Die „außerirdischen“ Schönheiten vom Balkan

Epoch Times5. April 2018 Aktualisiert: 5. April 2018 17:05
Die Neuankömmlinge, die in den kleinen Bauerndörfern des mittelalterlichen Deutschlands ankamen, sind sicherlich aufgefallen: Sie hatten dunkles Haar und gelbbraune Haut, sprachen eine andere Sprache und hatten bemerkenswert große Köpfe. Doch wer waren sie?

Jetzt haben Wissenschaftler die ungewöhnlich geformten Schädel untersucht und herausgefunden, dass nicht Männer, sondern auch Frauen im mittelalterlichen Europa weit gereist sind. Die genetischen Analysen zeigten, dass die Frauen aus dem heutigen Rumänien, Bulgarien und Nordgriechenland kamen, als der Kontinent durch den Zusammenbruch des Römischen Reiches umgestaltet wurde.

Ungewöhnlicher Kult seit der Geburt

In einer Studie, die von der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, haben Forscher nun ihre Ergebnisse vorgestellt. Sie stellten fest, dass Frauen mit den ungewöhnlichen Schädelformen der Elite einer Gesellschaft angehörten.

Bei dieser Erscheinung handelt es sich um sogenannte „Turmschädel„. Dabei werden den Kindern bereits kurz nach der Geburt Stoffbänder wie eine Art Bandage um den Kopf gewickelt. Da die noch weichen Schädelknochen erst allmählich nach der Geburt zusammenwachsen, kann so die Verformung entstehen. Die Bandagierung des Kopfes wird bis zum Ende des Wachstums durchgeführt.

„Diese Frauen sahen extrem anders aus als die einheimischen Frauen, sehr exotisch, wenn man so will“, sagte einer der Forscher, Joachim Burger, Populationsgenetiker an der Universität Mainz.

Mit Kollegen aus Europa und den USA verglich Burger das genetische Profil von fast 40 menschlichen Überresten aus Gräbern des 5. und 6. Jahrhunderts in Bayern entlang der Isar und der Donau.

Die Forscher fanden statt römische, asiatische Spuren vor

Anfangs erwarteten die Forscher Spuren der jahrhundertelangen römischen Präsenz in den Genen der Menschen aus dem heutigen Bayern zu finden. Denn wie so oft hinterließen die Soldaten aus dem Mittelmeerraum ihre genetische Markierung in besetzten Regionen. Stattdessen sah es „sehr zentral- oder nordeuropäisch aus – blond und hellhäutig, wie moderne Skandinavier“, sagte Burger.

Die Ausnahme bildete eine Gruppe mit deformierten Schädeln. Künstliche längliche Schädel, die aus verschiedenen Kulturen der Welt bekannt sind. Sie galten einst wahrscheinlich als Schönheitsideal und verkörperten einen hohen Status, weil der Kopf eines Kindes viel Zeit und Mühe benötigt, um so geformt zu werden.

Diese Praxis wird oft mit den Hunnen in Verbindung gebracht, die während des 5. Jahrhunderts aus dem Osten nach Europa hereinbrachen. Doch die genetischen Untersuchungen der Bestattungen aus Bayern zeigen ein anderes Bild: Die Frauen kamen aus Asien. Dies deutet darauf hin, dass entweder der Brauch des Schädelbandagierens von Menschen aus Südosteuropa übernommen wurde, oder dort unabhängig entstand.

Für gewöhnlich waren es Männer, die weite Strecke zurücklegten

„Dies ist eine solide Studie mit recht interessanten Ergebnissen“, sagte Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

„Gewöhnlich handelt es sich bei großen Bewegungen um Männer – Entdecker, Soldaten, politische Elite usw. Kurzstreckenbewegungen sind häufiger bei Frauen bekannt“, sagte Hublin.

Während es unklar ist, warum die Frauen – anscheinend ohne Männer – so weit gereist sind, spekulieren die Autoren der Studie, dass sie möglicherweise strategische Allianzen zwischen fernen Bevölkerungen in ganz Europa vertreten haben.

„Sie müssen absichtlich gekommen sein,“ sagte Burger. „Es ist kein einzelner Fall, es gibt mehrere von ihnen.“

Trotz ihrer ausländischen Herkunft integrierten sich die Frauen in die bayerische Gesellschaft, so die Forscher. Sie trugen die gleichen Kleider wie die Einheimischen und wurden mit den gleichen Artefakten begraben. Burger sagte, dass weitere Forschungen nötigt sind, um zu sehen, ob die Frauen auch in der lokalen Bevölkerung heirateten.

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