Ichthyosaurier: Gigantische Fischsaurier durchpflügten einst die Meere

Epoch Times10. April 2018 Aktualisiert: 10. April 2018 19:16
Vor ca. 235 - 200 Millionen Jahren zogen gigantische Fischsaurier durch die prähistorischen Meere. Die Ichthyosaurier waren bis zu 26 Meter lang und damit etwa so groß wie ein Blauwal.

Der Fossiliensammler und Koautor der Studie, Paul de la Salle, fand im Mai 2016 einen Unterkieferknochen am Strand von Lilstock, Somerset. Später kehrte er zu dem Fundort zurück und fand noch mehr Stücke. Zusammen haben sie eine Länge von mehr als einen Meter und gehört zu den „größten Tieren überhaupt“.

Der 205 Millionen Jahre alte Kieferknochen konnte gleichzeitig ein 150 Jahre altes Geheimnis eines angeblichen „Dinosaurierknochens“ lösen.

Ichthyosaurier, die Herrscher der Meere?

Sie waren die gefürchteten Herrscher der Meere und lebten bis in die späte Trias (sog. Rhaetium) vor ca. 235 – 200 Millionen Jahren. Die Rede ist von dem Ichthyosaurier, einem Meeressaurier der vorrangig Fische und andere Wirbeltiere auf dem Speiseplan stehen hatte. Der warmblütige Fischsaurier scheute jedoch auch nicht davor, seine eigenen Artgenossen und jagen.

„Ichthyosaurier waren wichtige Bestandteile der mesozoischen Meeres-Ökosysteme aus der frühen Trias (Olenekium) bis zu ihrem Aussterben in der frühen Spätkreide (Cenomanium)“, schreiben die Forscher in ihrer aktuellen Studie.

Das 2016 entdeckte Fragment eines Kieferknochen gehört zu eben diesem prähistorischer Wasserreptil. Experten schätzen, dass der Körper dieses Exemplars bis zu 26 Meter lang war, in etwa so groß wie ein Blauwal.

„Anfangs sah der Knochen nur wie ein Stück Stein aus, aber nachdem ich eine Furche und Knochenstruktur erkannt hatte, dachte ich, es könnte Teil eines Ichthyosaurus sein“, sagte Paul de la Salle. Er kontaktierte sofort Dean Lomax, Ichthyosaurenexperte von der University of Manchester.

Weiterhin kontaktierte er Dr. Ramues Gallois, einen Geologen, der die Fundstelle besuchte und das Alter des Fundes stratigraphisch ermittelte.

Er hatte nur einen Teil des gesamten Schädels ausgemacht

Dean Lomax und Judy Massare identifizierten das Stück als einen unvollständigen Knochen (Surangular genannt) aus dem Unterkiefer eines riesigen Ichthyosaurier. Der Knochen hätte nur einen Teil des gesamten Schädels ausgemacht. Die Fragmente sind zusammen 96 cm lang, aber eine unbekannte Länge des vorderen Teils fehlt. Zudem ist die Knochenoberfläche an einigen Stellen stark abgenutzt.

Sie verglichen den Fund mit mehreren Exemplaren, unter anderem dem größten bekannten Ichthyosaurier: den Shastasauriden Shonisaurus sikanniensis. Die Funde des 21 m langen Sauriers befinden sich im kanadischen Royal Tyrrell Museum für Paläontologie in Alberta.

Die beiden Forscher fanden Ähnlichkeiten zwischen dem neuen Exemplar und S. sikanniensis, was darauf hindeutet , dass das Lilstock-Exemplar zu einem riesigen Shastasauriden-ähnlichen Ichthyosaurier gehört.

„Da die Probe nur durch ein großes Stück Kiefer dargestellt wird, ist es schwierig, eine Größenschätzung zu liefern. Aber durch die Verwendung eines einfachen Skalierungsfaktors und den Vergleich des gleichen Knochens in S. sikanniensis ist die Lilstock-Probe etwa 25% größer“, sagte Dean Lomax.

Weitere Vergleiche legen nahe, dass der Lilstock-Ichthyosaur mindestens 20-25 m groß war. „Solche Schätzungen sind natürlich wegen der Unterschiede zwischen den Arten nicht völlig realistisch. Nichtsdestotrotz wird eine einfache Skalierung häufig zur Schätzung der Größe verwendet, insbesondere wenn Vergleichsmaterial knapp ist“ fügte der Experte hinzu.

Ichthyosaurier statt Gigantismus von terrestrischen Reptilien

Im Jahr 1850 wurde ein großer Knochen von der späten Trias (ebenfalls 208 Millionen Jahre alt) in Aust Cliff, Gloucestershire, England, gefunden. Dieser wurde zusammen mit vier weiteren ähnlich unvollständigen Knochen untersucht beschrieben.

Zwei von ihnen sind jetzt vermisst und vermutlich zerstört. Sie wurden als Gliederknochen bereits bekannter Dinosauriern wie den Stegosauriern zugeordnet, oder bislang unbestimmten Sauriern und anderer Reptilien.

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Mit der Entdeckung des Lilstock-Exemplars widerlegt diese neue Studie jedoch frühere Identifikationen. Ebenso widerlegt es die jüngste Behauptung, dass die Aust-Knochen ein frühes Experiment des Gigantismus in terrestrischen Reptilien darstellt. Denn tatsächlich sind sie die Kieferfragmente von riesigen, zuvor nicht erkannten Ichthyosauriern.

Dean fügte hinzu: „Einer der Aust-Knochen könnte einem noch größeren Ichthyosaurier gehören. Im Vergleich zum Lilstock-Exemplar, könnte es ein viel größeres Tier darstellen. Um diese Ergebnisse zu verifizieren, brauchen wir einen kompletten riesigen Trias-Ichthyosaurier aus Großbritannien – viel einfacher gesagt als getan!“

Den vollständigen Forschungsartikel finden Sie hier als PDF:

A giant Late Triassic ichthyosaur from the UK and a reinterpretation of the Aust Cliff ‘dinosaurian’ bones